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Dieser Mannschaftsarzt heilt die Wunden der EVZ-Spieler

Die Eishockey-Playoffs sind intensiver und wilder als die Spiele in der Qualifikation. Der EV Zug kann sich während dieser Zeit auch auswärts auf die Ärzte verlassen. Der Zuger Beat Schwegler ist einer von ihnen.
René Barmettler
Beat Schwegler, einer der Mannschaftsärzte beim EV Zug, verbringt während der Playoffs viel Zeit in den Eishockeystadien. Bild: Philipp Schmidli (Zug, 21. März 2019)

Beat Schwegler, einer der Mannschaftsärzte beim EV Zug, verbringt während der Playoffs viel Zeit in den Eishockeystadien. Bild: Philipp Schmidli (Zug, 21. März 2019)

Brian Flynn führte im vierten Playoffspiel mit seinem 5:4 in der 96. Minute die Entscheidung herbei. In diesem Augenblick befand sich Mannschaftsarzt Beat Schwegler (50) nicht mehr an seinem gewohnten Platz. Dieser befindet sich jeweils in der Nähe der Zuger Auswechselbank. Schwegler vernahm den Jubel am vergangenen Samstag in einer Kabine der Resega, weil er sich um den Schweden Dennis Everberg zu kümmern hatte. Rund zwei Spielminuten zuvor wurde der Schwede hinter dem Lugano-Tor von Taylor Chorney an die Bande gecheckt, kam zu Fall und wurde am Stock Chorneys auch noch über die Eisfläche geschleift. Der Stürmer und Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:2 blieb liegen und musste gestützt vom Eis gebracht werden. Ob sich Everberg eine Gehirnerschütterung oder Armverletzung zugezogen hatte, darf Schwegler nicht preisgeben. Die Art von Blessuren werden während den Playoffs strikte geheim gehalten. Über die von den Schiedsrichtern nicht geahndete Intervention an Everberg sagt der Zuger: «Aus meiner Warte war das kein unfairer Check, es war einfach Pech mit dabei.» Der Facharzt für Innere Medizin und stellvertretende Chefarzt am Zuger Kantonsspital kann das beurteilen. Macht er doch seinen Job beim EV Zug seit 12 Jahren. Teilen tut er sich diesen mit Andreas Rindlisbacher und Thomas Langenegger. Im Gegensatz zur Qualifikationsphase reist einer dieses Trios auch an die Auswärtsspiele. «Während der Qualifikationsphase werden wir in einem Notfall von einem Arzt des Heimteams versorgt», sagt Schwegler. Also spüren auch die Ärzte die Intensität der Playoffs. Lange Reisen, «die Spiele gehen oft länger, und so kann die Regeneration auch für uns flöten gehen».

Auch wenn Schwegler von sich sagt, dass er mit den Jahren an der Bande innerlich ruhiger geworden sei, eine gewisse Unruhe während der Playoffs verspürt er immer noch. «Ich muss meine Familie während dieser Zeit gelegentlich in die Ferien schicken, sonst mache ich sie nur nervös.» Für einen Fall wie die sehr lange Partie in Lugano hatte sich der Ärztestaff vorbereitet, die Energiespeicher der Spieler verlangten nach zusätzlichen Kalorien. «Wir entschieden in Sitzungen, was in diesen Fällen gut ist, die Physiotherapeuten kümmern sich dann darum.» Im Angebot waren etwa Bündnerfleisch, Bouillon oder auch süsse Snacks, die Bedürfnisse sind da verschieden.

Hirnerschütterungen kommen zu häufig vor

Die Arbeit beim EV Zug ist eine willkommene Abwechslung im Berufsleben von Beat Schwegler. An seinem gewohnten Arbeitsort «habe ich für gewöhnlich mit kranken Menschen zu tun. Bei der Arbeit beim EVZ komme ich aus dem manchmal traurigen Alltagstrott heraus, hier habe ich Kontakt zu jungen, aufgestellten Menschen.» Überhaupt ist der Sportmediziner voll des Lobes über seinen «zweiten Arbeitgeber». «Sportchef Reto Kläy macht einen wirklich hervorragenden Job. Er holt nicht einfach Spieler nach Zug, sondern Menschen mit Charakter.» Auch die Leute drumherum ernten ein dickes Lob: «Ich habe nie bereut, diesen Job anzunehmen. Wir fühlen uns im Team und in der Organisation gut integriert. Das ist eine ganz tolle Truppe, die da am Gelingen aller Mannschaften mithelfen.»

Sein Job beim EVZ hat nicht nur seine schönen Seiten. Die Krebserkrankung von Stürmer Corsin Camichel 2011 hat Schwegler bewegt. Camichel hat diese schweren Zeiten überwunden, der Krebs ist zum Glück nie mehr zurückgekehrt. Auch das Thema Hirnerschütterungen beschäftigt ihn, trotz der inzwischen obligatorischen flexiblen Banden. «Sie kommen leider noch immer zu häufig vor. Das hat nicht viel mit der Qualität der Banden zu tun, es gibt einfach zu viele unfaire Checks gegen den Kopf. Hier hat man noch keine Lösung gefunden, damit es zu weniger Hirnerschütterungen kommt.» Im Moment überwiegt die Freude an seinem Job und an den Leistungen der Zuger. «Wir nehmen den Zusatzaufwand sehr gerne in Kauf, vor allem, wenn es wie jetzt in den Halbfinal oder dann später eventuell sogar in den Final geht.» Zeit für Erholung bleibe ihm dann im Mai und Juni genügend, meint er lachend. Danach wird Beat Schwegler seine 13. Saison mit dem EVZ in Angriff nehmen. Auf seiner Visitenkarte steht: «Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie/Diabetologie; Sportmedizin». Es hätte noch Platz für einen Zusatz: «EVZ-Meisterdoc 2019».

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