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EISHOCKEY: Aufs Rentnerdasein hat Leo Schumacher keinen Bock

Der langjährige EVZ-Elite-A-Trainer Leo Schumacher (64) hat noch einmal den Job gewechselt. Er trainiert jetzt die GCK Lions, die in der NLB spielen. Schumacher hat beim EV Zug viel bewegt und wird eine Lücke hinterlassen.
Marco Morosoli
Leo Schumacher hat Abschied von seiner alten Wirkungsstätte genommen. (Bild: Maria Schmid (Zug, 3. Mai 2017))

Leo Schumacher hat Abschied von seiner alten Wirkungsstätte genommen. (Bild: Maria Schmid (Zug, 3. Mai 2017))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Während Alterskollegen des 64-jährigen Leo Schumacher Pläne machen, was sie nach ihrer Pensionierung alles mit ihrer neu gewonnenen Freizeit machen wollen, wagt der erfahrene Eishockeycoach noch einmal einen Neuanfang. Seit Anfang Mai steht der langjährige Trainer der Elite-A-Junioren des EV Zug (siehe Box) im Solde der GCK Lions. Der Farmklub der ZSC Lions spielt wie das EVZ-Academy-Team in der NLB. «Ich bin unglaublich motiviert für meinen neuen Job und habe nach der Vertragsunterzeichnung mit meiner Frau eine Champagnerflasche geöffnet», sagt Leo Schumacher.

Sein Vertrag beim EV Zug wäre zwar noch ein Jahr weitergelaufen. Danach hätte, so erzählt der gewiefte Eishockeytaktiker, der EVZ «für mich einen zu ­diesem Zeitpunkt noch nicht definierten Job gehabt». Schumachers langjähriger Arbeitgeber hätte sozusagen auch über das Pensionsalter für ihn gesorgt, aber ihm gegenüber früh kommuniziert, dass ihm keine Mannschaft mehr anvertraut würde. Diese Aussicht hat bei Schumacher «ein komisches Gefühl» ausgelöst. Er habe sich nicht vorstellen können, plötzlich ohne die Verantwortung für ein Team dazustehen: «Ich bin ob dieses Gedankens oftmals in der Nacht schweissgebadet aufgewacht.»

Diesem nächtlichen Wachsein hat dann der ehemalige ZSC-Lions-Sportchef und heutige Talentscout der Zürcher, Edgar Salis, ein Ende gemacht: «Er hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, Coach der GCK Lions zu werden.» Für Leo Schumacher ist dies ein Geschenk des Himmels gewesen. Sein Kontrakt mit den Zürchern läuft drei Jahre. Dabei vergisst Schumacher nicht, zu betonen, dass ihm der EVZ respektive dessen CEO Patrick Lengwiler «keine Steine in den Weg gelegt hat». Dieses Entgegenkommen sei «superfair» gewesen: «Ich habe in Zug eine wirklich tolle Zeit gehabt. Überhaupt hat mir das Eishockey bisher ein gutes Leben beschert.» Seine Arbeit ist in Zug geschätzt worden: «Schumacher hat über viele Jahre einen hervorragenden Job gemacht und sein Herzblut in den EVZ und die Ausbildung von jungen Spielern investiert. Wir wünschen ihm für die Zukunft nur das Beste.»

Er hat viele Spieler sehr weit gebracht

Leo Schumacher ist ein Coach, der mit Überzeugung dabei ist. In seiner Zeit bei seinem Stammverein, bei dem er 1967 im Juniorenalter mit Eishockeyspielen begonnen hatte, hat er viel erreicht. Er hat Spieler wie Rafael Diaz, Luca Sbisa und Fabian Schnyder ausgebildet. Diaz und Sbisa, die einst Stürmer waren, hat er zu Verteidigern umfunktioniert. Dabei sei, so Schumacher, bei Diaz sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig gewesen. Stolz ist Schumacher auch, dass er den jetzigen ZSC-Lions- und Nationalmannschaftsstürmer Fabrice Herzog bei den Pikes Oberthurgau entdeckt und gefördert hat. Die Liste von Spielern, die Leo Schumacher erfolgreich ausgebildet hat, ist lang. Noch heute, sagt er, habe er Tränen in den Augen, wenn er einen ­Akteur in der NLA spielen sehe, den er grossgemacht hat. Schumacher ist ein Coach, der von seinen Spielern alles abverlangt, unerbittlich sein kann. Bekannt sind auch seine Schimpftiraden an der Bande, immer im Dienste der Mannschaft. Oftmals zieht er dabei auch den Groll der Schiedsrichter auf sich. Einmal hat er gar Stöcke aufs Eis geworfen, um damit kundzutun, dass er mit der Leistung des Unparteiischen nicht einig sei. Auch während seiner Garderobenpredigten kann er manchmal laut werden, hat dabei aber auch hier immer das Fortkommen seiner Mannschaft im Fokus.

«Von Andy Murray habe ich sehr viel profitiert»

Mit Schumacher übers Eishockey zu fachsimpeln, ist immer interessant. Er hat es verstanden, von den Coaches, mit denen er in seiner langen Karriere zusammengearbeitet hat, zu lernen. «Von Andy Murray habe ich sehr viel profitiert», sagt er.

Sympathisch am 64-Jährigen ist, dass er Emotionen zeigen kann. Er lebt und zelebriert Eishockey. Es habe ihn schon die Wehmut gepackt, als er seine Schlüssel für die Bossard-Arena zurückgegeben habe. Doch nun hat er den Fokus bereits auf seine neue Aufgabe gerichtet. Es werde bei den GCK Lions von ihm erwartet, dass er etwas bewege. Er will vor allem die Verlierermentalität bei den Zürchern zum Verschwinden bringen: «Ich kann mit Niederlagen nicht gut umgehen. Das war und ist immer noch so.» Probleme sieht Schumacher nicht: «Die Spieler, mit denen ich zusammenarbeite, wollen Profis werden. Da muss ich nicht immer die Trommel in der Hand haben.»

Doch nun kann Schumacher nicht mehr zu Fuss zu seinem Arbeitsplatz gehen. Er wird in Zug wohnen bleiben und hat schon seine ersten Erfahrungen mit dem etwas längeren Arbeitsweg gemacht. Sein Standort ist die Kunsteisbahn in Küsnacht: «Um dorthin zu kommen, sitze ich eine Stunde im Auto.» Um bei kurz aufeinanderfolgenden Terminen nicht immer nach Hause fahren zu müssen, wird ihm am rechten Zürichseeufer eine kleine Wohnung zur Verfügung gestellt. Sein Büro wird er im Keller der Kunsteisbahn haben. Das ist immerhin keine Veränderung. Auch schon in Zug hatte er eine Arbeitsstätte, in die kein Tageslicht drang. Bereits Mitte Juli wird Schumacher mit seiner neuen Mannschaft erstmals aufs Eis gehen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. So kennt er seine Spieler noch nicht. Doch bei all dem bleibt sicher noch Zeit, um mit seiner Familie zum Golfen zu gehen. Ein Sport, von dem auch seine Frau wie sein zweiter Sohn begeistert sind. So kann Schumacher Energie sammeln, um für den harten NLB-Alltag gewappnet sein. Ans Aufhören denkt er jedenfalls wohl länger nicht, sagt er doch: «Ich mache den Job, solange er mir Spass macht. Ich fühle mich gut im Schuss.»

Es wird kein Duell Vater gegen Sohn geben

Schumacher wird auch weiterhin in der Bossard-Arena zu Gast sein. Alte Bande wollen ja gepflegt werden. Dass sein Sohn Fabio Schumacher nun seinen Job an der Bande der Elite-A-Junioren des EVZ geerbt hat, ist «eine gute Wahl». Immerhin kommt es zu keinem Schumacher-Duell an der Bande.

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