EISHOCKEY: Beim EVZ arbeitet ein «Phantom-Sportchef»

Anfang März ist Jakub Horak beim EV Zug entlassen worden. Wenn es dumm läuft, bleibt er trotzdem noch ein Jahr im Amt und auf der Lohnliste. Als «Phantom-Sportchef».

Klaus Zaugg
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Vom Sportchef zum «Phantom-Sportchef»: Der vom EVZ entlassene Jakub Horak geht jeden Tag arbeiten. (Bild Roger Grütter)

Vom Sportchef zum «Phantom-Sportchef»: Der vom EVZ entlassene Jakub Horak geht jeden Tag arbeiten. (Bild Roger Grütter)

Eine höfliche Nachfrage bei Jakub Horak nach Wohlbefinden und neuer beruflicher Tätigkeit führt zu einer überraschenden Antwort: «Ich bin nach wie vor Sportchef des EV Zug.»

Hoppla! Wie kommt das?

Ein Blick zurück: Im Juni 2012 holt der EV Zug Jakub Horak als Sportchef. Knapp zwei Jahre später, nach dem Verpassen der Playoffs, ordnet der umsichtige Präsident Roland Staerkle ein «House Cleaning» an. Nicht nur Trainer Doug Shedden muss Anfang März 2014 gehen. Auch Sportchef Jakub Horak wird gefeuert. Inzwischen ist Reto Kläy als neuer EVZ-Sportchef angestellt worden.

Nachfolger froh um Zweitmeinung

Wie kommt es also, dass Jakub Horak sich mit leiser Ironie immer noch als Sportchef des EV Zug bezeichnet? Ganz einfach: Er ist es immer noch. Zumindest arbeitsrechtlich. Sein Vertrag läuft nämlich bis zum Ende der nächsten Saison, bis Ende April 2015. Jakub Horak bestätigt: «Ja, ich gehe beim EV Zug immer noch jeden Tag pünktlich zur Arbeit.» Sein Büro habe inzwischen Nachfolger Reto Kläy übernommen. Die Geschäftsstelle werde gerade umgebaut, und er werde wohl einen neuen Arbeitsplatz zugewiesen bekommen.

Was ist hier los? Jakub Horak sagt, er habe mit dem EV Zug bis heute in Verhandlungen mit Präsident Roland Staerk­le und CEO Patrick Lengwiler keine Lösung gefunden. Die Zuger haben ihrem gefeuerten Sportchef eine Abfindung offeriert. Er hat sie nicht akzeptiert.

Deshalb erfüllt er weiterhin seine Pflicht. «Es standen ja noch einige administrative Arbeiten an. Die sind jetzt erledigt.» Der neue Sportchef Reto Kläy hat kein Problem mit dem «Phantom-Sportchef» im Büro. Es sei doch immer gut, wenn man jemanden um eine Zweitmeinung fragen könne.

Horak kann Vertrag aussitzen

Die Ausgangslage ist so: Theoretisch schuldet der EV Zug Jakub Horak den Lohn bis zum Ablauf des Arbeitsvertrages Ende April 2015. Im Gegenzug hat Jakub Horak bis zu diesem Zeitpunkt für den EV Zug zu arbeiten. Eine andere Tätigkeit als die des Sportchefs ist ihm aufgrund seines Vertrages nicht zuzumuten. Er kann also nicht dazu verdonnert werden, die Papierkörbe zu leeren oder als EVZ-Kurier zu arbeiten.

Im Extremfall könnte der geschasste EVZ-Sportchef seinen Vertrag «aussitzen». Also bis Ende April 2015 jeden Tag zur Arbeit erscheinen. In der Praxis ist so etwas schwer machbar. Deshalb wird in solchen Fällen zwischen den Parteien eine Entschädigung ausgehandelt. Die könnte so aussehen, dass Zug noch vier bis sechs Monatslöhne bezahlt und im Gegenzug Horak per sofort eine andere Stelle antreten kann. So wird es in der Regel bei Trainerentlassungen gehandhabt, und eine ähnliche Lösung wird es wohl mit dem geschassten Trainer Doug Shedden (ebenfalls Vertrag bis Ende nächster Saison) geben.

Zeitverträge sind im Hockeybusiness nur bei Jobs mit hohem Entlassungsrisiko wie Trainer üblich. Bei leitendem Büropersonal wie Sportchefs sind jedoch Mehrjahresverträge wie im Falle von Jakub Horak ungewöhnlich. Das macht den «Fall Horak» so speziell. Die Zuger haben ihre Lehren bereits gezogen: Der neue Sportchef Reto Kläy hat nur noch einen normal kündbaren, unbefristeten Arbeitsvertrag.

Gibt es Job-Offerten für Jakub Horak, damit er den Schaden für den EVZ mindern kann? Zugs «Immer-noch-Sportchef» sagt, es gebe Optionen in der Hockeyszene. «Ich habe schon eini­ge Gespräche geführt. Mehr nicht.» Existenzangst muss Zugs Meisterspieler von 1998 mit einem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium sowieso keine haben. «Ja, ich bin froh, dass ich einen guten Rucksack habe.»

Gerichtspraxis «unterschiedlich»

Der ehemalige Zuger Strafrichter Reto Steinmann, der heute eine Anwaltskanzlei führt und als Einzelrichter der Nationalliga arbeitet, kennt sich durch seine langjährige Hockeytätigkeit in solchen Rechtsfällen gut aus. Er sagt: «Ein Aussitzen eines Vertrages ist heikel. Es gibt in diesem Falle auch die Schadenminderungspflicht.» Will heissen: Jakub Horak hat das Recht auf Fortsetzung der Lohnzahlung, aber auch die Pflicht, den Schaden für den EV Zug zu mindern, indem er sich um eine neue, gleichwertige Stelle bemüht. Ein schlechter bezahlter Job ist ihm allerdings nicht zuzumuten. Kommt es mangels gütlicher Einigung zu einem Fall vor Arbeitsgericht, so ist der Ausgang ungewiss. Reto Steinmann weiss: «Die Gerichtspraxis ist in solchen Fällen recht unterschiedlich.»

«Phantom-Sportchef» Jakob Horak betont, er suche keine Konfrontation mit dem EV Zug. Aber er sei Familienvater und müsse auch für sich schauen: «Es ist denkbar, dass ich einen Anwalt beiziehe.»

Kein Schelm, wer jetzt denkt, Jakub Horak habe als EVZ-Sportchef womöglich nie so hart verhandelt wie jetzt in eigener Sache.