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EISHOCKEY: Berns toxische Taktik im Playoff-Final gegen den EV Zug

Eishockey im Jahr 2017 ist, wenn der SCB gewinnt. Unter Trainer Kari Jalonen spielen die Berner mit mehr Geduld. Der EV Zug kann trotzdem Meister werden.
Klaus Zaugg
SCB-Trainer Kari Jalonen: «Grosse Mannschaften haben Glück.» (Bild: Michela Locatelli/Freshfocus (Lugano, 23. März 2017))

SCB-Trainer Kari Jalonen: «Grosse Mannschaften haben Glück.» (Bild: Michela Locatelli/Freshfocus (Lugano, 23. März 2017))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Der SC Bern gewinnt im Frühjahr 2017 wie der FC Basel, wie Bayern München, wie die deutsche Nationalmannschaft. Wie grosse Teams eben. Der Gegner kann machen, was er will – am Ende steht der SCB-Sieg mit der Unerbittlichkeit eines Naturgesetzes. Natürlich haben die Berner nominell eine sehr gute Mannschaft. Aber sie hatten nicht mehr Talent als Lugano, der Gegner im Halbfinal. Und sie haben auch nicht mehr Talent als der EV Zug. Die Differenz machten das Selbstvertrauen und die Gelassenheit, die grosse Mannschaften auszeichnen. Weil sie wissen, wie man Spiele, Playoff-Serien und Meisterschaften gewinnt. Selbstsicherheit und Gelassenheit bewahren in kritischen Situationen vor Hektik und Fehlern.

Berns Bandengeneral Kari Jalonen hat eine toxische taktische Variante entwickelt. Eine Mannschaft mit genug Talent, um die Entscheidung im Vorwärtsgang zu erzwingen, lässt er das System eines Aussenseiters spielen.

Ruhiger, gepflegter und kreativer

Es ist die ureigene finnische Hockeyphilosophie. Die Finnen sind zwar bei einer WM dazu in der Lage, mit Lauf- und Tempo­hockey nominell schwächere Gegner vom Eis zu fegen. Aber ihr Erfolgsrezept gegen die Titanen des Welteishockeys ist schlaues, elastisches, defensives Schachspiel mit schnellen Gegenstössen. Der SCB spielt unter dem ehemaligen finnischen Nationaltrainer eine geduldigere, ruhigere, gepflegtere, in der Angriffsaus­lösung kultiviertere, kreativere Version von Guy Bouchers hektischem Betonhockey. Abgesichert von Leonardo Genoni, dem besten Torhüter der Liga. Boucher wurde vergangene Saison in Bern gefeuert und kommandiert jetzt in Ottawa ein NHL-Team.

Jalonen hat im Halbfinal eine Mannschaft am taktischen Zügel zurückgehalten, die losstürmen und Lugano durch rollende Einsätze von vier Linien hätte hinwegfegen können. Ein frivoler, aber eben doch treffender Witz erklärt diese Spielweise gut: Vater und Sohn Bulle stehen oben auf dem Hügel und beobachten eine Herde knackiger junger Kühe. Sohn Bulle sagt: «Komm Vater, lass uns sofort runterrennen und eine besteigen.» Doch Vater Bulle mahnt weise: «Mein Sohn, lass uns in aller Ruhe hinuntergehen und alle besteigen.»

Wer gelassen bleibt, hat eher Glück

Der SCB spielt also unheimlich zielgerichtetes Zweck- und Resultathockey. Weil die Berner auch noch Glück hatten, war Lugano chancenlos. Jalonen sagt: «Glück? Grosse Mannschaften haben Glück.» Was er damit meint: Wer gelassen bleibt, hat eher Glück. Dem Erfolg, dem Glück darf man gerade in den Playoffs nicht hinterherrennen. Man muss ihm entgegengehen. Auch Zug hatte in diesen Playoffs schon dieses Glück, das grosse Mannschaften haben: beispielsweise beim Ausgleich und dann in der Verlängerung im ersten Viertelfinal-Spiel gegen Servette.Die Art und Weise, wie der SCB den Halbfinal gegen Lugano gewonnen hat, verführt zur Aussage: So wird man Meister. Helvetisches Eishockey 2017 ist, wenn der SCB am Ende doch gewinnt. Ist Zug also chancenlos? Nein. Biel war im Viertelfinal kein Gegner für den SCB. Ein starkes, leidenschaftliches Lugano im Halbfinal hingegen schon. Gegen Biel und Lugano haben die Berner je ein Heimspiel verloren. Zweimal gelang dem Gegner alles. Zweimal spielte der SCB leichtsinnig und zu offensiv. Zweimal setzten die Berner die toxische Taktik ihres Trainers nicht um. Und zweimal war Genoni, von seinen Vorderleuten im Stich gelassen, nur ein Durchschnittsgoalie.

Die Wechselwirkung zwischen Torhüter und Mannschaft ist beim SC Bern offenkundig. Aber der EV Zug ist drei Nummern grösser als Biel und eine Nummer grösser als Lugano. Was diesen Final noch interessanter macht: Zugs taktische Philosophie ist sehr ähnlich. Nicht nur geprägt von der Ruhe und Zuversicht von Trainer Harold Kreis. Auch von der finnischen Philosophie seines Assistenten Waltteri Immonen. Der Final wird also im besten Wortsinne «High Noon» sein. Das finale Duell zwischen zwei nahezu gleichwertigen Gegnern. Verlieren wird, wer, wie im berühmten Duell der Western-Revolverhelden, zu früh blinzelt. Wer sich dazu provozieren lässt, die bewährte Taktik aufzugeben, und hektisch wird.

Provokationen werden nur Folklore sein

Was zum Schluss verleitet, Provokationen könnten diesen Final entscheiden. Es ist allerdings billigster Hockey-Populismus, zu verkünden, bekannte Provokateure wie Zugs Johann Morant oder auf der Gegenseite Thomas Rüfenacht könnten in einem Final zwischen zwei so talentierten, taktisch stabilen und gut gecoachten Mannschaften eine wichtige Rolle spielen. Provokationen werden in diesem Final nur Folklore sein.

Die Geduld ist der entscheidende Faktor. Wie reagieren Zug oder Bern auf einen Rückstand? Bleiben sie ihrem bewährten taktischen Konzept treu, wenn der Puck den Weg des Gegners geht? Wer regt sich zuerst über einen Schiedsrichterentscheid auf? Vieles spricht dafür, dass «Puck Luck» («Puck Glück») diesen Final entscheiden wird. Also ein Puck, der überraschend von einem Schlittschuh, einem Stock in diese oder jene Richtung springt, vom Pfosten abprallt oder eben ins Netz rauscht. Denn Eishockey ist ein unberechen­bares Spiel, das auf einer rutschigen Unterlage ausgetragen wird. Selbst erfahrene Bandengene­räle wie Jalonen oder Kreis können es nicht kontrollieren.

Playoffs

Final. 1. Spiel. Donnerstag, 20.15 (SRF zwei): SC Bern – EV Zug.

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