EISHOCKEY: Brunner stösst die Zuger ins Elend

Der EV Zug fährt mit einem 4:5 die vierte Pleite im vierten Viertelfinalspiel in Lugano ein: ein grosses Drama, das die Zuger selber heraufbeschworen haben.

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Lugano-Jubel nach dem entscheidenden 5:4-Treffer: 
Torschütze Damien Brunner (vorne links) wird von Teamkollege Philippe Furrer beglückwünscht. (Bild: EQ/Tatiana Scolari)

Lugano-Jubel nach dem entscheidenden 5:4-Treffer: Torschütze Damien Brunner (vorne links) wird von Teamkollege Philippe Furrer beglückwünscht. (Bild: EQ/Tatiana Scolari)

Andreas Ineichen, Lugano

Man kann nicht sagen, dass Dario Bürgler der Lieblingsspieler von Harold Kreis ist. Schon früh in dieser Saison hat der Coach der Zuger den hoch besoldeten Stürmer erst in die vierte Reihe strafversetzt, dann in die dritte. Aber eine echte Chance bekam Bürgler danach nie mehr. Bis gestern. Bis zu Spiel 4, bis zu diesem spektakulären Drama. Da durfte der Sohn von Abfahrtslegende Toni Bürgler im Zuger Paradeblock neben Pierre-Marc Bouchard und Jarkko Immonen stürmen. Im Nachhinein muss man festhalten: Kreis hätte es besser sein lassen.

Drei Gegentore in 90 Sekunden

Es lief die 58. Minute, als Bürgler gegen den früheren EVZ-Stürmer Damien Brunner zu spät kam, der das siegbringende 5:4 schoss. Es war der K.-o.-Schlag für die Zuger in diesem Spiel und in dieser Serie. Denn bloss 21 Sekunden davor hatte Pierre-Marc Bouchard mit einer Einzelleistung das 4:4 erzwungen und damit einen Zweitore-Rückstand aufgeholt. «Die Spieler haben nie aufgegeben», strich Trainer Harold Kreis das einzig Positive aus Zuger Sicht hervor.

Der dramatische Untergang des EVZ in diesem Spektakel liess die Mehrheit der fast 6800 Zuschauer in Ekstase verfallen, sie liessen ihre Lieblinge, die nach zehn Jahren unter der Leitung von Kreis-Vorgänger Doug Shedden erstmals wieder eine Playoff-Serie gewonnen haben, mit Standing ovations hochleben. Auch wenn Kreis befand, dass die vier Zuger Niederlagen «nicht die Intensität dieser Serie widerspiegelten», so lässt sich wohl auch sagen, dass der Verlauf von Spiel 4 ein Sinnbild für die Unpässlichkeiten der Zuger Playoff-Leistungen war. Zumindest der drei letzten.

Auch gestern brachte eine zu hohe Fehlerquote das Konzept der Gäste zum Einsturz – trotz optimalem Start. Nach neun Minuten traf Reto Suri bereits zum 2:0, der Weg zur Fortsetzung dieser Serie schien kein weiterer mehr zu sein. Doch ein Handgelenk-Schuss von Grégory Hofmann, den ein Goalie von der Güte eines Tobias Stephan auch mal halten darf, brachte Lugano ins Spiel und verunsicherte die Mannschaft von Kreis.

Der kapitale Einbruch folgte im Mitteldrittel, mit drei Gegentoren innerhalb von 90 Sekunden. Das Unheil begann mit einer sinnfreien Strafe von Bürgler, wurde potenziert durch einen unglaublich dummen Stockschlag von Holden – es waren Signale dafür, dass nichts Gutes kommen sollte. Kaum war die doppelte Unterzahl überstanden, machte sich Hofmann zum Doppeltorschützen, schloss Ulmer eine schöne Kombination erfolgreich ab und traf Fazzini in die hohe Torecke. Kreis unterliess es in dieser Phase, ein Time-out zu nehmen. Den Grund dafür konnte er nicht wirklich erklären. Die Zuger steckten nicht auf, wenigstens das, bevor sie den entscheidenden Fehler zu viel machten.

Der EVZ ist mit der Höchststrafe von vier Niederlagen ausgeschieden – das erste Mal seit der Saison 2000/01. Damals hatte es personelle Konsequenzen mit der legendär gewordenen Viererbande (Sutter, Kessler, Rötheli, André Künzi) gegeben. «Eine solche Serie kann man nicht schönreden. Wir müssen alles hinterfragen», sagte Sportchef Reto Kläy.

 

Suri: «Leistung ist inakzeptabel»

Stimmen. EVZ-Stürmer Reto Suri (26) sitzt vor der Garderobe am Boden und schüttelt den Kopf. Auf das frühe Saisonende angesprochen, sagt er: «Unsere Leistung in den vier Spielen war inakzeptabel. Wir haben nie das gewünschte Niveau erreicht und müssen nun über die Bücher. Wir müssen zusammensitzen und uns hinterfragen. Am ‹Tag X› waren wir einfach nicht bereit.» Das gestrige Spiel in der Resega sei ein Spiegelbild der ganzen Serie gewesen: «Wir haben gut angefangen, frühe Tore erzielt. Doch dann liegen wir plötzlich 2:4 zurück. Das ist für mich unerklärlich. Im dritten Drittel betreiben wir einen Rieseneffort, gleichen aus – und bestrafen uns dann selbst.»

Besonders bitter endete die Saison für Verteidiger Tim Ramholt (31). Er hat gestern sein letztes Spiel für den EVZ bestritten und verlässt den Verein Richtung Kloten. Vor dem 4:5 verlor er hinter dem Tor den Puck an Linus Klasen. Er sagt: «Das war der eine Fehler zu viel. Wir haben viel investiert, gut gekämpft und hatten im dritten Drittel eine unglaubliche Druckphase. Wenn wir gewonnen hätten, hätte die ganze Serie zu unseren Gunsten kippen können.»

Strebel: «Eine gute Saison»

Präsident Hans-Peter Strebel hat bis zur letzten Sekunde auf der Tribüne mitgelitten. «Diese Niederlage mitzuerleben, war hart. Das erste Spiel war ausgeglichen, danach konnten die Leistungsträger ihre Leistung nicht mehr abrufen. Den Grund kenne ich nicht. Grundsätzlich haben wir aber eine gute Saison gespielt», meint Strebel.

Jonas von Flüe, Lugano

Kommentar

Der Aufgabe nicht gewachsen

Nach vier Playoff-Spielen schon weg vom Fenster: Für die ambitionierten Zuger endet die Saison mit der Höchststrafe, mit einer riesigen Enttäuschung für die treuen Anhänger.

Wie konnte der NLA-Vierte, der mit Pierre-Marc Bouchard den besten Skorer der Liga, mit Lino Martschini den produktivsten Schweizer und mit Daniel Sondell den punktbesten Verteidiger in seinen Reihen hat, so krass in sich zusammenbrechen? Es gibt nicht einen Hauptgrund, es ist ein Kollektivversagen. Die gut bezahlten Söldner und Schweizer Stars blieben weit unter ihrem eigentlichen Wert. Die Disziplin, auch die taktische, stimmte nicht. Darum scheint auch der frühere Meistertrainer Harold Kreis nach dem zweiten Viertelfinal-Out mit Zug nur noch ein Coach für eine ansehnliche Qualifikation, aber nicht mehr für die Playoffs zu sein.

Die Konsequenzen? Wahrscheinlich keine. Die wichtigsten Verträge laufen weiter. Dabei müsste Sportchef Reto Kläy das Team dringend umbauen. Mehr Härte ist gefragt.

Sportchef Andreas Ineichen über das blamable Ausscheiden der Zuger