EISHOCKEY: Darum ist der EVZ so erfolgreich

Der EV Zug hat sich unter den besten drei Mannschaften etabliert. Wir liefern sieben Gründe, warum die Zuger momentan so stark auftreten.

Jonas von Flüe
Drucken
Teilen
Einer der Zuger Erfolgsgaranten: David McIntyre, hier im Spiel gegen Genève-Servette. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 19. November 2016))

Einer der Zuger Erfolgsgaranten: David McIntyre, hier im Spiel gegen Genève-Servette. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 19. November 2016))

Jonas von Flüe

jonas.vonfluee@luzernerzeitung.ch

Samstagabend, kurz nach 22 Uhr im Klotener Schluefweg: EVZ-Trainer Harold Kreis tritt aus der Garderobe und erklärt ruhig und sachlich, wie seine Mannschaft gerade Kloten 3:2 besiegt hat. Er hätte allen Grund, euphorisch zu sein: Siebenmal hat der EV Zug in den letzten acht Spielen gewonnen. Der EVZ hat sich mit den ZSC Lions und dem SC Bern an der Tabellenspitze etabliert. «Ich beurteile meine Mannschaft nicht nur anhand der Resultate», sagt aber der 57-jährige Kreis. Was der Trainer nach aussen verkörpert, haben auch seine Spieler verinnerlicht: Sie heben trotz des Erfolgs nicht ab, wohl wissend, dass erst im Frühjahr, im Playoff, abgerechnet wird.

Der EVZ-Höhenflug hat sieben Gründe:

Der Teamgeist

Egal, mit wem man sich aus dem Umfeld des EV Zug unterhält: Jeder bestätigt, dass diese Mannschaft über einen ungewöhnlich guten Teamgeist verfügt. Es gibt keine Stars, keiner verlangt eine Spezialbehandlung oder fühlt sich wichtiger als die anderen. Die Routiniers unterstützen die Jungen, geben ihnen Tipps. Harold Kreis sagt: «Die Mannschaft ist der Star.»

Der Torhüter

Der EV Zug verfügt gemeinsam mit dem SC Bern über die statistisch beste Defensive. Goalie Tobias Stephan ist der gewünscht starke Rückhalt. Hinter SCB-Torhüter Leonardo Genoni hat der 32-Jährige die zweitbeste Fangquote. Er hält 92,97 Prozent aller Schüsse, die auf sein Tor kommen. In den letzten Partien hat er seine Mannschaft häufig im Spiel gehalten.

Die Ausländer

Sie standen in der Kritik, die statistischen Werte waren bloss Durchschnitt. Doch in den letzten Spielen haben die vier Zuger Ausländer gezeigt, wie wichtig sie für die Mannschaft sind. David McIntyre (29) liegt mit einer Plus-Minus-Bilanz von 13 auf dem 7. Platz in der NLA und ist sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive omnipräsent. Josh Holden (38) sorgt immer für Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Jarkko Immonen (34) hat mehr als 60 Prozent seiner 465 Bullys gewonnen und zeichnete sich zuletzt auch als Torschütze aus. Und Carl Klingberg (25) gönnt der gegnerischen Abwehr keine Verschnaufpause, setzt sie immer unter Druck und zeigt mit Einzelleistungen ansatzweise, warum ihn Atlanta 2009 in der zweiten Runde gedraftet hat.

Die EVZ-Academy

Das Zuger NLB-Team schlägt sich in der ersten Saison besser, als es viele erwartet haben. Und wenn in der NLA Not am Mann ist, rücken Spieler aus der NLB nach und füllen die Lücke. Auch dank ihnen ist der EVZ fast schadlos durch die letzten Wochen gekommen, als einige Spieler verletzt oder gesperrt waren. Besonders auffällig: die Verteidiger Tobias Geisser (17) und Tobias Fohrler (19).

Die Ausgeglichenheit

Der EVZ verfügt über vier Angriffslinien, die allesamt für Tore sorgen. Gegen Davos (5:2) trafen alle vier Blöcke, am Samstag gegen Kloten zeichnete mit Fabian Schnyder (30) ein Stürmer der vierten Linie für das Siegtor verantwortlich.

Das Boxplay

Wer ist die «böseste» Mannschaft der NLA? Der EV Zug! Total 471 Strafminuten hat der EVZ in dieser Saison bisher erhalten. Das sind die Folgen des nach der letzten Saison eingeleiteten Umbruchs, der dem EVZ mehr «Wasserverdrängung» bringen sollte. Doch weil Zug über das beste Boxplay der ganzen Liga verfügt, haben sich die vielen Strafen bisher nicht negativ ausgewirkt.

Die Trainer

Der EV Zug steht in dieser Saison für viel weniger Spektakel als im Vorjahr. Die auf defensiver Sicherheit basierende Spielweise wird mitunter gar als langweilig bezeichnet. Doch sie ist erfolgreich. Das ist auch der Verdienst des Trainer-Staffs um Harold Kreis. Verteidiger Rafael Diaz (30) lobt: «Der Trainer ist sehr detailversessen. Das bringt uns weiter.»