EISHOCKEY: «Das war keine Abstrafung von Suri»

Der Zorn nach dem 2:4 gegen Davos ist im Lager der Zuger gross. Doch Chefcoach Harold Kreis zeigt Grösse und beantwortet die drängendsten Fragen am Morgen danach.

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Nahm am Tag nach der Niederlage gegen Davos Stellung zur Versetzung von Reto Suri: EVZ-Coach Harold Kreis. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Nahm am Tag nach der Niederlage gegen Davos Stellung zur Versetzung von Reto Suri: EVZ-Coach Harold Kreis. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

andreas Ineichen

Am Tag danach sieht die Welt oft ganz anders aus, nicht mehr so düster, so feindlich, so angestrengt. Er habe sich vom Spiel erholt, sagte Harold Kreis gut 13 Stunden nach der zweiten Heimniederlage in Folge, gegen dieses Davos, gegen den Titelverteidiger, der Zug in der Viertelfinalserie des letzten Playoffs vor allem wegen der Heimschwäche eliminiert hat.

Kreis sagte es mit krächzender Stimme, weil er sich im Verlauf der vergangenen Woche verkühlt hat. Vor allem ist es seine Erklärung dafür, warum er in den Minuten nach einem teils ruppigen Spiel kein Verständnis dafür hatte, dass der Chronist nach dem Erfolg der Durchmischung der Zuger Verteidigungspaare gefragt hatte, nach der Versetzung von Reto Suri von der zweiten in die vierte Sturmreihe, nach dem Zeitpunkt der Massnahme auch. Kreis, in den Emotionen eines aufregenden Spiels gefangen, verweigerte eine Antwort.

Die Grosseltern waren zu Besuch

Gestern war er bereit, offen darüber zu reden. «Ich wollte den Weg ändern, auf dem wir uns bewegten», erläuterte der Chefcoach. «Martschini, Holden und Suri sind eine offensiv ausgerichtete Sturmreihe, die defensiv nicht mehr so konsequent arbeitete, wie sie es könnte. Dieser Tendenz wollte ich entgegensteuern und dafür sorgen, dass die Mitglieder des Blocks wieder mehr auf den andern achteten.»

Darum beorderte er Captain Fabian Schnyder von der vierten in die zweite Sturmreihe, eben in jene von Holden, und Nationalstürmer Suri musste den umgekehrten Weg gehen. «Das war keine Abstrafung von Suri», betonte Kreis, er habe bloss eine andere Rollenverteilung bewirken wollen.

Dass Suri, ein hochanständiger und eloquenter Zeitgenosse, nach der jüngsten Niederlage gegen Davos aber ein Gespräch ausschlug, erzeugte nicht den Eindruck, als ob alles in Minne abgelaufen wäre. Doch der Stürmer klärte gestern auf, dass alles bloss einem zeitlichen Zufall geschuldet gewesen sei. «Meine Grosseltern schauten sich gestern wieder mal ein Spiel im Stadion an, was sie nur selten tun, und weil ich noch mein Kraftprogramm absolvieren wollte, hätte ein Interview meinen Zeitplan durcheinandergebracht.» Offensichtlich ist die Massnahme von Kreis bei Suri nicht als Strafe angekommen. «Der Coach erklärte uns, dass wir als Sturmreihe zu viele Gegentore kassiert hätten. Und ich habe es als Motivation aufgefasst, eine andere Rolle in der vierten Linie einzunehmen. Denn sicher ist: Wir brauchen in den Playoffs alle vier Sturmreihen, um ein Spiel entscheiden zu können.»

Kreis: «Checks fertig gemacht»

Schlecht ist das Ergebnis des Experiments des Cheftrainers keinesfalls. Kreis lobt: «Senteler, Diem und Suri haben die Checks fertig gemacht.» Und Suri hat in Biel während eines Überzahlspiels das zwischenzeitliche 2:1 erzielt. Der Chefcoach ist der Meinung, dass die Message verstanden worden sei. Darum kündigt er an: «Suri wird am Dienstag in Davos wieder neben Holden und Martschini zum Einsatz gelangen.» Bleibt also die Frage, was die Durchmischung der Verteidigerpaare im Hinblick auf eine höhere Stabilität des Abwehrdispositivs gebracht hat? Kreis sagt, dass ihn die ärgerliche 2:3-Niederlage in Langnau dazu bewogen hat, etwas zu ändern. «Wir sind nach wie vor das drittbeste Team der Qualifikation, was die Anzahl an Gegentoren betrifft», hält er zu Recht fest. Er glaubt, dass das Team den Fokus nun richtig setze. «Mit ein paar Ausnahmen haben wir in Biel defensiv gut gearbeitet, und Davos war erfolgreich mit Kontern und nicht mit Nachsetzen nach zunächst abgewehrten Angriffen.»

Suri: «Eine alarmierende Tendenz»

Damit liegt Kreis sicher nicht falsch. Vor allem geht es ihm aber darum, seine spielerisch talentierte Mannschaft zur Rückkehr zu einer einfachen Spielweise zu bewegen. «Wir versuchen gerne einen Spielzug zu initiieren, statt die Scheibe einfach aus unserer Zone rauszuspielen.» Seine Spieler müssten wieder lernen, bessere Entscheidungen zu fällen. «Das ist uns zuletzt nicht immer gelungen, deshalb sind wir in Konter gelaufen und haben unnötige Gegentore kassiert.»

Eine Analyse, die Suri ohne Wenn und Aber nachvollziehen kann. Mehr noch: Für ihn ist die Tendenz «sogar alarmierend». Die Zuger ermöglichten den Gegnern, zu einfach zu Chancen zu kommen. «Bei uns funktionieren die kleinen Dinge nicht. Wir müssen dringend die Intensität wieder hochschrauben und dagegenhalten mit allem, was wir haben», sagt Suri und stellt fest: «Erst müssen wir den Kampf annehmen, bevor wir unser Talent zum Zug bringen können.» Morgen in Davos (19.45) wird sich zeigen, ob tatsächlich alle Zuger die richtigen Lehren aus den letzten Tagen und Wochen gezogen haben.