EISHOCKEY: Defensivpapst Immonen steht vor Vertragsverlängerung

Waltteri Immonen (47) hat grossen Anteil an der neuen defensiven Stabilität des EV Zug. Nun winkt dem Assistenztrainer eine Vertragsverlängerung bis 2016.

Nicola Berger
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Waltteri Immonen ist für die stabile Verteidigung beim EVZ zuständig. (Bild: Keystone)

Waltteri Immonen ist für die stabile Verteidigung beim EVZ zuständig. (Bild: Keystone)

In der Blüte seiner Spielerkarriere war Waltteri Immonen (47) einer der besten Verteidiger Finnlands. Defensivkunst liegt dem arbeitsamen Eishockeylehrer am Herzen, darum hat es ihn so geschmerzt, wie miserabel der EV Zug verteidigt hat in der Saison 2013/14. 156 Gegentore kassierten die Zuger, und ein Stück weit nahm Immonen das persönlich, schliesslich war er für das Verteidigercoaching verantwortlich während den Spielen.

Für die Selektion des Spielsystems hingegen war Immonen nicht zuständig, nicht hauptverantwortlich jedenfalls. Doug Shedden, der inzwischen in Zagreb beschäftige Ex-Cheftrainer, liess bevorzugt im attraktiven, aber riskanten 1-3-1-System spielen. Das funktionierte lange mehr als ordentlich – letztes Jahr aber eben überhaupt nicht mehr. 3,12 Gegentreffer musste der EVZ durchschnittlich einstecken, pro Partie. Unter Harold Kreis ist der Schnitt in der aktuellen Spielzeit nun auf 2,00 gesunken; der EVZ stellt die stabilste Defensive der Liga.

Das liegt an Zuzügen wie Tobias Stephan, Robin Grossmann und Daniel Sondell, klar, aber eben auch am Trainergespann. Als Shedden im März gehen musste, gemeinsam mit Sportchef Jakub Horak, blieb Immonen der blaue Brief nicht zuletzt deshalb erspart, weil die kostenbewusste Klubführung ihn nicht auch noch abfinden wollte.

Die Vorahnung von Kreis

Als die Zuger mit möglichen Trainern verhandelten, machten sie den Verbleib Immonens zur Bedingung. Für Kreis war das kein Problem. Er sagt: «Ich kannte sein Gesicht schon aus den Spielen gegen Zug. Und als wir dann zum ersten Mal telefonierten, war für mich völlig klar, dass wir gut harmonieren würden.»

Die Intuition sollte dem Deutschkanadier keinen Streich spielen. Das Duo verbindet das Faible für kompaktes, ergebnisorientiertes Defensivhockey mit schnellem Pressing, in einem akribisch ausgetüftelten taktischen Korsett. Immonen sagt es so: «Wir teilen die gleiche Philosophie.»

Weil das auch den Vereinsoberen nicht entgangen ist, hat der Klub mit Immonen erste Gespräche geführt – in der Absicht, seinen auslaufenden Vertrag zu verlängern. Das neue Arbeitspapier soll bis 2016 gültig sein, so lange ist auch Kreis gebunden.

Der Bruder coacht in Finnland

Bekannt ist, dass Immonen keinerlei Ambitionen auf einen Cheftrainerposten hegt, nachdem ein solches Experiment in der Saison 2005/06 bei Jokerit Helsinki im Desaster und der schnellen Entlassung endete. Sein fünf Jahre jüngerer Bruder Santeri dagegen versucht sich seit dieser Saison als Coach beim finnischen Drittligisten FPS.

Bleibt die Frage, ob es den Abwehrfachmann nicht doch wegzieht, nach acht Jahren beim EVZ. Offenbar nicht. Immonen sagt: «Ich bin sehr glücklich in Zug und würde gerne bleiben.» Und was ist, wenn der Lockruf von Shedden ihn ereilt, mit dem er vor dem Parcours in Zug bereits bei Jokerit gearbeitet hatte? Immonen sagt, er habe von der Anstellung des alten Weggefährten erst von seiner Mutter erfahren, die in der Hartwall-Arena in Helsinki seit den 80er-Jahren im Fanshop arbeitet und den Sohnemann aufgeregt anrief, als die Meldung über einen TV-Bildschirm flimmerte. Seither haben sich Immonen und Shedden kurzgeschlossen, ein Engagement ist aber kein Thema.

Dem EVZ ist das nur recht. Immonen, das ist der Plan, soll neben seiner Tätigkeit als Assistenztrainer auch vermehrt in der Nachwuchsakademie eingebunden werden. Auf 30 Jahre Erfahrung greift man in diesem Business gerne zurück.