EISHOCKEY: Der EV Zug angelt sich Thibaudeau

Der EV Zug schliesst seine Kaderplanung ab: Vom Absteiger Rapperswil wechselt Nicolas Thibaudeau (24) zu den Zugern.

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Wechselt zum EV Zug: Nicolas Thibaudeau. (Bild: Keystone)

Wechselt zum EV Zug: Nicolas Thibaudeau. (Bild: Keystone)

NICOLA BERGER

Am 4. Dezember 2014 gab das EVZ-Talent Fabrice Herzog (19) bekannt, sich für die kommende Spielzeit den ZSC Lions anzuschliessen. Im EV Zug sorgte das für Irritationen, weil die sportliche Leitung um Trainer Harold Kreis und Manager Reto Kläy den NHL-Draft (Toronto, fünfte Runde/2013) gerne gehalten hätte und die Entwicklungschancen in Zug mehr zu versprechen schienen als beim mit reichlich Offensivpotenzial gesegneten Ligaprimus aus Zürich. Doch Herzog strebt ja eine NHL-Karriere an, er schätzte die Bühne des Hallenstadions als geeigneter ein, um auf sich aufmerksam machen zu können Zürich und die Toronto Maple Leafs verbindet eine Partnerschaftsvereinbarung.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Plan aufgeht; Herzog befindet sich gerade im Aufwind, nach einem starken Playoff und der erstmaligen Berufung ins Nationalteam. Aber in Zug haben sie andere Sorgen. Seit Dezember versuchte Sportchef Kläy die entstandene Lücke zu schliessen, was nicht einfach war, weil für diese Planstelle wenig Geld zur Verfügung stand und das Gardemass Herzogs (1,88 Meter, 86 Kilo) schon fast ein Alleinstellungsmerkmal darstellt in einem Land, dessen Profis es chronisch an «Wasserverdrängung» mangelt.

In die Fussstapfen von Vater Gilles

Nach knapp fünfmonatiger Suche ist Kläy nun ausgerechnet bei Absteiger Rapperswil fündig geworden: Aus der Lakers-Organisation wechselt der Flügelstürmer Nicolas Thibaudeau (1,83 m, 85 kg) zum EVZ. Thibaudeau ist ein kantiger Kanadier, der nicht zum Ausländerkontingent zählt, weil er bereits in den Neunzigerjahren auf Juniorenebene in der Schweiz spielte sein Vater Gilles war in Davos, Lugano und Rapperswil einer der treffsichersten NLA-Ausländer jener Epoche: In 253 Partien produzierte er 168 Tore und 135 Assists.

Filius Nicolas verkörpert indes einen anderen Spielertyp, er ist: schnell, unerschrocken, stark im Bandenspiel, verlässlich in der Defensivarbeit. Und womöglich schlummert doch auch Offensivpotenzial: Als er sich den Lakers anschloss, erzielte er in vier Vorbereitungsspielen gleich sieben Treffer, seither stagnierte seine Entwicklung ein Phänomen, das in der letzten Dekade in der Lakers-Organisation bei zahllosen Profis zu beobachten war, weil es an Leistungskultur fehlte. Auch so kam Thibaudeau 2014/15 freilich auf sechs erzielte Treffer – es sind exakt so viele Treffer, wie Herzog gelangen. Die Zuger hoffen, dass es bei Thibaudeau im nächsten Winter mehr werden, dass der Kanadier in einer neuen Umgebung mit einem neuen Coach aufblüht. Sollte der Plan nicht aufgehen, es wäre nicht das Ende der Welt: Das finanzielle Risiko ist gering, zumal sich die Parteien vorerst auf einen Einjahresvertrag verständigt haben.

Kadermutationen im EV Zug

Zuzüge: Noël Bader (19, Torhüter, Nachwuchs), Jarkko Immonen (32, Center, Nischni Nowgorod/KHL), Emanuel Peter (30, Center, EHC Biel), Livio Stadler (17, Verteidiger, Nachwuchs), Nicolas Thibaudeau (24, Flügelstürmer, Rapperswil), Calvin Thürkauf (17, Flügelstürmer, Nachwuchs), Dominik Volejnicek (16, Flügelstürmer, Nachwuchs).

Abgänge: Björn Christen (34, Flügelstürmer, Rücktritt), Nico Dünner (20, Center, SC Langenthal), Robbie Earl (29, Center, Färjestad/Schweden), Gianluca Hauser (20, Torhüter, ?), Fabrice Herzog (20, Flügelstürmer, ZSC Lions), Michael Hügli (20, Flügelstürmer, Rapperswil), Michal Repik (26, Flügelstürmer, ?), Andri Spiller (19, Flügelstürmer, ?), David Stämpfli (24, Verteidiger, La Chaux-de-Fonds), Fabian Sutter (32, Center, EHC Biel).