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EISHOCKEY: Der EV Zug gewinnt den Vergleich mit den ZSC Lions

Am heutigen Samstag empfängt der EVZ die ZSC Lions zum Playoff-Start. Unsere Zeitung sieht die Zuger im Vorteil.
Sven Aregger und Klaus Zaugg
EVZ-Stürmer Reto Suri (rechts) versucht, ZSC-Verteidiger Mathias Seger (links) zu enteilen. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 23. Januar 2018))

EVZ-Stürmer Reto Suri (rechts) versucht, ZSC-Verteidiger Mathias Seger (links) zu enteilen. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 23. Januar 2018))

Sven Aregger und Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Fernsehstationen waren da, lokale Radiosender, Print- und Online-Medien. Allein die Anzahl der Journalisten im gestrigen EVZ-Training war ein Indiz dafür, dass die Playoffs kurz bevorstehen. Die Zuger liessen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Sie übten auf dem Eis nochmals intensiv gewisse Spielsituationen. Und hinterher sagte Verteidiger Santeri Alatalo: «Es war eine lange Woche. Jetzt sind wir happy, dass es endlich losgeht.» Trainer Harold Kreis beschrieb die Atmosphäre vor dem ersten Viertelfinalduell mit den ZSC Lions (Samstag, 20.15 Uhr, Bossard-Arena, Stehplätze an der Abendkasse noch verfügbar) als «entspannt, aber fokussiert».

Die Zuger haben die Woche genutzt, um sich auf den Gegner einzustellen. «Wir rechnen mit dem bestmöglichen ZSC», sagt Kreis zur Tatsache, dass sich die hoch gehandelten Zürcher in der Qualifikation oft unter Wert verkauft haben. Santeri Alatalo warnt derweil vor dem offensiven Potenzial des Kontrahenten. «Wir müssen in der Defensive schnell spielen.»

Gegen die Genügsamkeit

Und wer ist Favorit? Für Alatalo stehen die Chancen 50:50. Er sagt aber auch: «Trotz des Finaleinzugs in der letzten Saison haben wir noch nichts erreicht. Wir sind nicht zufrieden. Unser Ziel ist, Meister zu werden.»

Unsere Zeitung hat die beiden Teams genauer unter die Lupe genommen und in einer Skala von 1 bis 5 bewertet. Mit 21 zu 17,5 Pucks hat der EV Zug die Nase vorn. Beurteilt wurden die folgenden Aspekte:

Goalies

EVZ
Tobias Stephan spielte beim letztjährigen Finaleinzug des EVZ eine Schlüsselrolle. In der Qualifikation knüpfte er mehrheitlich an die starken Leistungen an. Berücksichtigt man die Goalies mit mehr als 20 Saisonspielen, platzierte er sich mit einer Fangquote von 92,70 Prozent unmittelbar hinter Leader und Bern-Keeper Leonardo Genoni (92,89). Stephan ist die unbestrittene Nummer 1. Dank seiner Erfahrung, seiner Ruhe und Konstanz gehört der 34-Jährige nach wie vor zu den besten Goalies in der Schweiz. Allerdings hat er in seiner langen Karriere noch keinen Titel gewonnen. Und sollte er in den Playoffs ausfallen, hat der EVZ ein Problem: Stephans Back-up Sandro Aeschlimann (23) ist zwar talentiert, aber in der National League bestritt er erst drei Spiele.
Bewertung: 4 von 5 Punkten.

ZSC
Lukas Flüeler (29) gewann 2012 und 2014 mit den ZSC Lions die Meisterschaft. Er hat seine Krise (Verletzungen) überwunden, spielt seit der Spengler-Cup-Pause wieder sein bestes Hockey und hat die Position der Nummer 1 zurückgeholt, die er in den letzten Playoffs vorübergehend an Niklas Schlegel verloren hatte. Sein Selbstvertrauen ist wieder intakt. Der coole Blocker ist gleich gross (1,92 m), aber eine Spur aggressiver als Tobias Stephan. Statistisch ist der Unterschied zwischen den beiden Goalies nicht allzu gross. Stephan hat die bessere Fangquote als Flüeler (91,92 Prozent) – und doch haben die ZSC Lions einen leichten Vorteil: Flüeler ist an einem guten Abend mehr noch als Stephan dazu in der Lage, eine Partie im Alleingang zu entscheiden.
Bewertung: 5 von 5 Punkten.

Defensive

EVZ
Der EVZ legt grossen Wert auf eine kompakte Abwehr. 122 Gegentreffer haben die Zuger in der 50 Spiele umfassenden Qualifikation erhalten, nur der SC Bern verteidigte erfolgreicher (112). Auch in Unterzahl sind die Zuger Werte überdurchschnittlich gut: Die Erfolgsquote im Boxplay steht bei 83,01 Prozent (Rang 3). Für das kreative Element ist Raphael Diaz zuständig. Der Captain nimmt mit seinen spielerischen Fähigkeiten gerade im Powerplay eine zentrale Rolle ein. Allerdings waren seine Leistungen in der Qualifikation nicht so konstant auf hohem Niveau wie noch im Vorjahr. Ein Hoffnungsträger ist Robin Grossmann, der erst kürzlich von einer Verletzung zurückgekehrt ist. Seine Schüsse von der blauen Linie sind brandgefährlich.
Bewertung: 4 von 5 Punkten.

ZSC
Die Zürcher haben in der Qualifikation 133 Gegentreffer zugelassen. Für die Rolle des Verteidigungsministers muss für Kevin Klein (Ka) eine Ausländerlizenz eingesetzt werden. Durch die Verletzungen des besten Konstrukteurs (Severin Blindenbacher) und des härtesten Checkers (Christian Marti) fehlen zwei Schlüsselspieler, und noch mehr Verantwortung lastet auf Captain Patrick Geering, einem der komplettesten Schweizer Verteidiger. Die Stärke der Abwehr ist eher das Abräumen als das Konstruieren. Es spielt keiner richtig hart, aber die Verteidiger sind robust genug, um sich gegen die Zuger Stürmer zu behaupten. Diese Viertelfinals sind die letzte Gelegenheit, einen der ganz Grossen zu sehen: Matthias Seger (40) tritt nach dieser Saison zurück.
Bewertung: 4 von 5 Punkten

Offensive

EVZ
Auch im Sturm zählt der EVZ zu den besten Teams der Qualifikation. Mit 153 Toren klassierte sich Zug auf dem 3. Platz, ebenso bei der Schusseffizienz (9,68 Prozent). Trainer Harold Kreis stellte die Sturmlinien mehrmals um, bis er eine gute Mischung gefunden hatte. Zu Beginn der Saison musste sich Zug auf die Produktivität der Paradelinie um Center Roe verlassen. Allmählich kamen dann auch die zweite und dritte Linie auf Touren. Will der EVZ um den Meistertitel mitspielen, braucht er ausgeglichene Formationen. Ein Fragezeichen steht hinter Lino Martschini. Kann der technisch begnadete, aber mit 1,68 m nicht sonderlich robuste Goalgetter endlich auch in den Playoffs überzeugen, wenn die Zweikämpfe härter und der Raum knapper werden? Im Powerplay wirkte der EV Zug zuletzt nicht mehr so zwingend wie noch zu Saisonbeginn.
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten.

ZSC
Bereits die Statistik zeigt, dass die Differenz zwischen den beiden Teams in diesem Bereich nicht sehr gross ist. Die Zuger haben in der Qualifikation 153, die Zürcher 144 Tore erzielt. Den ZSC Lions fehlt mit Robert Nilsson der beste Offensivspieler (verletzt). Und zu viele grossen Namen (Kennins Ronalds, Chris Baltisberger, Fabrice Herzog, Inti Pestoni, Drew Shore, Mattias Sjögren) sind in der Qualifikation unter den Erwartungen geblieben. Wenn es dem EVZ gelingt, Fredrik Pettersson, Pius Suter und Roman Wick unter Kontrolle zu halten, sind die Lions offensiv gelähmt. Unter Headcoach Hans Kossmann ist immerhin die 4. Linie besser geworden. Er gibt den Jungen (Jérôme Bachofner, Raphael Prassl) mehr Eiszeit. Mit dem ersten und zweiten Sturm können die ZSC Lions die Differenz nicht machen – aber vielleicht in einzelnen Spielen mit der 4. Linie.
Bewertung: 3,5 von 5 Punkten.

Ausländer

EVZ
Mit der Verpflichtung des US-Amerikaners Garrett Roe und des Schweden Viktor Stalberg hat EVZ-Sportchef Reto Kläy ein glückliches Händchen bewiesen. Roe hat nicht nur die beste Plus-Minus-Bilanz (plus 24) der Liga, er ist auch der Motor im Zuger Spiel. Der kampfstarke Dauerläufer mit dem hohen Hockey-IQ kann in allen Spielsituationen den Unterschied machen. Mit dem explosiven und torgefährlichen Flügel Stalberg stellt der Spielmacher vielleicht das beste Linien-Duo der National League. Der kanadische Center David McIntyre und der schwedische Flügelstürmer Carl Klingberg sind diskret in die Saison gestartet, haben sich aber merklich gesteigert. Auch sie harmonieren – in der nominell zweiten Sturmlinie.
Bewertung: 5 von 5 Punkten.

ZSC
Die ZSC Lions sind bereits vor einem Jahr im Viertelfinal gegen Lugano wegen ihres ungenügenden ausländischen Personals gescheitert. Sie haben dieses Problem nicht gelöst. Nur Fredrik Pettersson genügt höchsten Ansprüchen (50 Punkte, Rang 2). Dann sind die Differenzen gross. Zugs ausländische Stürmer finden wir auf Position 4 (Stalberg), 5 (Roe), 20 (McIntyre) und 28 (Klingberg). Jene der Zürcher, die seit Saisonbeginn unter Vertrag sind, auf den Rängen 113 (Shore) und 177 (Sjögren). Nur Verteidiger Kevin Klein (22 Punkte) hat die Erwartungen einigermassen erfüllt, ist aber weniger produktiv als Raphael Diaz (30 Punkte). In keinem anderen Bereich ist die Differenz zwischen den zwei Teams so gross wie bei der Qualität der Ausländer.
Bewertung: 1 von 5 Punkten.

Trainer

EVZ
Harold Kreis ist ein Gentleman – immer höflich, immer sachlich, immer ruhig. Diese Eigenschaften legte er auch in der vergangenen Saison nicht ab, als die Verlängerung seines Vertrags vom Abschneiden in den Playoffs abhing. Der zweifache Meistertrainer (2006 mit Lugano und 2008 mit den ZSC Lions) hielt dem Druck stand und führte den EV Zug erstmals seit 19 Jahren in den Final. Der Deutsch-Kanadier verfügt über eine hohe Fachkompetenz. In einer Umfrage ist er kürzlich von den Captains und Coaches der NL-Teams zum zweitbesten Trainer der Qualifikation gekürt worden. Der eher konservative Hockey-Lehrer Kreis ist nicht als grosser Ausbildner bekannt. In der Qualifikation bewies er aber, dass er offen ist für neue Wege. Ganz im Sinne des EVZ-Nachwuchskonzepts setzte er vermehrt junge Spieler ein.
Bewertung: 4,5 von 5 Punkten.

ZSC
Hans Kossmann, letzte Saison in Ambri gefeuert, ist das Gegenstück zum ruhigen Harold Kreis. Ein «Desperado», der bereits weiss, dass er Ende Saison gehen muss, nichts zu verlieren hat und keine politischen Rücksichten nehmen muss. Im Umgang mit seinem Personal neigt er zu heftiger Rhetorik, und auch sein Assistent Leo Schumacher ist kein Mann der leisen Töne. Kossmann weiss zwar nicht, wie man Meisterschaften gewinnt, hat aber immerhin Gottéron bis in den Final geführt (2013). Die grosse Wende hat er in Zürich nicht herbeigeführt und pro Spiel weniger Punkte geholt als sein gescheiterter Vorgänger Hans Wallson. Die Frage ist, ob es ihm nun gelingt, so viele Emotionen zu entfachen, dass diese Serie nicht einfach ihren gewohnten Gang nimmt und die Spiele bald einmal über die taktischen Ufer treten.
Bewertung: 4 von 5 Punkten.

Playoff-Viertelfinals. Samstag, 20.15: Zug – ZSC Lions. Bern – Genève (SRF zwei). Biel – Davos. Lugano – Fribourg (RSI 2).

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