EISHOCKEY: Der EV Zug muss böser werden

Der EV Zug wird nach dem schmählichen Playoff-Aus gegen Lugano sein Kader wuchtiger machen. Beim Umbau des Teams könnte ihm nun ein Zufall zu Hilfe kommen. Eine Analyse.

Andreas Ineichen
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Nach der Unsicherheit in Kloten: Wird der EV Zug die Fühler nach Tim Ramholt (hinten) ausstrecken? (Bild: Freshfocus/Patrick Staub)

Nach der Unsicherheit in Kloten: Wird der EV Zug die Fühler nach Tim Ramholt (hinten) ausstrecken? (Bild: Freshfocus/Patrick Staub)

Andreas Ineichen

Eigentlich ist es ja eine Unzeit, die sich der EV Zug ausgesucht hat, um Veränderungen im Spielerkader vorzunehmen. Doch die sportliche Leitung im EV Zug steht unter Zugzwang: In den letzten drei Jahren ist der sportliche Erfolg ausgeblieben, was nicht der Anspruch dieses Millionen-Unternehmens sein kann. Deshalb hat sie unmissverständlich angekündigt, ein Zeichen setzen zu wollen. Für ein paar Spieler, die mutmasslich Daniel Sondell, Santeri Alatalo und Emanuel Peter heissen, wird das Einzelgespräch in den nächsten Tagen wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass sie trotz weiterlaufendem Vertrag keine Zukunft mehr bei den Zugern haben.

Wie geht es in Kloten weiter?

Der Sinn der Aktion ist klar: Die spielerisch talentierte, aber im Durchschnitt klein gewachsene Mannschaft muss härter werden, wuchtiger, böser. Es gibt aber ein grosses Problem für die Zuger. Jene Schweizer Spieler, die den EVZ in diesem Bereich kompetitiver machen könnten, sind schon seit Monaten im Besitz neuer und gültiger Verträge. Und die Zuger haben für nächste Saison nur einen grossen Transfer gemacht: Offensivverteidiger Rafael Diaz ist in der Lage, das spielerische Niveau der Zuger auf ein noch höheres Niveau zu heben. Allerdings wird er die Mannschaft von Harold Kreis nicht einschüchternder machen. Die beste Aussicht, den Teamumbau in die gewünschte Richtung zu lenken, wird Zug auf dem Ausländermarkt haben.

Doch vielleicht hilft dem EV Zug ja ein Wink des Schicksals. In Kloten hat die ASE Group um den Milliardär Bill Gallacher gestern bekannt gegeben, dass sie die Flyers nach nur einem Jahr und einem Verlust von gegen 8 Millionen Franken verkaufen wollen. Wie die Zukunft des Traditionsvereins aussehen wird, weiss zur Zeit niemand. Gibt es neue Investoren? Lässt man die Kloten Flyers Konkurs gehen? Wird die NLA-Lizenz verkauft?

 

«Es wäre eine Katastrophe für das Schweizer Eishockey, wenn in Kloten alles den Bach runterginge», sagt EVZ-Sportchef Reto Kläy. Die entstandene Unsicherheit bei den Spielern, die in Kloten einen weiterlaufenden Vertrag besitzen oder einen neuen unterschrieben haben, lässt die Handys der Agenten summen und surren. «Ich mache nicht auf Panik», sagt Andy Rufener. Der frühere EVZ-Stürmer, der in Kloten Tim Ramholt, Timo Helbling und Romano Lemm vertritt, hat keine Angst um eine Zukunft der Klotener in der NLA.

Kläy: «Bösartige Hypothese»

Sollte er sich irren oder neue Besitzer zum Schluss kommen, dass Kloten mit dem Spielerbudget runterfahren muss, um in der höchsten Spielklasse überleben zu können, würden fähige Spieler auf den Markt geschwemmt, die dem EVZ in der Tat helfen könnten. Sie tragen Namen wie Tim Ramholt, Timo Helbling, Patrick von Gunten oder Denis Hollenstein. Der 1,86 m grosse und 91 kg schwere Ramholt, den die Zuger zu Kloten ziehen lassen, weil sie das frei werdende Gehalt in Diaz investierten, ist mit einer Plus-17-Bilanz der wertvollste EVZ-Spieler der abgelaufenen Saison. Hat Reto Kläy etwa schon seine Fühler nach dem Verteidiger ausgestreckt? «Das ist eine bösartige Hypothese», hält er fest. Rufener bestätigt: «Es gab keinen Kontakt zum EVZ.»

«Es wäre eine Katastrophe für das Schweizer Eishockey, wenn in Kloten alles den Bach runterginge.» Reto Kläy, EVZ-Sportchef (Bild: Stafan Kaiser / Neue ZZ)

«Es wäre eine Katastrophe für das Schweizer Eishockey, wenn in Kloten alles den Bach runterginge.» Reto Kläy, EVZ-Sportchef (Bild: Stafan Kaiser / Neue ZZ)

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn Kläy ist sich bewusst, dass «bei Mutationen in unserem Kader nicht viele Spieler auf dem Markt zur Verfügung stünden.» Aber er ist sich nach dem grössten Playoff-Debakel des EV Zug seit 15 Jahren mindestens auch so klar, dass «etwas gehen muss». Sonst läuft Kläy Gefahr, dass er für einen weiteren Misserfolg in der nächsten Meisterschaft verantwortlich gemacht wird. Sein Vorgänger Jakub Horak hat den Fall in die Abstiegsrunde vor zwei Jahren mit seiner Freistellung bezahlt.

Nachgefragt: Welche Spieler enttäuschten Sie?

Harold Kreis, Trainer EV Zug. (Bild: pd)

Harold Kreis, Trainer EV Zug. (Bild: pd)

Harold Kreis, wie erlebten Sie den Zorn der Fans, nachdem der Teamcar in der Nacht auf Freitag in Zug angekommen ist?
Harold Kreis: Die Emotionen gingen sehr hoch nach dem Ausscheiden, gerade bei den Fans, aber beide Parteien, auch die Spieler und Trainer, litten darunter. Es gab einen Austausch mit den Fans, der im Grossen und Ganzen anständig abgelaufen ist.

Ihnen wurde zum Beispiel vorgeworfen, Sie zeigten keine Emotionen beim Coaching.
Kreis: Weil keine sichtbar seien, so habe ich den Fans erklärt, heisse das nicht, dass wir keine hätten.

Die harsche Kritik der Fans zeigt vor allem auch, wie riesig die Enttäuschung bei den treuen Seelen ist.
Kreis: Die Enttäuschung ist auch bei uns im Team riesig, sie ist ablesbar in den Gesichtern der Spieler. Viele von ihnen haben das Ausscheiden vor einem Jahr schon miterlebt. Wir waren gut vorbereitet in die Serie gestiegen, wir haben uns vor dem vierten Spiel vorgenommen, mit einem Sieg zurückzukehren. So, wie der Match in Lugano gelaufen ist, wären wir mit einer Verlängerung gut bedient gewesen, aber dann kassierten wir dieses Tor kurz vor Schluss. Es wäre definitiv mehr dringelegen.

Bereits am ersten Tag der Aufarbeitung des Debakels sind Sie als Trainer für die nächste Saison bestätigt worden. Haben Sie das so erwartet?
Kreis: Ich habe nun wirklich nie darüber nachgedacht, dass ich entlassen werden könnte. Das ist nicht meine Denkweise. Aber klar ist, dass der Klub nach dieser Enttäuschung alles beleuchtet und hinterfragt. Es werden kritische Fragen gestellt, nicht zuletzt auch mir.

CEO Patrick Lengwiler gab zu verstehen, dass auch die Trainer Fehler gemacht hätten. Welche nehmen Sie denn auf Ihre Kappe?
Kreis: Mir ist es nicht gelungen, unsere Toplinie von Luganos Checkerlinie wegzunehmen. Und Lino Martschini hätte ich nach der Verletzung von Dominic Lammer in Spiel 3 nicht in die
gleiche Sturmreihe mit Pierre-Marc Bouchard und Jarkko Immonen nehmen sollen. So waren sie zu leicht zu decken. Hätte ich sie aufgeteilt, wäre die Aufgabe für Lugano schwieriger geworden. Darum habe ich den Fehler in Spiel 4 korrigiert.

Wenn dem Trainer der Rücken gestärkt wird, bedeutet das folglich, dass es bei den Spielern Änderungen geben wird. Von welchen Spielern waren Sie in dieser Saison enttäuscht?
Kreis: Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich Ihnen diese Frage unmöglich beantworten kann, bevor ich mit den Spielern geredet habe.

Vor Ende der Qualifikation kam ein Lukas Sieber, während der Playoffs ein Josh Primeau. Spieler, die für die physische Komponente stehen. Das ist ein Eingeständnis dafür, dass Zug zwingend mehr Härte und Wasserverdrängung braucht.
Kreis: Ja, das kann man so sehen.
 

Interview ain