EISHOCKEY: Der EVZ hat jetzt «das Messer am Hals»

Der EV Zug macht gegen Davos fast alles richtig – und verliert vor heimischem Publikum trotzdem erneut. Bereits am Donnerstag droht das frühe Saisonende.

Nicola Berger
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Erntet wegen seines Sohnes Spott: Arno Del Curto. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Erntet wegen seines Sohnes Spott: Arno Del Curto. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Davos gegen Zug: 44 Minuten lang war dies gestern Einbahnhockey – grösstenteils. Leidenschaftlich rannte der EV Zug an, den Gastgebern gelang die bisher beste Leistung in diesem Playoff. Der in vielen Belangen bessere EVZ war: schneller, wacher, kreativer, entschlossener. Die logische Konsequenz der Überlegenheit war das 1:0 in der 23. Minute dank des dritten Playoff-Treffers des aufstrebenden Mittelstürmers Nolan Diem. Fabian Sutter sagte später: «Wir spielten wie im Rausch.»

Allein: Die Herrlichkeit währte nicht lange. Grégory Hofmann bestrafte eine Unachtsamkeit im Defensivverbund mit dem 1:1 (25.). Der EVZ zeigte sich unbeeindruckt. Er dominierte weiter, aber er war eben nicht: effizient. Wieder und wieder versiebten die Individualisten in der Offensive allerbeste Gelegenheiten. Reto Suri hätte die Scheibe nach 38 Minuten nur noch über die Linie bugsieren müssen, aber er traf den Puck nicht richtig – und Andres Ambühl klärte auf der Torlinie. Drei Minuten später erhielt der Davoser Goalie Leonardo Genoni Unterstützung von der Torumrandung, als ein Geschoss von Robbie Earl am Pfosten landete.

Techtelmechtel zwischen dem Zuger Fabrice Herzog (links) und dem Davoser Enzo Corvi. (Bild: Christian H. Hildebrand / Neue ZZ)
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Zugs Dario Bürgler schiesst fast das 1:0, aber eben nur fast. (Bild: Christian H. Hildebrand / Neue ZZ)
Die Zuger beim Einlaufen (Bild: Christian H. Hildebrand / Neue ZZ)
Mit 7015 Zuschauern war auch das dritte Heimspiel in dieser Playoff-Serie ausverkauft. (Bild: Christian H. Hildebrand / Neue ZZ)
Zugs Reto Suri verpasst das leere Tor. (Bild: Keystone)
Tobias Stephan muss nicht eingreifen, der Schuss zischt übers Tor. (Bild: Keystone)
Die Zuger feiern ein Tor. (Bild: Keystone)
Nolan Diem von Zug (rechts) wird von Dino Wieser gebremst. (Bild: Keystone)
Samuel Walser von Davos trifft zum 1:3. (Bild: Keystone)
Fabrice Herzog vom EVZ (links) räumt Felicien Du Bois vor dem Davoser Tor um Leonardo Genoni weg. (Bild: Keystone)
Dick Axelsson (links) vom HC Davos gegen Zugs Josh Holden. (Bild: Keystone)
Dominik Schlumpf vom EV Zug schiesst Torhüter Leonardo Genoni an. (Bild: Keystone)
Zugs Reto Suri (links) im Duell mit Davos' Claude-C. Paschoud. (Bild: Keystone)
Robbie Earl vom EV Zug verpasst ein Tor. (Bild: Keystone)
Zugs Josh Holden von Zug (links) im Duell mit Davos' Claude-C. Paschoud, beobachtet von Andres Ambühl. (Bild: Keystone)
Zugs Dario Bürgler ist vor dem Davoser Topskorer Marcus Paulsson am Puck. (Bild: Keystone)
Fabrice Herzog von Zug (links) im Duell mit Noah Schneeberger. (Bild: Keystone)
Die Davoser Gregory Hofmann, Felicien Du Bois, Dino Wieser und Samuel Walser (von links) jubeln nach einem Tor. (Bild: Keystone)

Techtelmechtel zwischen dem Zuger Fabrice Herzog (links) und dem Davoser Enzo Corvi. (Bild: Christian H. Hildebrand / Neue ZZ)

Die Nachlässigkeit im Abschluss rächte sich, weil wieder einmal eine alte Wahrheit im Profisport bestätigt wurde: Wer die Tore vorne nicht macht, kassiert sie hinten. In der Bossard-Arena war das gestern nicht anders – auf den Pfostentreffer von Earl folgte fast im Gegenzug das 1:2 durch Simion. Man hatte den Eindruck, Tobias Stephan müsse den Gegentreffer auf seine Kappe nehmen, aber Dominik Schlumpf hatte die Scheibe für den Torhüter unhaltbar abgefälscht. Zu jenem Zeitpunkt hätte man sich ein Zuger Comeback vorstellen können, weil das Playoff ja immer wie ein Ritt auf der Rasierklinge ist: Ein Ausrutscher kann schwere Folgen haben – und übermässig gefestigt wirkt der HC Davos in dieser Serie nicht.

Doch kurz darauf war es ausgerechnet Stephan, in dieser Saison ja ein Muster an Verlässlichkeit, der dem EVZ den Stecker zog, indem er einen Verlegenheitsschuss Walsers zwischen den Beinschonern hindurch passieren liess (49.)

Bouchard bleibt unter Erwartungen

Von diesem Schock erholten sich die Zuger nicht mehr. Trainer Harold Kreis versuchte es in der Schlussphase mit personellen Justierungen. Er brachte unter anderem Dario Bürgler an der Seite von Robbie Earl und Pierre-Marc Bouchard, doch die Massnahme verpuffte. Gerade Topskorer Bouchard (gestern mit einer Minus-2-Bilanz) bleibt im Playoff bisher hinter den Erwartungen zurück. Er hat in fünf Partien erst einen Treffer erzielt und wirkt bisweilen weniger spritzig als noch im Winter.

Die Frage ist, ob Bouchard und der EVZ nach der neuerlichen Enttäuschung noch einmal zu einer Reaktion im Stande sind, ob sie sich noch einmal aufrichten können. Zweimal ist das den Zugern ja schon gelungen, und die fünf bisherigen Partien haben gezeigt, dass sie sich auf Augenhöhe mit dem Widersacher bewegen – das machte die gestrige Niederlage ja so ärgerlich. Robin Grossmann sagte: «Wir sind ungeduldig geworden und kopflos nach vorne gestürmt. Das darf einfach nicht passieren, in solchen Situationen müssen wir erwachsener agieren.»

Vielleicht sagt sich das einfacher, als es gemacht wird mit dieser jungen und unerfahrenen Equipe. Aber dem EVZ bleibt nicht mehr viel Zeit, seine Kinderkrankheiten hinter sich zu lassen. «Jetzt haben wir das Messer am Hals», konstatierte Grossmann. Die Zuger Hoffnung muss sein, dass morgen in Davos zum sechsten Mal das Gastteam siegt. Harold Kreis sagte: «Das war jetzt fünfmal der Fall. Und es bleibt auch so.»

EV Zug - HC Davos 1:3 (0:0, 1:1, 0:2)

7015 Zuschauer (ausverkauft). – SR Mandioni/Massy, Fluri/Kaderli.

Tore: 23. Diem (Herzog, Lammer) 1:0. 25. Hofmann (Sciaroni) 1:1. 44. Simion (Paschoud, Ambühl) 1:2. 49. Samuel Walser (Dino Wieser) 1:3.

Strafen: Je 2-mal 2 Minuten.

Zug: Stephan; Schlumpf, Sondell; Ramholt, Grossmann; Alatalo, Erni; Morant; Martschini, Holden, Suri; Zangger, Earl, Bouchard; Bürgler, Sutter, Fabian Schnyder; Lammer, Diem, Herzog; Christen.

Davos: Genoni; Guerra, Du Bois; Heldner, Forster; Schneeberger, Paschoud; Jan von Arx; Marc Wieser, Ambühl, Dino Wieser; Paulsson, Lindgren, Axelsson; Sciaroni, Samuel Walser, Hofmann; Simion, Corvi, Jörg; Redenbach.

Bemerkungen: Zug ohne Simon Lüthi, Stämpfli, Repik, Blaser und Dünner (alle überzählig), Davos ohne Reto von Arx, Koistinen (beide verletzt) sowie Camperchioli, Reto von Arx, Kindschi und Aeschlimann (alle überzählig). – Pfosten: 41. Earl, 53. Lammer. – Zug von 58:08 bis 59:10 sowie ab 59:13 ohne Torhüter. – 59. Time-out Zug.

Nicola Berger