EISHOCKEY: Der EVZ will den Punkterekord knacken – und einen Platz in der Champions League

Noch nie hat der EVZ seit Einführung der 3 Punkte für einen Sieg mehr als 98 Punkte bis zum Ende der Qualifikation ergattert. Jetzt ist er nahe dran – aber es geht ihm um mehr als den Rekord.

Andreas Ineichen
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Das Spektakel findet viel häufiger vor dem gegnerischen Tor statt: Der EV Zug mit Josh Holden (links) und Carl Klingberg (rechts) beim 6.0-Sieg gegen den SC Bern. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 21. Januar 2017))

Das Spektakel findet viel häufiger vor dem gegnerischen Tor statt: Der EV Zug mit Josh Holden (links) und Carl Klingberg (rechts) beim 6.0-Sieg gegen den SC Bern. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 21. Januar 2017))

Andreas Ineichen

andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch

Der Verlauf der letzten Saison sitzt Reto Kläy noch etwas im Nacken. «Das grüne Aufleuchten in der Tabelle hat im Kopf wohl dazu geführt, dass wir uns etwas geschont haben», sagt der EVZ-Sportchef. 88 Punkte hat sein Team in der letzten Qualifikation erreicht, aber bloss deren 10 in den letzten acht Spielen. Es war ein Indikator dafür, was in den darauffolgenden Playoff-Viertelfinals geschehen sollte. Der EV Zug als viertplatzierte Mannschaft der Qualifikation schied auf direktem Weg gegen den HC Lugano (5.) in den Playoff-Viertelfinals aus. Aktuell steht er bei 90 Punkten, der SC Bern als Titelverteidiger und die ZSC Lions als Qualifikationssieger der letzten drei Austragungen bringen es bei einem Mehrspiel auf einen Punkt mehr bzw. einen weniger (siehe Tabelle). Die aktuell auf Platz 2 klassierte Mannschaft von Harold Kreis, deren Führung am Ende der letzten Saison am Trainer festhielt und dagegen ein paar Retouchen im Kader vornahm, würde es bei einem ähnlich dürftigen Schlussspurt (10 Punkte in acht Spielen) auf einen Bestwert bringen. Es wäre zum ersten Mal eine dreistellige Zahl: 100 Punkte – und wahrscheinlich noch mehr.

In der Saison 2009/10 brachte es der EVZ auf 98 Punkte. Das war gleichbedeutend mit Rang 3 und einem absoluten Bestwert (siehe separates Ranking). Auf die gleiche Punktzahl kam er zwei Jahre später als Qualifikationssieger. Aktuell steht er auf Platz 2 mit 90 Punkten in 42 Spielen – hält er seinen aktuellen Punktedurchschnitt, landet er zum ersten Mal über einer dreistelligen Punktezahl. Den Rekord seit Einführung der Dreipunkteregel in der Saison 2006/07 für einen Sieg hält übrigens der HC Davos. In der Saison 2010/11 schaffte er es auf 113 Punkte. In diesem Jahrzehnt sind neben dem HCD auch bloss die ZSC Lions, der HC Davos, der HC Lugano und der SC Bern Meister geworden. Quasi das finanziell potente und spielerische Viergestirn der NLA.

Das Erleichtern von Kläys Planung

Im EV Zug nehmen sie das Thema Punkterekord ziemlich locker. Vielleicht haben sie gar nichts gewusst von der Limite von 98 Punkten, das spielt ja auch eigentlich keine vordringliche Rolle. «Unser Ziel ist, Qualifikationssieger zu werden», sagt ­Harold Kreis zu den Herausforderungen im laufenden Monat. 98 Punkte als Bestwert scheinen ihm unbekannt zu sein, aber er merkt der Logik folgend an, dass man bei Erreichen des selbst gesetzten Ziels automatisch den Punktebestwert übertreffen werde. Davon kann man getrost ausgehen, im spannenden Dreikampf mit dem SC Bern (letztes EVZ-Duell am 21. Februar in der Bundeshauptstadt; Stand: ein Sieg und zwei Niederlagen) und den ZSC Lions (ein Sieg und drei Niederlagen in vier Duellen).

Für Reto Kläy, den Sportchef der Zuger, steht selbstredend die Planung der nächsten Saisonvorbereitung im Vordergrund. Er sagt: «Mir fällt natürlich die Planung vor Beginn der eigentlichen Meisterschaft 2017/18 leichter, je früher bekannt ist, ob wir ein weiteres Mal an der Champions League teilnehmen werden können.» Wenn nicht, muss er sich um zusätzliche Testspielgegner im Sommer kümmern.

Kläy sagt, dass man sich mit dem Knacken des Zuger Bestwertes von 98 Punkten nichts kaufen könne. Das ist wohl richtig, aber er weiss auch: «Der Rekord zeigt uns eine gewisse Tendenz an, verstärkt das Gefühl und bestärkt uns im Selbstvertrauen, dass alles gut herauskommt. Wenn wir erstmals die 100-Punkte-Marke knacken und gleichzeitig auch in der nächsten Champions League stehen, wäre das super», sagt Kläy und ergänzt: «Und realistisch.»

Wahrscheinlich wäre es mehr, als sie sich in der Führung von diesem EVZ in der laufenden Saison jemals erwartet hätten. Aber entscheidend ist in der Beurteilung letztlich, was in den Tagen nach dem 4. März (erster Spieltag der Playoff-Viertelfinals) geschehen wird.

Ausfall von drei Verteidigern

EV Zug Im Heimspiel gegen den HC Davos (Samstag, 19.45, Bossard-Arena) wird der Gastgeber auf drei gestandene Verteidiger verzichten, die allesamt schon in der Nationalmannschaft zum Zuge gekommen sind. Dabei handelt es sich um Dominik Schlumpf, der nach einem Check gegen seinen Kopf von Colby Genoway (5:4 n. V.) nach offizieller Auskunft noch immer unter Problemen leidet, sowie um Robin Grossmann und Timo Helbling, die vom EVZ bis Ende der Nationalmannschaftspause geschont werden sollen (ab 13. Februar). Für das illustre Trio werden die Talente Tobias Geisser, Tobias Fohrler und Florian Schmuckli zum Einsatz gelangen. (ain)