EISHOCKEY: Der Meistertrainer ist von zwei Spielern des EV Zug beeindruckt

Marc Crawford (53) ist der kanadische Trainer im ZSC. Er spricht vor dem heutigen Duell mit dem EV Zug (19.45, Hallenstadion) über den EVZ, über die NHL und über die Titelverteidigung.

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ZSC-Coach Marc Crawford (links) beim Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und Lausanne HC im Hallenstadion am Samstag, 17. Januar. (Bild: Keystone)

ZSC-Coach Marc Crawford (links) beim Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und Lausanne HC im Hallenstadion am Samstag, 17. Januar. (Bild: Keystone)

Interview Nicola Berger, ZÜRICH

Marc Crawford, Sie haben 1995 mit Colorado den Stanley-Cup gewonnen und 2014 mit Zürich die Schweizer Meisterschaft. Wie lassen sich die Titel vergleichen?

Marc Crawford: Es ist natürlich eine grosse Sache, den Stanley-Cup zu gewinnen. Aber in Zürich war es fast verrückter. Es ist unglaublich, wie sehr sich die Fans hier mit ihrem Klub identifizieren.

In der NHL haben in den letzten 20 Jahren bloss die Detroit Red Wings ihren Titel verteidigen können, 1998. In der NLA haben seit 1996 nur die ZSC Lions zwei Mal in Serie reüssiert, 2000 und 2001. Warum ist es so schwierig, einen Titel zu verteidigen?

Crawford: Der grösste Aspekt ist die Motivation, da ändert ein einziges Jahr alles. Beim ersten Titel ist die Lust gross, weil das Kollektiv etwas beweisen will und sehr erfolgshungrig ist. Wird man dann Meister, gibt es eine gewisse Sättigung. Die ist gefährlich.

Was kann der Trainer dagegen unternehmen? Arbeiten Sie verstärkt mit Motivationskniffen?

Crawford: Klar, man versucht, die Spieler zu kitzeln, dafür zu sorgen, dass sie interessiert bleiben.

Sie gelten als leidenschaftlicher Cineast. Arbeiten Sie mit Filmmaterial?

Crawford: Immer mal wieder, ja. Ein Film, den ich gerne zeige, ist «Chariots Of Fire» («Die Stunde des Siegers», Anm. d. Red.), in dem es darum geht, seine eigenen Interessen einem höheren Ziel unterzuordnen. So funktioniert es auch im Eishockey. Es gibt so viele unterschiedliche Persönlichkeiten und Partikularinteressen, dass es nicht immer einfach ist, diese unter einen Hut zu bringen. Darum ist es als Trainer so wichtig, dass man sauber kommuniziert.

Sie werden hier mehr Zeit für Gespräche verwenden als noch in der NHL …

Crawford: Auf jeden Fall, ja, aber der Trend geht ohnehin mehr in diese Richtung. Als ich noch selber gespielt habe, wäre es uns niemals eingefallen, die Anweisungen des Trainers in Frage zu stellen. Wir machten einfach, was uns gesagt wurde. Heute musst du für alles eine gute Erklärung bereithalten.

Sie coachen inzwischen schon fast 30 Jahre. Wie kommt das?

Crawford: 1987 habe ich mich im Vorbereitungscamp der Vancouver Canucks verletzt, worauf mir der leider kürzlich verstorbene Pat Quinn gesagt hat, er würde mich gerne als Assistenztrainer beschäftigen. Meine erste Reaktion war: Ich bin also nicht mehr gut genug als Spieler? Aber ich habe mit vielen Leuten geredet, und alle haben mir empfohlen, die Chance zu nutzen. Heute bin ich sehr dankbar dafür, dass ich mich damals so entschieden habe.

Sind Sie nicht gelangweilt von den ewig gleichen Abläufen?

Crawford: Nein, ich liebe das Coaching. Ich bin jemand, der es geniesst, im Wettbewerb zu stehen, mein Ehrgeiz treibt mich an.

Die ZSC Lions sind jene Organisation, die in ihrem Aufbau einem NHL-Verein am nächsten kommt. Hat das den Wechsel für Sie einfacher gemacht?

Crawford: Es half sicherlich, ja. Ich habe das Glück, in einer erstklassigen Organisation arbeiten zu dürfen, die sich zwar etwas unter dem NHL-Level, aber weit über jenem der AHL bewegt.

Im Sommer verhandelten Sie mit Florida und Pittsburgh über eine Anstellung als Cheftrainer. Wie gross war die Enttäuschung, dass Sie nicht berücksichtigt wurden?

Crawford: Ich will in allem der Beste sein. Darum hätte mich ein NHL-Job gereizt. Es sollte nicht sein, damit kann ich leben.

Sprechen Sie bitte über den EV Zug.

Crawford: Das ist eines der besten Teams der Liga. Der Zuzug von Tobias Stephan hat den EV Zug extrem nach vorne gebracht. Und ich verfolge mit Freude, wie sich ein Lino Martschini entwickelt. Er gehört zu den Top-Stürmern der Liga.

Im EVZ spielt auch Sandro Zangger, den Sie im Oktober kompensationsfrei ziehen liessen …

Crawford: Sehen Sie: Es ist natürlich nicht optimal, wenn man einen begabten jungen Akteur einfach so abgeben muss. Aber in unserer Organisation geht es darum, Spieler zu entwickeln, ihnen eine Chance zu geben. Zangger hatte das Pech, dass wir im Angriff über viele junge Rechtsschützen verfügen. Ich freue mich, dass es ihm in Zug gut läuft.

Wie zufrieden sind Sie bisher mit der Saison des ZSC?

Crawford: Wir hatten fast 60 Spiele: Meisterschaft, Cup, Champions League. Ich war in rund fünf Spielen nicht zufrieden mit unserer Leistung. Mit dieser Quote kann ich leben.