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EISHOCKEY: Der seltsame Fall des Robbie Earl

Ab Samstag kämpft der EV Zug im Playoff um den Meistertitel. Aber die Macher denken längst auch daran, wie die Mannschaft für die Saison 2015/16 besser gemacht werden kann.
Auch mit einer guten Saison im Dress des EV Zug ist es US-Stürmer Robbie Earl (links gegen Biels Dragan Umicevic) nicht gelungen, seinen ramponierten Ruf zu verbessern. (Bild: Freshfocus/Patrick Staub)

Auch mit einer guten Saison im Dress des EV Zug ist es US-Stürmer Robbie Earl (links gegen Biels Dragan Umicevic) nicht gelungen, seinen ramponierten Ruf zu verbessern. (Bild: Freshfocus/Patrick Staub)

Nicola Berger

Man muss mit der Lupe suchen, will man bei Robbie Earl (30) eine unvorteilhafte Statistik finden. Ja, da ist die Erfolgsquote beim Bully von bloss 46,7 Prozent, aber es wäre schwierig, dem US-Amerikaner diesen Wert vorzuhalten, schliesslich hat man den gelernten Flügel erst im EV Zug zum Center umfunktioniert. Und sonst sind seine Statistiken umwerfend für einen Mann, den der EVZ erst Mitte August verpflichtete, und das widerwillig, nach monatelanger Fahndung nach einer grösseren Lösung, einem prominenteren Namen: Er hat eine Plus-Minus-Bilanz von plus 16, und in der Skorerliste der NLA steht er mit 19 Toren und 26 Assists aus 47 Spielen an siebter Stelle, vor hoch gehandelten Individualisten wie Niklas Persson, Alexandre Giroux oder Marc-Antoine Pouliot. Und hier beginnt sein paradoxer Fall: Rapperswil, Ambri und Fribourg hatten es sehr eilig, die Verträge mit besagten Offensivkünstler zu verlängern Giroux und Pouliot sind nun bis 2017 gebunden, Persson bis 2016 mit einer Kluboption auf eine zusätzliche Saison.

Im EVZ bekennt sich keiner zu Earl

Von diesem Trio war Pouliot im Dezember der letzte Akteur, der einen neuen Vertrag unterschrieb. Viele Tage sind seither ins Land gezogen, bald springt der Kalender auf März und Earl ist noch immer auf dem Markt. Das ist überraschend – und doch nicht. Earl geniesst in der Branche nicht den besten Ruf, er gilt als eigensinnig, schwierig zu führen und eindimensional.

Das Image haftet ihm seit seinen Tagen in Rapperswil an, wo er im Herbst 2013 ja zwei Jahre vor Vertragsablauf gegangen wurde, der Klub hatte mal wieder einen Sündenbock benötigt. Seinen Ruf hat er seither nicht wiederherstellen können, nicht vollständig jedenfalls, obwohl die Fakten für ihn sprechen: Für einen «eindimensionalen» Spieler, dessen einzige Qualität das Toreschies­sen sein soll, wird Earl auffallend oft im Boxplay eingesetzt, und über seine Arbeitseinstellung hatte schon Zugs Ex-Trainer Doug Shedden kein schlechtes Wort verlieren können.

Und doch mag sich im EV Zug niemand über diese Saison hinaus zu Earl bekennen. Daniel Giger, der Agent des Kaliforniers, ist in dieser Causa einige Male beim Zuger Manager Reto Kläy vorstellig geworden in den letzten Wochen. Erreicht hat er wenig, es ist ­keinerlei Bewegung in die Sache gekommen. Kläy sagt zum Fall nur: «Vor Saisonende fällt in der Ausländerfrage ganz sicher kein Entscheid.»

Center mit Klasse und Masse gesucht

Verkennen die Zuger das Talent ihres Arbeitnehmers? Vielleicht, weil ihm manchmal die Vista fehlt? Nein, die Probleme liegen anderswo. Earl war im letzten Sommer relativ günstig zu haben, weil die Lakers ihm eine Abfindung hatten zahlen müssen. Nun erhofft er sich eine Lohnerhöhung, was nachvollziehbar ist nach seinen Darbietungen in dieser Saison. Nur: Es sieht danach aus, als ob er sie anderswo erhält, nicht in Zug.

Denn geht es nach den EVZ-Machern, wird ein gelernter Center das Ausländerquartett um die gesetzten Daniel Sondell (Vertrag bis 2017), Pierre-Marc Bouchard (2017) und Josh Holden (2016) komplettieren; Kläy sucht nach einem Mann mit Masse und Klasse, der Manager wünscht sich einen Mittelstürmer mit Wasserverdrängung das Anforderungsprofil lautet gleich wie im Vorjahr. Damals fand Kläy seinen Wunschspieler nicht, aber er wirkt zuversichtlich, dass sich das heuer ändern wird. Denn die stabile NLA dürfte davon profitieren, dass die russische KHL an Attraktivität einbüsst, des schwachen Rubels wegen und auch wegen der sinkenden Bereitschaft von Oligarchen, jährlich satte Minusbeträge in den Klubkassen auszugleichen.

Die Transferakte Immonen

Die Krise der KHL dürfte die Preise auf dem europäischen Markt drücken, und wie viele andere Klubs streckt der EVZ die Fühler im Hinblick auf die kommende Saison gen Osten aus. Ein Objekt der Zuger Begierde ist Jarkko Immonen (34), einst in der NHL bei den New York Rangers beschäftigt und heute in Nowgorod engagiert. Der mit dem gleichnamigen Zuger Assistenztrainer nicht verwandte Immonen misst 1,81 Meter, bringt 91 Kilo auf die ­Waage und hat in dieser Saison in 56 Partien 39 Skorerpunkte präsentiert. Kläy bestätigt, die Transferakte des Finnen liege auf seinem Schreibtisch, er sagt: «Immonen ist ein interessanter Name. Aber davon gibt es viele, meine Liste umfasst rund zehn Spieler.»

So viele Möglichkeiten für nur einen offenen Platz: Für den EVZ sind das verlockende Aussichten, für Earl weniger. Besteht die Gefahr, dass er seine Unbeschwertheit verliert, jetzt, wenige Tage vor dem Playoff, weil die Gedanken um die Zukunft kreisen? Earl sagt: «Nein, ich mache mir keine Sorgen, ich habe mehrere Optionen.»

Auch ein Verbleib in Zug ist möglich, die Frage ist, ob Earl wieder lange warten kann beziehungsweise will. Die Vorfreude aufs Playoff lässt er sich von den Vorgängen nicht verderben, zu lange ist es her, seit er dabei war, beim Walzer um die Meisterschaft: 2012 in Salzburg war das, ehe er mit den Lakers und dem EVZ das Playoff zweimal deutlich verpasste.

Jetzt sagt Earl: «Wir verfügen über eine Identität, darum traue ich uns viel zu.» Earl meint auch sich selber. Es klingt wie eine Drohung.

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