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EISHOCKEY: Der seltsame Fall Tim Ramholt

Tim Ramholt (31) wollte in Zug bleiben, der EVZ hätte ihn gerne gehalten. Und doch wechselt der Verteidiger aller Voraussicht nach zu Kloten. Wie kommt das?
Tim Ramholt vor dem Betreten des Eises in der Bossard-Arena: Die Tage des Verteidigers beim EV Zug sind gezählt. (Bild: Freshfocus/Andy Müller)

Tim Ramholt vor dem Betreten des Eises in der Bossard-Arena: Die Tage des Verteidigers beim EV Zug sind gezählt. (Bild: Freshfocus/Andy Müller)

Nicola Berger

Zu Beginn eine Frage: Wer ist der wertvollste Spieler im EV Zug? Ist es Pierre-Marc Bouchard, der Offensivzauberer mit Goldhelm? Ist es der Torhüter Tobias Stephan, dem in der Liga statistisch niemand das Wasser zu reichen vermag? Beide Antworten sind nicht falsch, aber interessant ist, dass es in der Branche auch Beobachter gibt, die sagen: So sehr der Zuger Erfolg – noch immer firmiert der EVZ nach Verlustpunkten ja als Leader – auch von Bouchard und Stephan abhängt: Man dürfe Tim Ramholt (31) nicht vergessen, den Abwehrchef. Das mag überraschen, wer sich nur an der Skorerliste orientiert. Denn klar: Verteidiger mit acht Skorerpunkten aus 26 Partien sind vielleicht nicht die Norm, aber eben auch keine unersetzliche Rarität.

Viel Unzufriedenheit im EVZ

Doch wer so denkt, liegt falsch. Das Privileg, neben den Virtuosen Bouchard, Martschini und Immonen Powerplay-Assists zu sammeln, ist im EVZ dem Schweden Daniel Sondell vorbehalten. Und es schmälert in keiner Weise, wie wichtig Ramholt für den Klub geworden ist. Im Vorjahr wies er gemeinsam mit Severin Blindenbacher (ZSC Lions) die beste Plus/Minus-Bilanz der Liga aus, plus 23, und in der laufenden Saison liegt er abermals ganz vorne, plus 18.

Die Dominanz ist kein Zufall: Mit dem offensiver ausgerichteten Robin Grossmann (28) bildet Ramholt das derzeit wohl beste Abwehrtandem der Liga. Das Duo spielt im fünften Jahr zusammen: Drei Jahre in Davos, zwei Jahre in Zug, die beiden Freunde harmonieren so gut, dass fasst immer wenn Trainer Harold Kreis sie beide aufs Eis schickt, brenzlige Situationen anstehen.

Für die kommende Saison wird sich der Coach indes etwas Neues überlegen müssen: Ramholt verlässt den EVZ nach drei Jahren, und es lässt sich festhalten, dass der bevorstehende Abgang für reichlich Aufregung gesorgt hat, seit am Freitag publik wurde, dass der Klub dem ehemaligen NHL-Profi keinen neuen Vertrag offeriert. Unzufrieden ist Ramholt, der gerne geblieben wäre und nun grollend sagt, der Verein habe sich gegen ihn entschieden. Unzufrieden sind die Fans, die den Entscheid nicht verstehen können, weil sie dachten, der Klub wolle sich dem Krösus ZSC annähern. Unzufrieden sind die Spieler, die eine Führungskraft und ihren vermutlich zuverlässigsten Abwehrspieler verlieren und deren Aussichten, mit Zug mittelfristig Meister zu werden, sich nicht verbessern. Unzufrieden ist der Coach, der Ramholt als «sehr wertvollen Mann» adelt. Und unzufrieden, das ist das Paradoxe, ist auch jener Mann, der den Entscheid zu verantworten hat: der Sportchef Reto Kläy (37).

Kläy fehlt dritte Budget-Variante

Es ist Freitagabend, und Kläy sitzt auf der Medientribüne des Zürcher Hallenstadions. Seine Laune ist, sagen wir, mittelmässig, was einerseits mit der dürftigen Darbietung der Seinen auf dem Eis (1:5 gegen die ZSC Lions) zusammenhängt, und andererseits natürlich mit dem Fall Ramholt. Kläy sagt: «Das war kein einfacher Entscheid, wir hätten ihn sehr gerne behalten.»

Es ist einer dieser Sätze, wie man sie von Managern oft hört und bei denen nicht selten eine Lüge dahintersteckt. Bei Kläy ist es anders, er hätte Ramholt tatsächlich gerne gehalten. Die Frage ist: Warum hat er es nicht getan, wo doch André Rufener, der Agent Ramholts, sagt, man hätte sich nicht einmal mit anderen Klubs unterhalten, wäre im September eine vernünftige Offerte des EVZ auf dem Tisch gelegen? Kläy seufzt und sagt: «Es gibt punkto Budget nun mal gewisse Vorgaben.»

Über die Finanzen muss man wissen: Es gibt im EVZ für die Saison 2016/17 ein Budget A und ein Budget B. Eines umfasst den Etat mit Rafael Diaz (29), eines ohne ihn; was Kläy fehlte, war ein Budget C, eines mit Diaz und Tim Ramholt.

Mit Diaz ist es ja so eine Sache. Fünf Jahre ist er schon nicht mehr im EV Zug beschäftigt, vom Intermezzo in der Lockout-Saison 2012/13 einmal abgesehen, und doch ist es, als wäre der Nationalverteidiger nie weg gewesen: Als ewige Transferversuchung schwirrt er wie ein Phantom um den Klub herum. Es gibt keinen Zweifel daran, dass er bei einer Rückkehr wieder das wäre, was er schon vor seinem Weggang war: der wichtigste Einzelspieler der NLA.

Aber unverändert ist völlig unklar, ob er überhaupt die Schweiz avisieren wird im Sommer. Die NHL, niemand weiss das besser als Diaz selbst, ist ein undurchsichtiges Gebilde, was heute gilt, muss morgen nicht mehr zählen. Was, wenn der momentan im AHL-Farmteam von Hartford stationierte Diaz ab Januar zu den Rangers zurückkehrt und sich einen Stammplatz erkämpft? Gut möglich, dass er dann noch einmal einen Vertrag erhält. Klar ist: Er würde ihn annehmen, seine Faszination für die beste Liga der Welt ist ungebrochen.

Es ist eine von vielen Hypothesen, eine andere ist, dass Diaz im Juli in Zug auf der Matte steht und sich die Parteien auf einen mit 4,8 Millionen Franken dotierten Sechsjahresvertrag einigen. Das ist sehr viel Geld und der Grund dafür, weshalb Ramholt weiterzieht. Denn der EVZ kann oder will sich nicht beide Spieler leisten.

Klay hat «jede Eventualität geprüft»

Auf finanzieller Ebene ist das verständlich, sportlich sieht es dagegen anders aus. Ramholt ist ein anderer Spielertyp als Diaz; wenn dessen Verpflichtung einen EVZ-Verteidiger entbehrlich machen würde, dann wäre das der Schwede Sondell. Man kann den Faden weiterspinnen: Mit den Abgängen von Yannick Blaser (zu den SCL Tigers) und Johann Morant (Vertrag läuft aus) lassen sich zwischen 300 000 und 350 000 Franken einsparen. Gelänge es im Fall der Fälle, einen Spieler aus dem Trio Santeri Alatalo/Samuel Erni/Simon Lüthi zu transferieren, würden weitere 200 000 bis 300 000 Franken frei. Ramholts Salär von geschätzten 450 000 Franken wäre damit gedeckt.

Es gibt Dinge, die Kläy mehr erfreuen, als wenn man ihm diese Zahlenspielereien vorträgt. Er sagt: «Man kann schon davon ausgehen, dass ich jede Eventualität geprüft habe.» Niemand würde ihm da widersprechen, doch der 2013 aus Langenthal verpflichtete Sportchef geht mit seinem Poker auf einen Diaz-Transfer ein hohes Risiko ein. Was, wenn der EVZ am Ende ohne Diaz und ohne Ramholt dasteht, zumal zu einem Zeitpunkt, an dem auf dem Transfermarkt nicht mehr reagiert werden kann? Kläy sagt: «Diese Gefahr besteht. So läuft nun mal das Geschäft.» Weniger besorgt kann Ramholt in die Zukunft blicken: Sein neuer Arbeitgeber – voraussichtlich die Kloten Flyers – bezahlt ihm ein höheres Salär, als er zuletzt beim EVZ einstrich.

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