EISHOCKEY: Der Transfer-Voodoo des Sportchefs

Der EVZ Zug engagiert Nationalverteidiger Dominik Schlumpf (23). Die Analyse zum Zuger Transfercoup.

Nicola Berger
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Dominik Schlumpf hier beim Einsatz mit der Schweizer Nationalmannschaft im Spiel gegen Deutschland. (Bild: Keystone)

Dominik Schlumpf hier beim Einsatz mit der Schweizer Nationalmannschaft im Spiel gegen Deutschland. (Bild: Keystone)

Es wäre interessant, die Wohnung von Reto Kläy in Langenthal unter die Lupe zu nehmen. Nachdem der Manager gestern seinen ersten Spielertausch als EVZ-Stratege orchestrierte, muss man davon ausgehen, dass der Mann Voodoomaterial lagert. Was Tauschgeschäfte im Sport angeht, gibt es ja eine goldene Regel: Wer den besten Spieler an Land zieht, gewinnt. Darum gibt es keinen Zweifel daran, wer dieses bemerkenswerte Geschäft für sich entschieden hat: der EV Zug.

Elegant und gewissenhaft

Mit Dominik Schlumpf haben sich die Zuger einen weiteren Nationalverteidiger mit WM-Erfahrung geangelt; nach Tim Ramholt und Robin Grossmann handelt es sich bei Schlumpf um den dritten Zuzug eines Abwehr-Internationalen innerhalb der letzten 18 Monate. Schlumpf mag in dieser Saison in Lugano nicht sein bestes Eishockey gespielt haben (Minus-7-Bilanz), aber sein Potenzial ist enorm. Der Zürcher ist ein eleganter, gewissenhafter Defensivverteidiger, wie ihn jeder Coach liebt. Weitgehend unerforscht ist, wie viel Kreativität in ihm schlummert, aber das ist ohnehin sekundär. Denn: Defensiv ist er so gut, dass Tore und Assists einem Bonus gleichkommen.

Dass Lugano ihn für einen so geringen Gegenwert – für Alessio Bertaggia und Calle Andersson – abgibt, überrascht, und man kann es für einen Zufall halten, dass sich der von der Baarer Agentur 4 Sports betreute Lugano-Coach Patrick Fischer an die 4-Sports-Spieler Bertaggia und Andersson erinnerte. Oder eben nicht.

Vielleicht schafft es Andersson

Was die Zuger Abgänge angeht, wird Trainer Harold Kreis vorab Andersson vermissen, der gemeinsam mit seinem schwedischen Landsmann Daniel Sondell das zweite Abwehrpaar bildete. Es ist möglich, dass aus dem ungestümen und manchmal fahrigen Andersson ein Abwehrspieler von Format wird. Nur: Die Transformation hätte nicht in Zug stattgefunden, auch wenn der EVZ den jungen Schweden behalten hätte. Denn Anderssons Transferrechte liegen bei den New York Rangers; vermutlich wird er sich bereits in der kommenden Saison in Übersee versuchen. Der Entscheid über seine unmittelbare Zukunft allerdings wird spät fallen, im Sommer erst, weshalb Kläy mit dem Abgang auch an Planungssicherheit gewonnen hat. Denn für keinen Klub ist es optimal, bei der Besetzung einer Planstelle in den Top 4 bis im Juli warten zu müssen, wenn Restposten und Desperados die einzigen Alternativen sind.

Grosser Schritt näher zum Titel

Der Abgang von Bertaggia hatte sich derweil abgezeichnet. Er stiess auf die Saison 2013/14 mit vielen Vorschusslorbeeren aus Spokane zum EVZ, konnte sich aber unter zwei Trainern nie für höhere Aufgaben aufdrängen, weil ihm die Vista abzugehen scheint. Sein auslaufender Vertrag im EVZ wäre nicht verlängert worden; in der aktuellen Spielzeit steht Bertaggia noch ohne Tor da. Der Wechsel in die Resega, wo sein Vater Sandro einst zur Legende reifte, bedeutet für ihn eine neue Chance – Lugano stattete ihn mit einem Vertrag bis 2016 aus.

Für die Luganesi gibt es in diesem Kuhhandel viele Unbekannte; es müsste einiges optimal nach Wunsch laufen, damit sich das Geschäft für die Tessiner rentiert.

Der EVZ dagegen ist seit Dienstag näher am Titel, als er es zuvor war. Zwei Ergänzungsspieler hat Kläy gegen einen gestandenen Internationalen eingetauscht und mit dem Junioren-Nationalspieler Sandro Zangger aus der Organisation der ZSC Lions noch eine hoffnungsvolle und abschlussstarke Dreingabe erhalten.

Auch aus Zangger könnte dereinst ein Mann für Glen Hanlon werden, der Zuger Königstransfer ist aber fraglos die Verpflichtung des bis 2017 gebundenen Schlumpf. Mit ihm hat Kläy auf längere Sicht den Abwehrverbund gestärkt, was nicht nur darum seiner Philosophie entspricht, weil er früher selbst als (mittelmässig begabter) Verteidiger sein Geld verdiente: Der Manager ist ein Verfechter des Credos, wonach die Offensive zwar Spiele, die Defensive aber Meisterschaften gewinnt.

Ob der smarte Tausch im Titel zinst, wird sich weisen, im Abnützungskampf des Playoffs, im Frühjahr. Klar ist, dass der EVZ mit Schlumpf besser aufgestellt ist. Reto Kläy und seines Transfer-Voodoos wegen.

Kreis: «Mir gefällt Schlumpfs Stil»

Was sagen sie beim EV Zug zum Spielertausch mit Lugano? Sportchef Reto Kläy, der den Deal eingefädelt hat, redet von einem «strategischen Entscheid». Weil sich beide Parteien schon jetzt einig gewesen seien, habe man den Deal gleich besiegelt. Die Zukunft von Calle Andersson liegt ohnehin nicht in der Schweiz, und weil Kläy damit rechnet, dass der Sohn von Luganos Assistenztrainer nächste Saison vielleicht bis Oktober in Nordamerika verweilen wird, setzte er lieber auf die sichere Variante mit dem Zuzug des Nationalspielers: «Das war ausschlaggebend.» Nicht zuletzt auch, weil «wir nichts in den Deal investieren mussten», versichert Kläy. Es sei finanziell eine Nulllösung gewesen.

Mit Dominik Schlumpf und Sandro Zangger von den ZSC Lions sind zwei Spieler zum EVZ gestossen, die ihren Stock auf der rechten Körperseite führen und damit im Eishockey zu einer begehrten, weil eher seltenen Spezies gehören. Nach solchen Rechtsauslegern hätten sie Ausschau gehalten, hält Zug-Trainer Harold Kreis fest.

Schlumpf verteidigt mit Sondell

Für Kreis ist Schlumpf ein kämpferischer Verteidiger, gegen den es «unangenehm zu spielen» ist, zudem habe der Zürcher eine gute Übersicht. «Sein Stil», sagt Kreis, «gefällt mir.» Die beiden Neuzugänge haben gestern erstmals mit ihren neuen Teamkollegen trainiert, und sie sind morgen gegen Bern und am Samstag in Biel spielberechtigt. Schlumpf wird eins zu eins die Position Anderssons in der Aufstellung neben Daniel Sondell einnehmen, bestätigt Kreis.(ain)