EISHOCKEY: Die Erfolgsgeschichte des EVZ

Am 2. März 1976 steigt der EV Zug zum ersten Mal in der Klubgeschichte in die Nationalliga A auf. 40 Jahre später blickt der damalige Captain Oskar Huber (65) zurück und nimmt uns mit auf eine Reise in Eishockeyzeiten unter freiem Himmel und mit kurzen Nächten.

Jonas von Flüe
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Spiel unter freiem Himmel: Der EV Zug (dunkle Trikots) spielt im Februar 1975 in der heimischen Kunsteisbahn gegen Biel. (Bild: Keystone)

Spiel unter freiem Himmel: Der EV Zug (dunkle Trikots) spielt im Februar 1975 in der heimischen Kunsteisbahn gegen Biel. (Bild: Keystone)

Die Augen von Oskar Huber leuchten. Die Szene, die er in kurzen, aber detaillierten Sätzen schildert, liegt fast 40 Jahre zurück. Doch er erinnert sich noch haargenau. Wir schreiben das Jahr 1976, der Tod des chinesischen Diktators Mao Tse-tung und die Wahl von Jimmy Carter zum 39. Präsidenten der Vereinigten Staaten prägen das politische Weltgeschehen.

Der EV Zug steht im selben Jahr kurz vor dem erstmaligen Aufstieg in die Nationalliga A. Noch ein Spiel, auswärts im Hallenstadion beim Zürcher SC. Ein Sieg, und der EVZ würde den HC Villars in der höchsten Spielklasse ersetzen. Das Hallenstadion, es behagt den Zugern nicht besonders. Die Wärme während des Spiels sind sie sich nicht gewohnt, in der Herti trainieren und spielen sie schliesslich unter freiem Himmel. Ob es nun regnet oder schneit.

Heinz Jennis wichtigster Treffer

Es steht 6:6. Es läuft die letzte Minute. Der EVZ braucht dringend einen weiteren Treffer. Oskar Huber sieht die Szene wie ein Film vor seinen Augen ablaufen. Er beginnt zu erzählen: «Es war ein zäher Match. Irgendwo vor der Mittellinie wurde ich angespielt. Von der linken Seite bin ich Richtung Mitte gelaufen, über die blaue Linie, hinein in die gegnerische Zone.»

Huber bildete damals mit Paul Probst und dem 1992 verstorbenen Heinz Jenni die gefürchtetste Sturmlinie der Nationalliga B. Das Trio verstand sich blind. «Jenni lief und lief, bis er zwei Meter vor dem Tor stand. Ich spielte ihn an, er schoss – und traf.» 22 Sekunden vor Schluss stand es 7:6 für den EVZ. Der Aufstieg war unter Dach und Fach, der Jubel bei den über 3000 mitgereisten Fans grenzenlos. «Diesen Moment kann man gar nicht in Worte fassen. Ich habe während meiner Karriere viele schöne Erfolge gefeiert, aber das war wohl der allerschönste», sagt Huber, während er sich auf alten Bildern betrachtet – einen jungen, athletischen Mann, Mitte 20, mit Schnauz und schwerem Helm. Es folgte ein feuchtfröhlicher Abend im Zuger Casino, wo gerade ein Fasnachtsball stattfand. Die Euphorie in Zug war riesig. Der Landsgemeindeplatz war zwei Tage später proppenvoll, als die Aufsteiger ihren Fans vom Balkon des Restaurants Löwen zuwinkten.

Kurzes NLA-Abenteuer

Am Mittwoch jährt sich der erstmalige NLA-Aufstieg des EV Zug zum 40. Mal. Von den 20 Spielern sind vier bereits verstorben: Spielertrainer Reto Stuppan, der finnische Profi Jorma Peltonen, Torschütze vom Dienst Heinz Jenni und Walter «Pfüdi» Pfister. Bis sich der EVZ allerdings in der NLA etablieren konnte, dauerte es noch einige Jahre. Es folgten der direkte Wiederabstieg und fünf Jahre später gar der Fall in die 1. Liga. Seit 1987 spielen die Zuger ununterbrochen in der höchsten Spielklasse.

«Bei all den Erfolgen gab es immer wieder Rückschläge. Haben wir verloren, hörten wir schon mal, wir seien doch besoffen», erzählt Oskar Huber, «dieses stete Auf und Ab hat mich aber viel gelehrt. Im Leben kann es nicht immer bergauf gehen.» 65 Jahre alt ist er mittlerweile, seit Anfang Jahr pensioniert, aber immer noch regelmässig in der Garage Huber an der Baarerstrasse anzutreffen, die er zusammen mit seinen Brüdern Engelbert und Ueli besitzt, und von seinem Neffen Samuel geführt wird.

Die Geschichte des EV Zug, sie ist unweigerlich mit der Familie Huber verbunden. Oskar und sein drei Jahre älterer Bruder Ueli stürmten jahrelang für die erste Mannschaft, in der 2. Liga, in der 1. Liga, in der NLB, beide waren Captain, Topskorer und dabei, als der Baarer Schlittschuhclub im Jahr 1967 nach Zug in die Herti übersiedelte und der Eissportverein gegründet wurde. Engelbert (70), von jedem Engi genannt, prägte den Verein abseits des Eises. «Während wir auf dem Gletscher waren, hat er Beziehungen neben dem Eis geknüpft», erzählt Oskar. Engi war zunächst Materialwart, dann Technischer Leiter, während mehreren Jahren dann EVZ-Präsident.

Mit dem Velo ins Training

Oskar Huber stürmte bis 1979 für den EVZ, bis 2008 spielte er gar noch für die Senioren. Natürlich hat sich rund um den EVZ seit seiner Aktivzeit viel verändert. Das Spiel sei schneller geworden, sagt er, die Ausrüstung leichter. Vor allem aber spielen in der ersten Mannschaft nur noch Profis. Im EVZ anno 1976 erhielten einige Spieler zwar ebenfalls Geld, sie waren aber die Ausnahme. Die meisten gingen fünf Tage pro Woche einer anderen Arbeit nach. So auch Huber. Er erzählt: «Wenn wir am Dienstag oder Donnerstag ein Spiel in Visp hatten, waren wir erst um vier Uhr morgens zu Hause. Um sechs stand dann bereits mein Vater in der Tür, um mich zu wecken.» Für den jungen Automechaniker hiess es, ab in die väterliche Garage. Zwischendurch wurde auch morgens um 10 trainiert. Huber fuhr mit dem Velo ins Herti, absolvierte ein Schusstraining, danach ging es aber wieder zurück an die Arbeit. Ausschlafen, meint er, konnte man dann ja jeweils am Wochenende.

Profi, nein, das wollte Oskar Huber nie werden. Er genoss die Vorteile, die er als Amateursportler hatte, er mochte die familiäre Stimmung im EVZ. «Wir durften in den Ausgang, gingen ab und zu am Freitag schlitteln, auch wenn wir am Samstag einen Match hatten. Nur Skifahren war uns damals schon verboten», erzählt Huber, der das Skifahren dafür seit seinem Karrierenende in vollen Zügen geniesst. Nach dem Spiel ging man gemütlich mit den Ehefrauen und Kollegen essen – die Aufstiegsmannschaft war eine eingeschworene Truppe.

Das Ende des Freiluft-Hockeys

Mit dem Aufstieg 1976 ging auch die Zeit des Freiluft-Hockeys zu Ende. Denn Voraussetzung für den NLA-Aufstieg war ein überdachtes Stadion. Bereits im Sommer 1975 erhielten die Zuger Zimmerleute den Zuschlag für ihre Holzkonstruktion. Rechtzeitig zur ersten NLA-Saison war die Halle bezugsbereit. Gleichzeitig wurde die offizielle Zuschauerkapazität von 6500 auf 8350 erweitert. Erst 2010 musste die alte Halle der modernen Bossard-Arena weichen. «Die Atmosphäre im alten Herti-Stadion hat mir sehr gefallen», sagt Oskar Huber, «aber die Bossard-Arena ist schöner. Für die Zuschauer ist sie ein Traum.» Das Ehrenmitglied ist an allen wichtigen Spielen im Stadion anzutreffen.

Höhepunkt im Jahr 1998

Das erste Abenteuer in der NLA war wie erwähnt nur von kurzer Dauer. Doch das begeisterungsfähige Zuger Publikum hatte Appetit erhalten. Der Aufstieg 1976 war das erste Kapitel einer Erfolgsgeschichte, die mit dem Meistertitel 1998 ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hat. Seit 29 Jahren spielt der EVZ ununterbrochen in der NLA, er hat die Playoffs nur zweimal verpasst. Oskar Huber sagt: «Wir haben in Zug viele gute Vereine. Doch der EVZ steht über allem. Er ist das Aushängeschild unserer Stadt.» Auch dank ihm und den anderen Aufsteigern von 1976.

Die Aufstiegsmannschaft 1976

Trainer: 

  • Reto Stuppan †

Torhüter: 

  • Jürg Furrer
  • René Straubhaar

Verteidiger:

  • René Bachmann
  • Hans Disch 
  • André Heimgartner
  • Werner Heimgartner
  • Hansruedi Küenzi
  • Armando Patzen
  • Reto Stuppan †

Stürmer:

  • Reto Dekumbis
  • Robert Dekumbis
  • Jürg Friolet
  • Daniel Greber
  • Oskar Huber
  • Heinz Jenni †
  • Rolf Landis
  • Jorma Peltonen †
  • Walter Pfister †
  • Paul Probst
  • Werner Schallberger

Jonas von Flüe

Das Herti-Stadion wird 1976 überdacht. Im August sind 
die Bauarbeiten bereits weit fortgeschritten. (Bild: Keystone)

Das Herti-Stadion wird 1976 überdacht. Im August sind die Bauarbeiten bereits weit fortgeschritten. (Bild: Keystone)

Der verstorbene EVZ-Stürmer Heinz Jenni im Jahr 1975. (Bild: EVZ/Keystone)

Der verstorbene EVZ-Stürmer Heinz Jenni im Jahr 1975. (Bild: EVZ/Keystone)

Bild: Grafik: Janina Noser

Bild: Grafik: Janina Noser