EISHOCKEY: Die Hausaufgaben des EV Zug

Der EV Zug steht unmittelbar vor der vorzeiti-gen Qualifikation fürs Playoff. Doch: In den finalen zehn Qualifikationsrunden wartet einiges an Arbeit auf den Klub.

Nicola Berger
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Im Powerplay finden die Schüsse von Zugs Nationalstürmer Reto Suri, rechts, den Weg nur selten ins Netz - in dieser Saison erst zweimal. (Bild: Keystone / Sigi Tishler)

Im Powerplay finden die Schüsse von Zugs Nationalstürmer Reto Suri, rechts, den Weg nur selten ins Netz - in dieser Saison erst zweimal. (Bild: Keystone / Sigi Tishler)

Nicola Berger

Die Sehnsucht auf Playoff-Eishockey ist gross in Zug – nach einem Jahr der Abstinenz und der Schmach der Verbannung in die Platzierungsrunde. Am 1. April 2013 bestritt der EVZ seine letzte Playoff-Partie beim 1:4 im denkwürdigen siebten Spiel der Halbfinalserie gegen den SCB in Bern, als Coach Doug Shedden den Oldie Domenico Pittis in dessen letztem Karriereeinsatz dem Liga-Topskorer Linus Omark vorzog.

Zug ist hungrig, gewiss, aber in den Reihen des EVZ gibt es Titulare, deren Appetit jenen des Publikums noch übertrifft. Da ist Simon Lüthi (28), der momentan verletzte Verteidiger, der in zehn Jahren als NLA-Profi erst einmal im Konzert der grossen acht mitmachen durfte – 2011, für exakt vier Spiele –, weil er das Pech hatte, vor seinem Zuger Engagement bei den SCL Tigers beschäftigt gewesen zu sein. Und da ist auch Daniel Sondell (30), auch er verletzt, der in seiner zwölfjährigen Karriere auf null Playoff-Spiele in einer höchsten Liga kommt. Ja, null.

Heuer noch ohne Powerplay-Tor

Das Verlangen ist also gross, und das Ziel ist nicht mehr fern. Siegt der EVZ am Freitag gegen Schlusslicht Rapperswil, wird er im Teletext grün eingefärbt – die Koloration des Klubnamens im ­Videotext des Staatsfernsehens ist auch im Jahr 2015 der Stoff, aus dem die Träume sind, im Schweizer Eishockey, allen coolen Handy-Apps zum Trotz.

Bis zum Playoff-Start vom 28. Feb­ruar steht indes viel Arbeit für den EVZ an. Sicher, an der aktuellen Verfassung gibt es wenig zu mäkeln bei acht Siegen in den letzten zehn Partien. Und doch gibt es Baustellen im Zuger Kollektiv; am wichtigsten sind die Unterhaltsarbeiten bei den Special Teams: Im Unterzahlspiel haben sich die Protagonisten zuletzt gefangen nach einer bizarren Schwächephase, aber statistisch gesehen steht der EVZ mit einer Erfolgsquote von 80 Prozent nur auf Platz 8 aller Teams (vgl. Kasten)

Kaum besser lesen sich die Zahlen des zu Saisonbeginn noch glänzenden Powerplays: Fünf Überzahlgelegenheiten liessen die Zuger am Samstag in Genf ungenutzt, die Einheiten wirkten steril und unkoordiniert. Zwar stellt das Team von Harold Kreis noch immer das fünftbeste Powerplay der Liga und sogar das beste in fremden Gefilden (Quote von 24,56 Prozent, zu Hause bloss 16,05 Prozent/Platz 10), doch inzwischen haben die Zuger in numerischer Überzahl schon sechs Spiele lang nicht mehr reüssiert – der EVZ wartet noch immer auf sein erstes Powerplay-Tor im Jahr 2015, bereits 24 Möglichkeiten verstrichen ungenutzt.

Die Baisse allein mit den momentanen Absenzen von Josh Holden (mit sechs Toren bester Powerplay-Schütze) und vor allem Sondell – er lenkt das Überzahlspiel ja – zu erklären, wäre zu einfach, das Duo fehlt ja erst seit zwei respektive drei Partien. Trainer Kreis ist das Thema unangenehm. Er sagt: «Ich kann den Jungs nicht vorwerfen, sie würden nicht alles versuchen. Momentan will die Scheibe im Powerplay einfach nicht rein.»

Suri tut sich in Überzahl schwer

Immerhin bleibt dem Eishockeylehrer die Gewissheit, dass es unter seiner Ägide besser läuft als 2013/14 bei Doug Shedden – auch wenn die Verbesserung von 15,9 auf 18,8 Prozent marginaler Natur ist. Und natürlich handelt es sich teilweise um das gleiche Personal, das sich schwertut. Reto Suri zum Beispiel kam in der letzten Qualifikation in 50 Spielen auf einen einzigen Powerplay-Treffer, nun steht er nach 40 Partien wohl bei doppelt so vielen Toren, aber mit dieser Ausbeute kann er unmöglich zufrieden sein – bei schon 137 Einsätzen in Überzahl.

Robin Grossmann (27) ist neben Sondell der einzige Zuger Verteidiger, dem im Powerplay Skorerpunkte gelungen sind (es sind neun). Er sagt: «Es ist richtig, dass es momentan nicht funktioniert. Daran müssen wir arbeiten.»

Noch bleiben den Zugern dafür fünf ganze Wochen, dann müssen die Tore fallen – sonst könnte das lang ersehnte Playoff-Abenteuer für Sondell, Lüthi und Co. ganz schnell enden.