Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EISHOCKEY: «Die Vorteile liegen bei Davos»

EVZ-Coach Harold Kreis (56) spricht vor dem heutigen Playoff-Aufgalopp über die Kräfteverhältnisse in der Serie und den Beginn seiner Trainerlaufbahn als Assistent von Arno del Curto.
Die Defensive zuerst: Das ist die Taktik von EVZ-Coach Harold Kreis. Seine Mannschaft stellt dennoch die ligaweit erfolgreichste Offensive. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Die Defensive zuerst: Das ist die Taktik von EVZ-Coach Harold Kreis. Seine Mannschaft stellt dennoch die ligaweit erfolgreichste Offensive. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Interview Nicola Berger

Harold Kreis, als Sie Ende der Siebzigerjahre von Kanada nach Mannheim wechselten, kannte man das Playoff in Europa noch nicht. Wie froh sind Sie, dass wir doch noch auf den Geschmack gekommen sind?

Harold Kreis: Das ist richtig, in den ersten zwei Jahren wurde einfach jenes Team mit den meisten Punkten Meister. Zum Glück hat sich das schnell geändert. Das Playoff-Format ist faszinierend, es ist wie eine fünfte Jahreszeit.

Was bleibt haften aus über 30 Playoffs als Spieler und Trainer?

Kreis: Am präsentesten ist für mich, wie schwierig es ist, im Playoff zu gewinnen. Jeder Sieg bedeutet Knochenarbeit. Die Spieler sind mental und physisch enorm gefordert. Der Rest der Welt hört in dieser Zeit auf, sich zu drehen. Es zählt nur noch Eishockey, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Wie schaltet der Coach ab?

Kreis: Schwierig. Diesen Begriff kenne ich während des Playoffs nicht.

Spüren Sie Druck?

Kreis: Nein, für meine Begriffe liegen die Vorteile auf Seiten von Davos. Sie sind klein, aber sie sind da.

Die Tabelle sagt etwas anderes, der Heimvorteil liegt beim EVZ.

Kreis: Man darf einfach nicht vergessen, dass Davos über sehr viel Talent verfügt. Ich schätze sie sehr stark ein. Für uns geht es darum, Davos die Stirn zu bieten. Wir wollen ein würdiger Gegner sein. Ich erwarte eine umkämpfte, harte Serie.

Sie waren 2002 in Davos Assistenztrainer von Arno del Curto und betreuten die Elite-Junioren. Mit welchen Erinnerungen verbinden Sie jene Zeit?

Kreis: Von Arno ist mir vor allem geblieben, wie intensiv er Eishockey lebt. Diese Leidenschaft und Intensität war für mich sehr beeindruckend.

Tauschen Sie sich noch mit ihm aus?

Kreis: Weniger. Es ist nicht so, dass ich ihn besuche oder umgekehrt. Aber wenn wir uns sehen, unterhalten wir uns schon, klar.

Aus Ihrer damaligen Elite-Junioren-Mannschaft spielt nur noch Marc Wieser beim HC Davos. Was für ein Spieler war er bei Ihnen?

Kreis: So wie er heute ist: ein furchtloser Kämpfer.

War er bei der legendären, von Ihnen verhängten Strafaktion dabei, als die Nachwuchsspieler nach einer Heimniederlage gegen den EVZ in der Nacht noch einmal die Ausrüstung anziehen und Extrarunden absolvieren mussten?

Kreis: Die hat er wohl miterlebt, ja. (lacht)

Im EVZ gab es wenig Anlass für Straftrainings. Ihr Team hat in der Qualifikation sogar die produktivste Offensive gestellt. Überrascht?

Kreis: Wir sind eine Mannschaft mit einer «Defensive zuerst»-Einstellung. Darum ist das schon nicht selbstverständlich.

Haben Sie als Coach die Gewissheit, dass die Chancen auf einen Sieg gut stehen, wenn man hinten nicht mehr als zwei Treffer zulässt?

Kreis: Wenn man sich die Ergebnisse der Qualifikation anschaut, stimmt das. Aber das Playoff hat eigene Gesetze, da habe ich überhaupt keine Gewissheit. Wichtig ist, dass wir nicht kopflos drauflos stürmen. Das defensive Fundament muss stehen.

Der EVZ ist in der Top 10 der Skorerwertung als einziges Team mit gleich drei Akteuren vertreten, Lino Martschini war gar der beste Schweizer Skorer der Liga. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Kreis: Torjäger wie er sind eine rare Spezies. Je länger die Saison gedauert hat, desto mehr hat er sein Spiel gefunden. Momentan spielt er mit sehr viel Selbstvertrauen, das merkt man. Und natürlich hat er enorm viel Talent.

Das Playoff ist auch die Zeit der «unsung heroes», von Spielern der zweiten Reihe, die Partien und Serien entscheiden. An wen denken Sie in Ihrem Team?

Kreis: Das kann man nicht voraussehen. Das Playoff ist eine Bühne, alle haben die Chance. Könnte beispielsweise Dominic Lammer eine wichtige Rolle spielen? Absolut. Aber es gibt keine Garantien.

Vom Ausgang des Playoffs hängt ab, wie Ihr erstes Jahr im EVZ beurteilt werden wird. Stört Sie das? Dass die Arbeit eines ganzen Jahres auf eine Serie von maximal sie­ben Spielen reduziert wird?

Kreis: Nein, das gehört zum Geschäft. Der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg im Playoff ist extrem schmal. Ich kann von den Spielern nicht mehr verlangen, als dass sie jeden Abend 100 Prozent Einsatz geben. Das ist meine oberste Priorität. Siege lassen sich nicht planen. Und lädt man zu viel Druck auf, hat das nur negative Konsequenzen.

Zwischen dem Ende der Qualifikation und dem Beginn der Playoffs liegen nur vier Tage. Gibt es einen Schalter, den man umlegen kann?

Kreis: Nein. Aber wir haben uns jetzt während vieler Monate auf diesen Moment vorbereitet. Die Mechanismen sollten stimmen, das System verinnerlicht sein. Wir sind parat. Und bereit, den Preis zu bezahlen, den Siege im Playoff nun mal kosten.

Playoff-Viertelfinals

Best-of-7. 1. Runde. Heute, 19.45: Bern - Lausanne. ZSC Lions - Biel. 20.15: Zug - Davos (SRF 2). Lugano - Servette (RSI 2).

Weitere Runden: 3. März; 5. März; 7. März; evtl. 10. März; evtl. 12. März, evtl. 14. März.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.