EISHOCKEY: Die Zuger Lebensversicherung

Tobias Stephan entpuppt sich für den EV Zug als wichtigster Transfer seit der Verpflichtung von Damien Brunner im Jahr 2008. Mit Weltklasse-Leistungen ist der Goalie ein Erfolgsgarant.

Nicola Berger
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Tobias Stephan gehört zu den Besten der Liga. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Tobias Stephan gehört zu den Besten der Liga. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Nicola Berger

Samstagabend in der Bossard-Arena: Harold Kreis gibt den jovialen Gastgeber. Hier ein kleiner Schwatz, dort ein Interview, da ein Händeschütteln. Er wirkt vergnügt, denn das Leben meint es gut mit ihm, knapp drei Wochen vor seinem 56. Geburtstag und nach fünf Siegen in Serie mit dem EV Zug.

Als Coach hat Kreis natürlich einen Anteil am Erfolg, aber der Eishockeylehrer weiss selber exakt, wem er die Hausse prioritär zu verdanken hat: Torhüter Tobias Stephan (30).

Die Lüge über Marc Wieser

Am Wochenende hat der Zürcher sechs Treffer kassiert, drei in Biel und drei gegen Davos und war doch mit Abstand Zugs bester Akteur. Das lässt, einerseits, tief blicken, was die Verfassung des teuren Defensivverbundes angeht, ist andererseits aber auch eine Auszeichnung für Stephan. Denn dem Tausendsassa zwischen den Pfosten gelang es, die Unzulänglichkeiten seiner Abwehr so weit zu kaschieren, dass der EVZ zum ersten Mal in dieser Saison an einem Wochenende auf ein Total von sechs Punkten kam.

92,45 Prozent aller Schüsse hat Stephan in dieser Saison pariert, in der NLA ist das der viertbeste Wert bei allen jenen Torhütern, die auf mindestens 1000 Einsatzminuten kommen. Allein: Die Statistik verrät nicht die ganze Wahrheit; obwohl der Wert ausgezeichnet ist, wird er dem Keeper nicht gerecht. Denn: Stephan war in dieser Saison bisher nicht überdurchschnittlich gut er verkörperte Weltklasse. Selber würde er das nie zugeben, es ist ihm beinahe unangenehm, wenn man seine Leistungen würdigt. Nach dem 4:3 über Davos sagte er lapidar: «Na ja, an einem guten Tag kassiere ich das dritte Tor nicht.» Man muss das als glatte Lüge entlarven, denn Marc Wieser zimmerte die Scheibe unhaltbar direkt unter die Latte.

Einer, der die Leistungen des Goalies wahrheitsgetreuer beurteilt, ist Trainer Kreis. Als er gefragt wird, ob Stephan der beste Torhüter sei, den er je trainiert habe, sagt dieser: «O ja, da ist er ganz oben mit dabei.» Das will etwas heissen, denn in Zürich stoppte einst der grosse Ari Sulander die Pucks für Kreis.

Die ewige Baustelle ist geschlossen

Seinen Dienst in Zug hat Stephan ja erst im Sommer angetreten, aber schon jetzt lässt sich sagen, dass seit der denkwürdigen Verpflichtung von Damien Brunner im Herbst 2008 kein Transfer den Verein über Nacht so deutlich besser gemacht hat. Zu verdanken hat der EVZ den Königstransfer weniger der ehemaligen sportlichen Führung als vielmehr Stephan. Denn: Zusammen mit seinem Agenten hatte der Torhüter den Wechsel im Winter 2012 gleich selbst vorgeschlagen, weil es ihn nach Jahren in Genf aus familiären Gründen zurück in die Deutschschweiz zog. So viel Fortune muss man auch erst einmal haben: Dass sich die Ballkönigin einem quasi ohne eigenes Zutun an den Hals schmeisst.

Dank Stephan jedenfalls sind die Goalie-Wirren der letzten Jahre heute in weiter Ferne, die Namen Markkanen, Kilpeläinen, Tobler, Flückiger oder Boucher sind nicht mehr als Reminiszenzen längst vergangener Tage.

Vertrag ohne NHL-Klausel

Stephans Vertrag in Zug läuft noch bis 2017, und, was wichtig ist, er besitzt keine Ausstiegsklausel für die NHL. Elf Spiele hat er dort ja absolviert, zwischen 2007 und 2009, für die Dallas Stars, die ihn im Draft von 2002 in der zweiten Runde selektioniert hatten. Das Abenteuer begann viel versprechend, mit einem Sieg in Chicago und 95 Prozent gehaltener Schüsse; endete indes wenig erfreulich, am 30. März 2009, mit sechs Gegentoren gegen Phoenix.

NHL ist für Stephan weit weg

Könnte die beste Liga der Welt für den derzeit mit besten Torhüter der NLA nicht doch wieder zum Thema werden? Stephan lächelt und sagt: «Man kriegt in der NHL nur eine Chance. Ich habe sie nicht nützen können. Ich denke nicht, dass das noch einmal zum Thema wird, der Trend in der NHL geht in die Richtung von jüngeren Spielern.»

Das mag korrekt sein, aber das Haifischbecken NHL ist unberechenbar. Als Martin Gerber, der Klotener Torhüter, beim Schweizer Silbermedaillengewinn von 2013 in Stockholm brillierte, erkundigten sich NHL-Organisationen nach ihm. Gerber war da bereits 38 Jahre alt. Stephan sagt: «Sollte es noch einmal klappen, wäre das schön wenn nicht, bin ich nicht traurig. Ich fühle mich hier sehr wohl.»

In den Ohren von Harold Kreis muss das wie Musik tönen.

Hinweis

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