EISHOCKEY: Die Zuger reisen trotz Niederlage guten Mutes zurück

Der SC Bern hat den EV Zug vom Cup erlöst und 8:3 gewonnen. Es war das schlimmste Spiel der Zuger in dieser Saison.

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Zug-Goalie Noel Bader kassiert gegen Berns Martin Plüss das 2:4. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Zug-Goalie Noel Bader kassiert gegen Berns Martin Plüss das 2:4. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Eigentlich müsste man auf eine unanständige Art und Weise ehrlich sein und sagen: Zug hat absichtlich verloren. Aber das wäre ungerecht und falsch. Kein Sportler geht mit dem Vorsatz in einen Wettkampf, absichtlich zu verlieren. Aber es macht einen riesigen Unterschied, gerade in einem so emotionalen Spiel wie Eishockey, ob die Spieler kompromisslos, leidenschaftlich und entschlossen den Sieg um jeden Preis suchen. Oder einfach mal schauen, was passiert.

Die Zuger schauten einfach mal, was passiert. Und als sie sahen, dass der SC Bern unbedingt will, ergaben sie sich ins Schicksal. Wie im Vorjahr ist der SCB offensichtlich der einzige NLA-Klub, der den Cup-Wettbewerb ernst nimmt. Nicht eine Sekunde hat es einen Zweifel gegeben, wer dieses Spiel gewinnen wird.

Mit Pascal Bergers 1:0 (10.) ist die Partie bereits entschieden. Zug gelingt der erste Treffer zum 3:1. Das Momentum scheint zu wechseln. Nun droht Zug auf einmal der Verbleib im Cup. Ausgerechnet in diesem entscheidenden Moment der Partie holt Trainer Harold Kreis bei «Halbzeit» (29:27 Min.) seinen Torhüter-Titanen Tobias Stephan vom Eis und ersetzt ihn durch den Elite-Juniorengoalie Noel Bader (19). Noel Bader hat noch nie ein NLA- oder Cupspiel bestritten. Zug gelingt gar noch das 3:2 – doch dann hat der überraschende Goalietausch fatale Folgen. In weniger als drei Minuten (32:12 bis 35:22) fallen drei Treffer zum 6:2. Frage an Trainer Harold Kreis: War der Torhüterwechsel zur «Halbzeit» im Voraus abgesprochen? «Nein, eigentlich nicht. Ich wollte mal den Spielverlauf abwarten.»

Aber warum dann der Wechsel ausgerechnet in dem Augenblick, in dem sein Team das Momentum zurückgewonnen hatte? «Na ja, wir verloren in den Playoffs gegen Davos Tobias Stephan während des Spiels durch eine Verletzung. Diese Situation wollte ich üben. Die Mannschaft darf sich durch so einen Wechsel nicht durcheinanderbringen lassen.»

«So etwas wie Ferienstimmung»

Wer das Qualifikationsspiel vom letzten Freitag zwischen diesen beiden Teams gesehen hatte (Zug gewann 3:0), rieb sich gestern verwundert die Augen: waren das die gleichen Spieler? Wo war die spielerische Herrlichkeit eines Lino Martschini, Josh Holden oder Jarkko Immonen? Wie kann es sein, dass eine Mannschaft in ein paar Tagen so zerfällt? Wäre es ein Meisterschaftsspiel gewesen, dann müssten man jetzt Alarm schlagen. Oder vielleicht einen Spieleraufstand vermuten.

Aber es war einfach nur ein Cupspiel. Sportchef Reto Kläy hat eine durchaus plausible Erklärung. «Wir haben erst am 13. November das nächste Meisterschaftsspiel. Ich habe das Gefühl, dass sich nach dem letzten Spiel in Genf schon so etwas wie Ferienstimmung breitgemacht hat.» Frage an Harold Kreis: Haben seine Jungs die Partie nicht ernst genommen? «Nein, diesen Vorwurf können wir niemandem machen. Es fehlte halt im Vergleich zur Partie vom letzten Freitag die Brisanz.»

Oder anders gesagt: Am letzten Freitag beim 3:0 gegen den SCB war Meisterschaft. Das zählt. Gestern war «Göpp». Das zählt nicht. Diese erste Niederlage in Bern seit dem 29. November 2013 erlöst die Zuger nun vom Cup-Wettbewerb und weiteren Peinlichkeiten. Sie sind deshalb gestern trotz einer Niederlage guten Mutes wieder nach Zug heimgereist.

KLAUS ZAUGG, BERN

Schweizer Cup. Achtelfinals: Bern - Zug 8:3 (2:0, 4:2, 2:1). Biel - Geneve-Servette 3:2 (1:0, 1:1, 0:1, 1:0) n. V. Rapperswil-Jona Lakers (NLB) - Lugano 3:2 (0:1, 1:0, 2:1). Ajoie (NLB) - Kloten Flyers 3:4 (1:0, 0:2, 2:2). Dübendorf (1. Liga) - Visp (NLB) 2:7 (1:4, 0:1, 1:2).

Heute, 19.45: La Chaux-de-Fonds - Ambri-Piotta. Lausanne - Fribourg-Gottéron. ZSC Lions - SCL Tigers.

Bern - Zug 8:3 (2:0, 4:2, 2:1)

13 856 Zuschauer. - SR Vinnerborg/Wehrli, Espinoza/Kaderli.

Tore: 10. Pascal Berger (Plüss, Gerber) 1:0. 18. Müller 2:0. 26. Gerber (Untersander, Pascal Berger) 3:0. 27. Suri (Holden/Ausschluss Erni!) 3:1. 30. Schnyder (Immonen, Lammer) 3:2. 33. Plüss (Pascal Berger) 4:2. 34. Helbling (Plüss, Moser/Ausschluss Senteler) 5:2. 36. Scherwey (Conacher) 6:2. 42. Roy (Scherwey, Smith/Strafe angezeigt)) 7:2. 59. Smith (Alain Berger) 8:2. 59. Suri (Ausschluss Reichert) 8:3.

Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Bern, 3-mal 2 Minuten gegen Zug.

Bemerkungen: 30. (29:27) Bader ersetzt bei Zug Torhüter Stephan.