EISHOCKEY: «Diese Niederlage tut jetzt noch weh»

EVZ-CEO Patrick Lengwiler spricht im grossen Interview über die forsche Expansion seines Unternehmens, über die geplante Nachwuchs-Academy – und er adelt den Trainerstab.

Nicola Berger
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«Wir wollen aus eigener Kraft mehr Mittel für den EVZ erarbeiten.» Patrick Lengwiler, CEO EV Zug (Bild: Archiv Neue ZZ)

«Wir wollen aus eigener Kraft mehr Mittel für den EVZ erarbeiten.» Patrick Lengwiler, CEO EV Zug (Bild: Archiv Neue ZZ)

Zum 1. Mai 2012 stieg Patrick Lengwiler beim EV Zug vom Sportchef zum CEO auf. Innerhalb eines Kalenderjahrs hat der Manager seinen Klub modernisiert, er hat Projekte angeschoben – und er hat dafür gesorgt, dass das wirtschaftliche Ergebnis des EVZ weniger stark von Erfolg oder Misserfolg im sportlichen Bereich beeinflusst wird. Lengwiler gab bei seinem Amtsantritt bekannt, dass der SC Bern – an welchem die Zuger am Ostermontag im Playoff-Halbfinal scheiterten – als grosses Vorbild für den EVZ diene. Der SCB ist mit etlichen Beteiligungen und Restaurants längst mehr als ein reines Sportunternehmen. In Zug geht die Entwicklung in eine ähnliche Richtung: Mitte Februar übernahm der EVZ mit dem «Pier 41» einen Gastronomiebetrieb an bester Lage nahe dem Zuger Bahnhof. Im Mai folgt das Restaurant Kreuz in Oberwil. Mit der Expansion im Gastronomiebereich wird das Umsatzvolumen des EVZ im kommenden Geschäftsjahr auf einen Rekordstand von 24 Millionen Franken klettern. In der letzten Spielzeit im alten Hertistadion (2009/10) hatte der Umsatz noch 13 Millionen betragen.

Die Stelle des CEO schuf der Verwaltungsrat auch darum neu, weil die strategische und perspektivische Ausrichtung des Vereins zuvor brachgelegen hatte – auch sportlich. Auch hier gibt Lengwiler den Ton an. Er definiert den EVZ als Ausbildungsverein – und positioniert den Klub auch so. 2014 soll das Mammutprojekt «EVZ-Academy» starten, mit welchem die bereits jetzt ausgezeichnete Nachwuchsarbeit weiter verfeinert werden soll.

Patrick Lengwiler, welches Saisonfazit ziehen Sie jetzt, mit etwas Abstand?

Patrick Lengwiler: Die Niederlage im siebten Spiel gegen Bern hat stark an mir genagt, und tut es auch jetzt noch. Das Aus war bitter, denn der SCB wäre zu packen gewesen. Aber nichtsdestotrotz war es eine tolle Saison. Der Trainerstaff mit Doug Shedden, Waltteri Immonen und Konditionstrainer Mike Slongo haben hervorragende Arbeit geleistet. Wir haben unser Image im ganzen Land verbessert.

Wie kommen Sie zu diesem Schluss?

Lengwiler: Wir haben enorm viele positive Rückmeldungen erhalten. In der Phase mit den Lockout-Spielern um Henrik Zetterberg waren wir eine Attraktion. Und danach gewannen wir viele Sympathien, weil unsere junge Mannschaft ebenso attraktiv wie erfolgreich gespielt hat.

Resultiert aus der gesteigerten Beliebtheit eine Spengler-Cup-Teilnahme?

Lengwiler: Für 2013 kann ich das ausschliessen, es gibt und gab auch keine Anfrage. Was die Zukunft bringt, werden wir sehen.

Der EVZ wächst und wächst, der Etat der ersten Mannschaft musste auf diese Saison aber sogar gekürzt werden. Wie passt das zusammen?

Lengwiler: Wenn man etwas aufbaut, muss man zuerst Geld investieren. Das war bei der Infrastruktur der Bossard-Arena so, und das ist es jetzt auch bei unseren Gastronomiebetrieben. Aber es ist ganz klar, dass das Eishockey unser Kerngeschäft ist und bleiben wird. Alles, was wir machen, geschieht aus dem Antrieb heraus, die erste Mannschaft stärken zu wollen. Wir wollen aus eigener Kraft mehr Mittel für den EVZ erarbeiten. Die Öffentlichkeit vergisst gern, dass wohl der Platz Zug sehr finanzstark ist, nicht damit aber gleich auch der EVZ. Wenn man sich die Lohnkosten in der NLA ansieht, liegen wir auf dem siebten oder achten Platz. Das zwingt uns, besser und effizienter zu arbeiten als die Konkurrenz. Wir dürfen uns auch weniger Fehler erlauben.

Mit dem Umsatz steigt auch das Personalvolumen. Wie stark hat sich der EVZ in den letzten Jahren verändert?

Lengwiler: Wir sind nicht mehr dieser kleine Verein, in welchem jeder jeden kennt. Daran mussten sich die Leute teilweise erst gewöhnen. Die Realität ist: An Spieltagen stehen bis zu 180 Leute für uns im Einsatz.

Steigt das Budget fürs Profi-Team im Hinblick auf die Saison 2013/14?

Lengwiler: Wir werden ein bisschen mehr in die Mannschaft investieren können, wenn sich auf dem Transfermarkt etwas Sinnvolles ergibt.

Inwiefern hilft es, dass die Bossard-Arena mit Events immer besser ausgelastet ist?

Lengwiler: Das ist für uns von hoher Wichtigkeit. Wir suchen noch immer unsere Rolle. Sind öffentliche Veranstaltungen besser? Oder doch Firmenanlässe? Da fehlen uns noch die Erfahrungswerte.

Auf wie viele Jahre hinaus sind die Gastronomieprojekte angelegt?

Lengwiler: Die Pachtverträge laufen über mehrere Jahre.

Ist eine weitere Expansion geplant?

Lengwiler: Wir wollen gesund wachsen und übernehmen nur Betriebe, welche wir auch Gewinn bringend führen können. Diese Betriebe muss man erst einmal finden. Zuerst wollen wir jetzt die beiden übernommenen Betriebe erfolgreich meistern, dann sehen wir weiter. Im Moment ist nichts anderes geplant.

2014 soll das Grossprojekt «EVZ-Academy» starten. Klappt das?

Lengwiler: Im Herbst wird sich zeigen, ob wir den Zeitplan einhalten und 2014 beginnen können. Ein solches Projekt erfordert sehr viel Vorlaufzeit. Wir müssen das Budget absichern, Rahmenbedingungen definieren, Ausbildungsplätze und Unterkünfte suchen. Geplant ist auch ein Athletikzentrum. Wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen.

Was wird die Academy kosten?

Lengwiler: Im Vollbetrieb soll sie 30 Athleten umfassen. Wir rechnen mit jährlichen Fixkosten von etwa 50 000 Franken pro Spieler.

Also 1,5 Millionen.

Lengwiler: Ja, aber einen Teil davon bezahlen wir heute schon. Momentan geben wir für die Nachwuchsabteilung rund 1,4 Millionen Franken aus. Mit der Academy wären es ungefähr 2,5 Millionen.

Gibt es dafür genügend Sponsoren?

Lengwiler: Es gibt positive Rückmeldungen, aber es bleibt viel zu tun. Für mich ist klar, dass die Academy den Bereich Profisport finanziell nicht tangieren darf. Wir müssen hierfür neue Gelder erwirtschaften können. Was die Finanzen angeht, muss man auch sehen, dass es dank der Academy irgendwann Rückläufe geben wird. Jeder NLA- und NLB-Verein muss für seine Spieler Ausbildungsentschädigungen (bis zu 60 000 Franken pro Saison, die Red.) bezahlen. Wenn wir viele Spieler ausbilden, erhalten wir Beträge von anderen Klubs. Und müssen selber weniger bezahlen.

Ist die Academy eine Abkehr vom Breitensport-Gedanken?

Lengwiler: Überhaupt nicht. Die Selektion, ob es in Richtung Leistungs- oder eben Breitensport geht, findet bei uns auf der Mini-Stufe statt (mit 15 Jahren, die Red.). Das soll so bleiben.

Wie stark schätzen Sie den EVZ-Nachwuchs in der nationalen Konkurrenz derzeit ein?

Lengwiler: Wir sind vorne dabei. Bern und Zürich sind uns vielleicht noch eine Nasenlänge voraus. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir in einigen Bereichen noch effizienter arbeiten und die Spieler besser fördern können. Darum ist mir die Academy so ein grosses Anliegen.

Wenn der EVZ so viel Geld in den Nachwuchs investiert: Gibt es dann auch Überlegungen, das Spielsystem des Fanionteams im Nachwuchs flächendeckend zu verwenden?

Lengwiler: Die gibt es. Wir müssen unseren jungen Spielern den Übertritt in die erste Mannschaft doch so weit wie nur möglich erleichtern. In einer perfekten Welt spielen unsere Elite-Junioren gleich wie das Profiteam.

Was erhoffen Sie sich von der Academy sportlich?

Lengwiler: Lino Martschini oder Nolan Diem haben in dieser Saison doch gezeigt, wie es sich auszahlen kann, wenn man über tolle Talente verfügt. Die Zuschauer freuen sich über solche Figuren, sie identifizieren sich mit diesen Spielern. Und klar ist: Mit der Academy wird der EVZ in Zukunft keine Spieler für die dritte und vierte Linie mehr extern rekrutieren.

Für die Verjüngungskur der letzten Jahre musste der EVZ auch schon harsche Kritik einstecken.

Lengwiler: Das ist normal, es sind nie alle zufrieden. Der Erfolg hat uns zuletzt Recht gegeben, und die grosse Mehrheit der Zuschauer freut sich schon jetzt auf die nächste Saison.