EISHOCKEY: Dreht sich der EVZ im Kreis?

Warum der EVZ in der Playoff-Viertelfinalserie auf kürzestem Weg ausgeschieden ist, wissen sie in der Führung mittlerweile. Mit den Konsequenzen scheinen sie sich indes schwerer zu tun.

Andreas Ineichen
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EVZ-Sportchef Reto Kläy: «Wir konnten unser Spiel vor beiden Toren zu wenig durchsetzen.» (Archivbild Stefan Kaiser)

EVZ-Sportchef Reto Kläy: «Wir konnten unser Spiel vor beiden Toren zu wenig durchsetzen.» (Archivbild Stefan Kaiser)

Andreas Ineichen

Vor einer Woche haben die Zuger ihre Ambitionen im Kampf um die Meisterschaft in Lugano beendet, mit vier Niederlagen in Serie und einer riesigen Enttäuschung. Nach zwei Tage dauernden Einzelgesprächen, die ohne Missmut in den Gesichtern der Spieler und ohne Zuknallen der Türe in der Geschäftsstelle abliefen, trafen sich am Dienstagabend die Verantwortlichen. Am Tisch dabei: Präsident Hans-Peter Strebel, CEO Patrick Lengwiler, Sportchef Reto Kläy, Trainer Harold Kreis und sein Assistent Waltteri Immonen.

Gestern war Kläy bereit, über die Erkenntnisse zu reden, die zum sang- und klanglosen Ausscheiden der Zuger führten – aber keinesfalls über die daraus abzuleitenden Massnahmen.

Von einem Dokument las er die Gründe ab, die für die Fans und den Chronisten kaum Erkenntnisgewinn bringen: «Wir hatten zu viele individuelle Fehler im Spiel. Wir hatten nicht die mentale und physische Härte. Wir konnten unser Spiel vor beiden Toren zu wenig durchsetzen. Unsere Effizienz in der Chancenauswertung war mangelhaft. Unsere Leistungsträger waren nicht in der Lage, in den zweiten Gang zu schalten.»

Die Rolle des Präsidenten

Kein Schelm, der behauptet: Für diese Erkenntnisse hätte es keine Rücksprache mit den Spielern gebraucht – darauf wären auch Trainer Harold Kreis, der Sportchef und der CEO mit ihrer Fachkompetenz und Erfahrung alleine gekommen. Darum nochmals die Frage an Kläy: Wann werden die notwendigen Massnahmen kommuniziert? Heute? Morgen? Nächste Woche? Schliesslich hat Kläy selber festgestellt, dass man ein Zeichen setzen müsse. Gestern wand er sich allerdings um eine konkrete Antwort: «Das kann ich jetzt nicht sagen. Wir werden es schon kommunizieren, wenn es etwas zu sagen gibt.»

Das heisst wahrscheinlich: Es gibt nichts zu sagen, weil noch darum gerungen wird, was es zu sagen gibt. Eine Woche später fühlt sich die Schmach nicht mehr so schlimm an, und Hans-Peter Strebel, seit letztem Oktober Präsident des NLA-Vereins, ist zwar ein vermögender Mann, aber einer der leisen und einfühlsamen Töne. Quasi der Gegenentwurf eines Patriarchen, wie es der legendäre Fredy Egli (1989 bis 1999 Präsident des EV Zug) war.

Zugs Playoff nach den Playoffs

Vielleicht fehlt Strebel bloss die Erfahrung, zu erkennen, dass er mit Gutmütigkeit im harten Profi-Geschäft Gefahr läuft, das Leistungsprimat zu unterlaufen. Frei nach dem Motto: Lieber in Minne verlieren als im Unfrieden zu siegen.

Gerade für Harold Kreis, der am ersten Tag der Aufarbeitung des Playoff-Debakels im EVZ als Trainer bestätigt worden ist (Vertrag bis 2017), mag eine unmittelbare Zukunft ohne personelle Konsequenzen das schnelle Ende in der nächsten Qualifikation sein: Ihm fehlte nicht nur Autorität, sondern nach den Enttäuschungen in den letzten beiden Playoff-Serien auch die Glaubwürdigkeit in der Garderobe.

Ohne personelle Konsequenzen riskiert der EVZ eine weitere verlorene Saison. Ob die zahlende Kundschaft das so goutiert? Bei den Zugern scheint das Playoff nach den ernüchternden Playoffs angebrochen zu sein.