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EISHOCKEY: Ein Auslaufmodell mit Zukunft

Verteidiger Johann Morant galt als Relikt der Vergangenheit, als Auslaufmodell. Doch der Franzose hat in Zug eine Nische gefunden – sein Vertrag wird in den nächsten Tagen verlängert.
Zugs Johann Morant (rechts) langt gegen Genfs Noah Rod kräftig zu. (Bild: EQ/Robert Hradil)

Zugs Johann Morant (rechts) langt gegen Genfs Noah Rod kräftig zu. (Bild: EQ/Robert Hradil)

Nicola Berger

Es ist später Samstagabend, nach 22.30 Uhr, als Harold Kreis (56) in der Bossard-Arena zu den Journalisten spricht. Der EVZ-Coach wird unter anderem gebeten, sich zu Johann Morant (29) zu äussern, zu seinem stämmigen Verteidiger, der sich im soeben verlorenen Duell mit dem SC Bern (5:6) eine Prügelei mit Sean Bergenheim geliefert hatte. Kreis sagt: «Unser Team hat viele Qualitäten, aber es fehlt an Masse. Darum ist Johann als physische Präsenz so wichtig für uns, er verschafft uns beim Gegner Respekt.»

Es sind warme Worte, die der deutschkanadische Trainer da wählt – und bei Morant ist das keine Selbstverständlichkeit. Der einflussreiche ZSC-CEO Peter Zahner apostrophierte ihn einst als «Mann mit nur einer Hirnzelle»; und noch im September wurde Morant vom «Blick» als «Neandertaler» betitelt.

Der Mahnfinger des Sportchefs

Unmittelbar nach dem ersten Meisterschaftsheimspiel war das gewesen, einem 1:4 gegen Davos, als Morant dem HCD-Angreifer Grégory Sciaroni die Faust an den Hinterkopf gedonnert hatte. Für die sehr dümmliche Aktion wurde der Verteidiger intern zur Räson gebracht, der Sportchef Reto Kläy mahnte ihn mit Nachdruck zur Disziplin, weil schnell zur Hypothek werden kann, wer wie Morant die Grenzen des Erlaubten chronisch auslotet.

Ein Lob für die Disziplin

Wer sich die NLA-Strafenliste veranschaulicht, könnte zu diesem Schluss kommen: dass die Predigt des Managers ihre Wirkung verfehlt hat. Denn mit 88 Strafminuten ist Morant der meistbestrafte Spieler der Liga. Und doch lobt der Trainer Kreis ausgerechnet die Beherrschtheit seines Schützlings, wenn er sagt: «Morant spielt sehr diszipliniert, er weiss inzwischen genau, wann er eingreifen muss.»

Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, ist korrekt: Mit Ausnahme der Partie gegen den HC Davos hat Johann Morant seinem Team nie geschadet; das hohe Strafentotal rührt aus drei Spieldauer-Disziplinarstrafen, von denen eine nachträglich gestrichen wurde. Die Anzahl an Zweiminutenstrafen beträgt nach 27 Einsätzen deren vier.

Erstaunlich wenige Fehler

Das ist wenig für einen Mann, dem der Ruf vorauseilte, dass der Faustkampf seine einzige Qualität sei, weil unbeweglich und frei von Spielintelligenz.

Dieses Bild wird seit vielen Jahren gezeichnet, von Medien und Fans, seit Morants Eintritt in die NLA von 2011 eigentlich. Natürlich hat die in Ajoie ausgebildete Abwehrkraft dieses Image selbst zu verantworten – so viele Sperren, so manche Unbedachtheit –, aber hinter der Fassade des gnadenlosen Rächers steckt, und das wird vergessen, ein solider Verteidiger. Es wäre falsch, würde man die Bedeutung Morants für die Defensive des EV Zug überbewerten, weil er fraglos limitiert ist, gerade spielerisch.

Aber Morant hat sich im dritten Abwehrpaar neben Santeri Alatalo etablieren können, spielt regelmässig Boxplay und macht erstaunlich wenige Fehler.

Als solider Ergänzungsspieler und Beschützer für die fragilen Zuger Offensivkünstler wie Pierre-Marc Bouchard oder Lino Martschini hat sich der im Frühling 2013 auf Geheiss des (kurz darauf geschassten) Trainers Doug Shedden verpflichtete Johann Morant in Zug eine Nische geschaffen – und er wird diese auf Sicht weiter bewirtschaften.

Hans Kossmann hätte ihn gerne nach Ambri geholt, doch Morant wird seinen auslaufenden Vertrag im EVZ in den nächsten Tagen verlängern – er ist nicht mehr Auslaufmodell, sondern Teil der Zuger Zukunft.

NLA-Strafenliste

1. Johann Morant (Zug) 88 Strafminuten

2. Christopher Rivera (Gottéron) 72 Minuten

3. Beat Forster (Davos) 66 Minuten

4. Jan Brecjaks (Davos) 63 Minuten

5. Alessandro Chiesa (Lugano) 62 Minuten

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