EISHOCKEY: Ein paar Prozent Hoffnung

Die schlechte Nachricht für Zug: Nur 3 von insgesamt 43 Playoff-Duellen wurden nach einem 0:3 nach Siegen noch gedreht. Die gute: Zug-Trainer Harold Kreis weiss, wie dieses Kunststück gelingt.

Andreas Ineichen
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Spielt momentan nicht sein bestes Hockey: Der Zuger Reto Suri (oben) gegen Luganos Riccardo Sartori. (Bild: Freshfocus/Daniela Frutiger)

Spielt momentan nicht sein bestes Hockey: Der Zuger Reto Suri (oben) gegen Luganos Riccardo Sartori. (Bild: Freshfocus/Daniela Frutiger)

Es ist halb zwölf, Mittwochmittag, und für den gut aufgelegten Harold Kreis scheint es nicht gerade opportun, den eigenen Meriten in seiner Karriere eine Wichtigkeit zu verleihen. «Ach, wissen Sie, das ist schon lange her, dafür gibt es kein Rezept, jede Situation ist anders und speziell», sagt der 57-jährige Zug-Trainer zur Tatsache, dass er, seit die NLA-Playoffs im Best-of-7-Modus (1997/98) ausgetragen werden, ein Repräsentant eines erlauchten Trios ist, das weiss, wie man eine Serie nach einem scheinbar aussichtslosen 0:3 nach Siegen noch in ein 4:3 verwandelt.

Kreis war sogar der Trendsetter, der erste überhaupt, dem dies vor zehn Jahren im Viertelfinal mit Lugano gegen Ambri gelang. Er ersetzte Larry Huras nach der zweiten Niederlage, verlor ein drittes Mal, ehe die Reise erst mit dem Gewinn des siebten Meistertitels für Lugano zu Ende ging.

Die weiteren Trainer, die in höchster Not einen Weg zum Gewinn der Serie gefunden haben, heissen Sean Simpson (2006/07 mit Zug über Rapperswil) und Arno Del Curto (2007/08 mit Davos über Zug). Erst drei von insgesamt 43 Playoff-Duellen sind nach einem 0:3 noch gewendet worden, alle in den Viertelfinals, und das sind genau 6,97 Prozent.

Der Glaube kann Berge versetzen

Die Statistik mag die Hoffnung darauf, dass der EV Zug gegen Lugano (heute 19.45, Resega) nicht zum zweiten Mal in Folge in den Playoff-Viertelfinals ausscheidet, nicht wirklich befeuern, zumal es einige nicht eben verheissungsvolle Tendenzen gibt: Zugs Leistungen sind bisher mit Fortdauer der Serie schlechter geworden, Lugano ist im Angriff gefährlicher und in der Verteidigung stabiler, und der Gegner stellt bislang auch den besseren Goalie.

Doch was sind denn überhaupt die wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass eine Serie mit vier Siegen in Folge noch gedreht werden kann? Darauf hat Kreis eine pathetische Antwort: «Der Glaube des Trainers und der Glaube des Teams sind entscheidend, und dann muss man das Glück mit harter Arbeit auf seine Seite zwingen.»

Tönt einfach, so gar nicht nach Hokuspokus. Kreis sagt nach dem 2:5 vom Dienstagabend, nach dem bisher klarsten Verdikt, dass die Zeit zu reden jetzt vorbei sei. «Jetzt ist die Zeit zum Handeln, Hockey ist Machen, mit Leidenschaft, mit Überzeugung. Ich weiss, dass die Mannschaft das kann.»

Aber wissen das seine Spieler auch?

Reto Suri, einer der Zuger Nationalspieler, ist als Leistungsträger eigentlich dazu da, etwas zu bewegen. Aber mit einem Assist und einer Minus-2-Bilanz in drei Playoff-Spielen ist er weit von dem Bild entfernt, das sich von der Silber-WM 2013 ins Gedächtnis eingebrannt hat. Von einem entrückt jubelnden Suri mit ausgestreckten Armen, von einem Sinnbild des Erfolgs. Er gibt zu: «Momentan spiele ich nicht mein bestes Hockey.»

Aber diese Einschätzung trifft mit Bestimmtheit auf alle zu, die das Zuger Dress tragen. Das mag Suri kaum ein Trost sein, aber so hoffnungslos, wie die Lage scheint, ist sie laut dem Stürmer nicht. Er hält fest: «Wir waren in keinem der drei bisherigen Playoff-Duellen gegen Lugano chancenlos. Unsere eigenen Fehler haben zu den Niederlagen geführt. Wir wissen, was wir besser machen müssen, und das stimmt mich zuversichtlich.»

Die Unterschiede zu Lugano

Für Suri sind die «special teams», also die Phasen mit mindestens einem Mann mehr oder weniger auf dem Eis, ein deutlicher Minuspunkt aus Sicht der Zuger. Und Lugano, nennt er einen weiteren Unterschied, sei ein schnelles und talentiertes Team, das praktisch jeden Fehler gnadenlos bestrafe. «Wir zahlen derzeit einen hohen Preis für unsere Defizite. Und wenn es nicht läuft, tendieren wir dazu, hinten noch aufzumachen.» Das sei, gibt Suri zu verstehen, ein zu hohes Risiko, deshalb entstünden die gegnerischen Gegenstösse.

Im Lager der Zuger beschwört man indes den Glauben daran, dass die Mannschaft noch immer auf eine ungenügende Phase im Verlauf der Saison habe reagieren können. Wird der Beweis heute erneut angetreten, wäre das zumindest ein Anfang.

Die nächsten Spiele

Heute, 19.45: Lugano - Zug, Kloten Flyers - Davos. – 20.15: Bern - ZSC Lions (SRF info). Fribourg-Gottéron - Genève-Servette (RTS 2).