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EISHOCKEY: «Eine hundsgemeine Frage»

Zug hat sich auf diese Saison hin neu erfunden und gehört zu einem illustren Trio, das sich an der Spitze der NLA abgesetzt hat. Trainer Harold Kreis (57) über Belastung und Rekrutierung eines fünften Ausländers.
Andreas Ineichen
EVZ-Trainer Harold Kreis ist mit der bisherigen Saison zufrieden: «Wir stellen ein Team, das für die Konkurrenz wirklich hart zu bespielen ist.» Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zürich, 18. Oktober 2016)

EVZ-Trainer Harold Kreis ist mit der bisherigen Saison zufrieden: «Wir stellen ein Team, das für die Konkurrenz wirklich hart zu bespielen ist.» Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zürich, 18. Oktober 2016)

Harold Kreis, wie viel von dem, was in Ihrer Mannschaft steckt, wird derzeit ausgeschöpft?

Das ist schwer einzuschätzen. Wenn man sagt, es liege noch einiges drin beim Einsatz und beim Kampf, tut man der Mannschaft Unrecht. Vor dem Spiel gegen Genf hatten wir gewiss noch Potenzial im Powerplay, weil wir es oft zu kompliziert spielten. Jetzt haben wir mehr geschossen, und es funktionierte.

Man darf also getrost behaupten, dass Sie sehr viel herausholen aus Ihrem Team.

Das ist so. Wir bewegen uns stets nahe am Limit, bei gut 95 Prozent, was an Einsatz drinliegt. Aber ohne vollen Einsatz geht es bei uns nicht. Andere Teams beschäftigen drei, vier Einzelspieler, die entscheidend sind fürs sportliche Wohl, derweil sich die anderen etwas zurücknehmen können.

Die Saison ist lang. Wie lange kann das gut gehen mit dem EVZ?

Die Meisterschaft ist ja kein Wunschkonzert, und mir ist ein Team lieber, das bereit ist, an sein Limit zu gehen, und es zwischendurch ausreizt, als eines, das seine Grenzen nicht kennt. Für mich hatte das Spiel gegen Servette Playoff-Charakter. Der Gegner versuchte uns mit Intensität und ruppiger Gangart aus dem Konzept zu werfen. Die Strafe, die Samuel Erni vor dem 1:1 genommen hatte, war keine zwingende, und als die Spieler sich fürs zweite Drittel bereit machten, habe ich ihnen gesagt, dass die Provokationen kommen würden und sie sich jetzt schon überlegen sollten, wie sie richtig darauf reagieren können. Wir haben alles gut überstanden, weil wir einen klaren Kopf behielten. Auch wenn man zugeben muss, dass die eine oder andere Strafe im weiteren Verlauf nicht nötig war.

Wenn Sie Ihr Gefühl hinsichtlich der Playoffs mit jenem vor genau einem Jahr vergleichen: Ist es besser?

Das Gefühl ist gut, aber nicht anders als vor einem Jahr. Vielleicht kann man sagen, dass es dem Gegner nicht mehr gelingt, unsere Offensive in Schach zu halten, weil sich ein David McIntyre und ein Carl Klingberg nicht von ihrem Spiel abbringen lassen, wer auch immer auf der anderen Seite steht. Unsere Ausgeglichenheit und unsere mannschaftliche Geschlossenheit zeichnen uns aus, dazu kommt, dass wir alle zusammen nach vorne und nach hinten arbeiten. Wir stellen ein Team, das für die Konkurrenz wirklich hart zu bespielen ist.

Sie selber und Ihr Assistent Waltteri Immonen waren während der Aktivzeit herausragende Verteidiger. Kann man sagen, dass die aktuelle Mannschaft dem Trainerduo besser entspricht?

So weit würde ich mich jetzt nicht herauslehnen. Wir haben vor Saisonbeginn deutlich gemacht, dass wir unsere Offensive anders auslegen müssen, weniger spielerisch, sondern vielmehr mit direktem Zug aufs Tor, mit Druck und physischer Härte. Das war nicht nur für den Betrachter eine Umstellung, sondern auch ein Prozess fürs Team. Wenn wir das im Training vielleicht mal für zehn Tage ausser Acht lassen, weil der Fokus auf etwas anderem liegt, fällt uns auf, dass dem gegnerischen Goalie schnell zu viel Sicht gelassen wird, weil wir zu wenig präsent sind vor dem gegnerischen Tor. Man kann vielleicht sagen, dass die aktuelle Spielweise zu Waltteri Immonen und mir passt. Jetzt hat sie aber auch das Team angenommen. Es erfordert schon etwas Mut und Härte, da vorne vor dem Goalie reinzufahren und seinen Platz zu behaupten, und es braucht noch etwas Zeit in diesem Prozess, dass die Spieler das wie selbstverständlich machen.

Das Gefüge in der Mannschaft funktioniert, die Spieler arbeiten füreinander. Macht es das nicht umso schwieriger, einen fünften Ausländer zu finden, der da uneigennützig reinpasst?

Ja, das ist schon richtig. Es muss der richtige sein, der zum Team passt, und nicht irgendeiner. Der Neue muss bereit sein, sich zurückzunehmen und fürs Team zu arbeiten.

Und genau solche Spieler sind eine Rarität auf dem Markt. Wie wollen Sie den richtigen erkennen?

Es ist ein Restrisiko da, ganz bestimmt, und es ist ein längerer Prozess der Entscheidung. Das Gute an unserer Situation ist, dass wir nicht unter Zugzwang stehen. Wir müssen also nicht zuschlagen, weil wir Hunger haben, und ins nächstbeste Restaurant eilen, das sich letztlich als ungeniessbar und teuer herausstellt.

Die Spielweise des EVZ ist eine Kräfte raubende. Was machen Sie, um den Energiehaushalt der Spieler im Lot zu halten?

Wir werden Fabio Haller für Tobias Stephan ins Tor stellen, wenn die nächsten Gegner nicht gerade ZSC Lions oder HC Davos heissen. Zudem sind die Trainingseinheiten an einem Samstag freiwillig, wenn wir am Abend davor gespielt haben. Das nutzen vor allem die erfahreneren Spieler zur Regeneration. Auch am Tag nach einem Dienstagsspiel ist entweder ein leichtes Training auf dem Eis oder gar eine Officeeinheit angesagt. So wollen wir die Belastung steuern.

Auch die ziemlich kurz gehaltenen Einsätze der Linien in einem Spiel fallen auf.

Das ist eine weitere wichtige Massnahme. Zudem werden Jarkko Immonen und Josh Holden im Unterzahlspiel kaum mehr eingesetzt. Wir müssen die Belastungen verteilen, ob im Power- oder im Boxplay. So weiss jeder Spieler auf der Bank, dass er eine wichtige Rolle im Team hat.

Und so erhält jeder Spieler eine Wichtigkeit und eine Wertschätzung.

Das kann man so ausdrücken.

Das trifft auf alle im EVZ zu – nur nicht auf den Trainer, oder?

Das ist eine hundsgemeine Frage (lacht laut). Wissen Sie: Die Klubführung hat sich für den Weg entschieden, dass sie mit dem Coaching-Staff und den Ausländern erst nach den Playoffs verhandeln will. Das kann ich so respektieren. Entscheidend ist: Es beeinträchtigt unsere Arbeit nicht.

Interview: Andreas Ineichenandreas.ineichen@luzernerzeitung.ch

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