EISHOCKEY: Er will ohne Brechstange starten

Machtwechsel im EV Zug: Der Multimillionär Hans-Peter Strebel übernimmt im Herbst das Präsidentenamt von Roland Staerkle.

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Das ist der kommende Chef beim EV Zug: Hans-Peter Strebel möchte eine Umgebung schaffen, die den Titelgewinn möglich macht. (Bild: Werner Schelbert)

Das ist der kommende Chef beim EV Zug: Hans-Peter Strebel möchte eine Umgebung schaffen, die den Titelgewinn möglich macht. (Bild: Werner Schelbert)

Nicola Berger

Keine Blumen wolle er zum Abschied, und auch keinen Wein sondern bitteschön den Meistertitel. Mit diesen Worten und einem Augenzwinkern überbrachte Präsident Roland Staerk­le (54, Bild) gestern der EVZ-Equipe die Nachricht, dass er nach neun Jahren an der Spitze aus dem Verein scheiden wird.

Mit Staerkle tritt jener Mann ab, welcher den EVZ in die Moderne geführt hatte. Unter seiner Ägide wurde der Verein neu organisiert und durchlief den Wechsel von der alten Hertihalle in den pompösen Neubau «Bossard-Arena». Nicht ohne Stolz sagt Staerkle: «Ich übergebe einen gesunden, schuldenfreien Verein.»

Seinen Nachfolger hat Staerkle in den letzten Jahren selber an den Klub herangeführt. Es handelt sich um den Aargauer Hans-Peter Strebel (66), einen promovierten Apotheker und Doktor der Naturwissenschaften. Strebel ist aktuell der Vizepräsident, er sitzt seit vier Jahren im Verwaltungsrat und firmiert im EVZ als Mehrheitsaktionär.

Staerkles Besuch im Aargau

Die Männer kennen sich seit vielen Jahren; zum ersten Kontakt kam es 1994, als der damalige Fanbetreuer Staerkle dem Supporter Strebel eine Saisonkarte in dessen Klosterapotheke in Muri AG ablieferte. Die Wege trennten sich, aber kurz vor dem Stadionneubau fand das Duo wieder zusammen, was die Konsequenz hatte, dass es Strebel war, der als Erstes eine Loge in der Bossard-Arena erwarb.

Das Vertrauen wuchs, man konnte Strebel und Staerkle nicht selten gemeinsam an den Spielen beobachten, weshalb es nicht erstaunte, dass der Aargauer bald darauf im Verwaltungsrat Platz nahm. Diesen wird Strebel ab der nächsten Generalversammlung präsidieren, während Staerkle keinerlei Ämter mehr bekleidet. Der scheidende Präsident sagt: «Ich bin sehr glücklich, dass wir eine saubere Lösung gefunden haben. Man wird mich immer noch an EVZ-Spielen antreffen, aber ich freue mich auf ein neues Kapitel und mehr Zeit für Privates.»

Eine Geschichte wie aus 1001 Nacht

Die Frage ist, was sich ändern wird mit dem neuen Steuermann Strebel. Der in Luzern wohnhafte Unternehmer ist ja durchaus vermögend, was er einer Geschichte wie aus 1001 Nacht zu verdanken hat: Ein Patient überliess ihm in den 80er-Jahren ein Pulver zur Untersuchung gemeinsam mit Kollegen fand er im Arzneimittel das Molekül Dimethyl­fumarat. Dieses wird heute für Medikamente gegen die Krankheit Multiple Sklerose (MS) verwendet; Strebel verkaufte seine Firma 2006 für 220 Millionen Franken und wurde Privatier.

Bereits seit seiner Kindheit begeistert Strebel sich für den EVZ; er organisierte einst Carfahrten aus dem Freiamt an die Heimspiele und hat in den letzten Jahren einige Millionen in den Verein gepumpt allein deren drei als Anschubfinanzierung für das Prestige­projekt «The Hockey Academy».

Wird der EVZ unter seinem Regime also finanziell klotzen und versuchen, den ersehnten zweiten Meistertitel mit der Brechstange zu erzwingen? Nein, Strebels Philosophie ist eine andere: «Ich will den EVZ nicht in eine Abhängigkeit zu meiner Person führen, so würde der Klub mit Vollgas in die Wand rasen. Mir geht es um Nachhaltigkeit. Wir wollen Talente einbauen und eine Umgebung schaffen, in der ein Titelgewinn möglich ist. Es ist finanziell nicht tragbar, wenn man seine Spieler immer nur extern einkauft.» Im Umkehrschluss bedeutet das: Der Etat für das EVZ-NLA-Team wird 2015/16 ungefähr im selben Rahmen bleiben wie in der laufenden Saison. Seine Rolle definiert Strebel klassisch unternehmerisch: «Ein Verwaltungsratspräsident ist für die strategische Ausrichtung zuständig. Was die operative Führung des Tagesgeschäfts betrifft, haben wir beim EVZ auf anderen Ebenen sehr viele fähige Leute.»

Sollten diese im Frühjahr den ersten Meistertitel seit 1998 nach Zug bringen die alten Freunde Staerkle und Strebel würden irgendwo in einer Loge auf den Triumph anstossen; es wäre der perfekte Abschluss der Ära Staerkle – und der ideale Start in die Epoche von Hans-Peter Strebel.