EISHOCKEY: EV Zug: Das Leben im Zweifel

Nach einem Viertel der Qualifikation läuft der EV Zug Gefahr, das Playoff zum ersten Mal seit elf Jahren zu verpassen: Die Gründe der Baisse – und die Suche der Zuger nach einem Ausweg.

Nicola Berger
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Der EV Zug ist auf den harten Boden der Tatsachen gestürzt, auch weil die jungen Talente (im Bild Lino Martschini) den Tritt noch nicht gefunden haben. (Bild: Keystone)

Der EV Zug ist auf den harten Boden der Tatsachen gestürzt, auch weil die jungen Talente (im Bild Lino Martschini) den Tritt noch nicht gefunden haben. (Bild: Keystone)

Freitagabend in Kloten. Der EVZ war gegen den lokalen Eishockeyklub gerade 5:7 unterlegen und hat neben dem Spiel auch ein paar Illusionen verloren. Doug Shedden (52), der rührige Zuger Trainer, steht im Kabinengang und sagt: «Wir können noch lange darüber reden, dass wir in der nächsten Saison angreifen werden. Wenn wir absteigen, stehen wir ziemlich dumm da.» Es war eine im Frust gemachte Aussage, aber sie steht für die Zweifel, die den Klub in diesen Tagen beherrschen. Hat diese Mannschaft wirklich genug Qualität fürs Playoff? Oder ist sie zu jung, zu unerfahren, zu schlecht zusammengestellt?

Die Lage ist ernst, ja, aber sie ist in keiner Art und Weise hoffnungslos. Auch wenn es sich für manche vielleicht so anfühlen mag, weil der Sturz auf den Boden der Tatsachen ein harter ist, nachdem das Team in den letzten vier Jahren alle Erwartungen übertraf.

Das Problem bei den Ausländern

Die Zuger Krise, nach fünf Niederlagen in den letzten sechs Spielen ist sie nicht mehr wegzudiskutieren, geht einher mit einer verfehlten Transferpolitik – vorab bei den Ausländern. Und da stehen Sportchef Jakub Horak und Shedden in der Pflicht. Aus dem im Sommer verpflichteten US-Trio Boucher, Schremp und Hutchinson wurde Boucher bereits kaltgestellt, und Schremp und Hutchinson erfüllen die Erwartungen auch nicht. Keinen Vorwurf kann man den Verantwortlichen bloss beim zurückgetretenen und abgereisten Kyle Wellwood machen: Dass der Kanadier nicht einschlagen würde, war nicht abzusehen.

Die Frage ist, welche Lehre die Zuger aus ihren Fehlern ziehen: Gründung einer Transferkommission? In welcher auch der für sein exzellentes Auge für Talente bekannte Elite-Junioren-Coach Leo Schumacher sässe? Sinnvoll wärs.

Aber was die aktuelle Saison betrifft, lässt sich das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen, und gegenseitige Schuldzuweisungen bringen den Klub auch nicht weiter. Denn Probleme hat der EVZ nicht nur punkto Ausländer. Von den verheissungsvollen Talenten wie Martschini, Bertaggia, Diem oder Lammer hat bisher nur Letzterer den Tritt gefunden – und auch er mit Abstrichen. «Es ist nicht gesund, wenn junge Spieler sich ihre Eiszeit nicht erkämpfen müssen, sondern einfach erhalten, weil niemand anders zur Verfügung steht», sagt Shedden – er wiederholt diese Aussage seit mehreren Jahren fast wie ein Mantra.

Tatsächlich ist es ungesund, gibt es im Team keinen Konkurrenzkampf. Shedden ist ja nordamerikanischer Provenienz, und dort wird mit härteren Bandagen um Plätze im Kader gekämpft. Für NLA-Verhältnisse verfügt der EVZ über eine ordentliche Kaderbreite. Sperren (Holden) und Verletzungen (Casutt) würden auch anderen Teams zu schaffen machen.

Handeln – oder doch nicht?

Was tun? Intern wird darüber diskutiert, ob sich der EVZ noch einmal Hilfe von aussen holen sollte. Dass der Verwaltungsrat zögert, der sportlichen Leitung die Verpflichtung eines siebten Ausländers zu bewilligen, ist nach der fürchterlichen bisherigen Ausbeute nachvollziehbar. Die Frage ist aber, was den Klub teurer zu stehen kommt: ein neuer Star (Linus Omark? Hnat Domenichelli?) – oder das Verpassen des Playoffs mit einhergehendem Zuschauerrückgang? Schwierige Kalkulation.

Shedden warnt: «Es wird auch nach Holdens Rückkehr nicht einfach werden, eine Siegesserie zu starten.» Diese Bedenken sind plausibel – und realistischer als das Hirngespinst eines Abstiegs.