EISHOCKEY: EVZ-Abwehr: Gerangel um die Plätze

Im Defensiv­verbund des EV Zug ist für Verteidiger mit Schweizer Pass nur noch eine Planstelle offen. In der Favoritenrolle: der Emmentaler Yannick Blaser (24).

Nicola Berger
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Hat gute Karten in der Hand: EVZ-Verteidiger Yannick Blaser (in Weiss), hier Ende November 2013 gegen Berns Byron Ritchie. (Bild: Photopress/Peter Schneider)

Hat gute Karten in der Hand: EVZ-Verteidiger Yannick Blaser (in Weiss), hier Ende November 2013 gegen Berns Byron Ritchie. (Bild: Photopress/Peter Schneider)

Mit vier Siegen in Serie hat sich der EV Zug innerhalb von einer Woche von den drängendsten Playout-Sorgen befreit. Der Gang in die Abstiegsrunde droht weiterhin, aber der Playout-Final dürfte zwischen Biel und Rapperswil ausgetragen werden.

Während die Zuger in diesen Tagen Morgenluft wittern, laufen hinter den Kulissen die Planungen für die nächste Saison auf Hochtouren. Der EVZ hat sich ja bereits mit drei Nationalspielern verstärkt (Tobias Stephan, Robin Grossmann, Dario Bürgler) und befindet sich mit der Kaderplanung in den letzten Zügen. Gefahndet wird noch nach einem Backup-Goalie, einem Schweizer Verteidiger und drei Ausländern (wohl nach einem Verteidiger und zwei Stürmern). Die grösste Bedeutung kommt den letzteren Vakanzen zuteil – gerade nach den schlimmen Fehlgriffen aus dieser Saison.

Die EVZ-Ausländer sind ja durchs Band nicht gut, aber Andrew Hutchinson führt die Flop-Parade doch mit gutem Abstand an. Am Samstag, beim 3:1 in Ambri, wurde er im Schlussdrittel kaum noch eingesetzt, so ungeschickt hatte er sich zuvor angestellt. Ob der US-Amerikaner die Saison in Zug beendet, ist ungewisser denn je. Zuletzt erkundigte sich ein Verein aus der österreichischen Ebel-Liga nach den Übernahmekonditionen für den ehemaligen NHL-Verteidiger.

Das Interesse an Lombardi

Bei der Rekrutierung der Ausländer für 2014/15 wird sich der Klub wohl Zeit lassen – ausser beim Auserwählten handelt sich um einen derartigen Hochkaräter, dass das Risiko minim wäre. Der Center Matt Lombardi (31, Servette) wäre eine Kraft aus dieser Kategorie, die Zuger haben Interesse. Das nötige Kleingeld könnte der EVZ wohl lockermachen, die Frage ist aber, ob das reicht. Um Lombardi buhlen etliche Klubs in ganz Europa.

Deutlich weniger kostspielig kündigt sich derweil die Besetzung des siebten Schweizer Verteidigers an. Der Bieler Dario Trutmann (21) hat dem EVZ abgesagt oder zumindest die Verhandlungen auf Eis legen lassen – je nachdem, welcher Quelle man Glauben schenken will. Die Chancen, dass er den Weg zurück nach Zug findet, sind jedenfalls gesunken.

Der Profiteur dieser Entwicklung könnte Yannick Blaser heissen. Die Zuger schätzen die physische Komponente im Spiel des früheren U-20-Nationalspielers. Blaser verteilt durchschnittlich am meisten Checks, und er blockiert am meisten Schüsse. Nur: Blaser ist sehr oft verletzt und hat mehrere Knieoperationen hinter sich. Dennoch hat er gute Chancen darauf, den finalen Platz in der Abwehr zu ergattern. Einerseits, weil der Markt wenig hergibt, bis auf Eric-Ray Blum (27, Kloten) vielleicht, aber um den ist ein Bieterwettstreit entbrannt, welchen die Zuger kaum werden für sich entscheiden wollen. Und andererseits, weil Blaser die Nase gegenüber der internen Konkurrenz deutlich vorne hat: Der seit Wochen schwächelnde Ex-Nationalspieler Patrick Fischer (35) war zuletzt gar überzählig und dürfte kaum weiterbeschäftigt werden, auch wenn die Zuger diesen Entscheid noch nicht definitiv gefällt haben.

Wenig Einsätze für Schmuckli

Florian Schmuckli (19) derweil weist hinter Santeri Alatalo (22) zwar die zweitbeste Plus-Minus-Bilanz aller Zuger Verteidiger auf, aber er erhält vom Trainerstab kaum Einsatzchancen. Trainer Doug Shedden bestätigt jedenfalls, dass Blaser sich in der Pole-Position befindet. Er sagt: «Wenn Blaser bis zum Saisonende gesund bleibt, hat er gute Chancen.»

Generell findet der Coach Gefallen an den Zukunftsaussichten seines Teams, gerade was die Abwehr betrifft. Er sagt: «Es ist ein riesiger Vorteil, wenn man einen Top-Goalie hat. Und wenn die Entwicklung von Alatalo so weitergeht, entwickelt er sich bald zum Star.»

Kaderübersicht 2014/15

Tor: Tobias Stephan (29, abgebender Verein: Ser­vette, Vertrag bis: 2017) ?

Abwehr: Santeri Alatalo (23, 2015), Samuel Erni (22, 2015), Robin Grossmann (26, Davos, 2018), Simon Lüthi (27, 2015), Johann Morant (27, Lausanne, 2015), Tim Ramholt (29, 2016).

Angriff: Alessio Bertaggia (20, 2015), Dario Bürgler (26, Davos, 2018), Björn Christen (33, 2015), Nolan Diem (20, 2016), Josh Holden (36, Ka, 2016), Michael Hügli (18, 2015), Dominic Lammer (21, 2015), Lino Martschini (20, 2016), Fabian Schnyder (28, 2017), Reto Suri (24, 2015), Fabian Sutter (31, 2015),

Auslaufende Verträge: Yannick Blaser (24, Abwehr), Nico Dünner (19, Angriff), Robbie Earl (28, Angriff, in Rapperswil bis 2016 unter Vertrag), Patrick Fischer (35, Abwehr), Gian-Luca Hauser (19, Tor), Andrew Hutchinson (33, USA, Abwehr), Eero Kilpeläinen (28, Tor), Robin Kuonen (19, Tor), Mike Küng (19, Abwehr), Sven Lindemann (35, Angriff), Cédric Schneu­wly (21, Angriff, derzeit an die SCL Tigers ausgeliehen), Florian Schmuckli (19, Abwehr), Rob Schremp (28, USA, Angriff).

Abgänge: Corsin Casutt (29, Angriff, Kloten, 2016), Alessandro Chiesa (26, Lugano, 2018).