EISHOCKEY: EVZ engagiert fünften Ausländer

Zwei Playoff-Spiele gegen Lugano und zwei Niederlagen – jetzt handelt der EV Zug personell: Er holt den 26-jährigen US-Stürmer William Rapuzzi von Visp.

Andreas Ineichen
Drucken
Teilen
Kommt vom NLB-Klub EHC Visp zum EV Zug: William Rapuzzi, der für die Zuger eine interessante Option sein kann. (Bild: EQ/Pascal Muller)

Kommt vom NLB-Klub EHC Visp zum EV Zug: William Rapuzzi, der für die Zuger eine interessante Option sein kann. (Bild: EQ/Pascal Muller)

Andreas Ineichen

Sie haben es sich in der sportlichen Leitung lange überlegt, ob sie eine fünfte Ausländer-Lizenz einlösen sollten, als letztes NLA-Team überhaupt. Doch der Vierte der Qualifikation steht vor dem zweiten Heimspiel in der Playoff-Serie gegen Lugano am Dienstag (20.15 Uhr, SRF 2) unter Zugzwang, und darum ergänzt er sein Kader für den weiteren Verlauf der Meisterschaft. Von William Rapuzzi, der heute zum ersten Mal mit den Zugern trainieren wird, darf nun wirklich nicht erwartet werden, dass er der Viertelfinalserie im Alleingang eine Wende geben kann. Aber der 1,80 m grosse und 87 kg schwere Stürmer, der in der abgelaufenen NLB-Saison für den EHC Visp 26 Tore und 27 Assists in 38 Qualifikationsspielen und 4 Tore und 1 Assist in 7 Playoff-Spielen beigesteuert hat, kann eine interessante Option für die Mannschaft von Harold Kreis sein.

Lammer fällt wohl länger aus

Denn es schleckt keine Geiss weg: Die Ausländer Luganos hatten mehr Einfluss auf den Ausgang der bisherigen Duelle, auch wenn die ziemlich eng waren. Linus Klasen entschied das Penaltyschiessen in Spiel 1 mit zwei erfolgreichen Versuchen (2:1 n. P.), sein schwedischer Landsmann Tony Martensson machte sich am Samstag beim 4:2 zum Doppeltorschützen.

Beim EV Zug hingegen erreichen die Söldner ihr gewohntes Rendement (noch) nicht. Liga-Topskorer Pierre-Marc Bouchard ist weniger dominant, Josh Holden ein positiver Faktor in Spiel 1 und ein negativer in Spiel 2, Jarkko Immonen fleissig, aber unauffällig und Daniel Sondell ohne offensive Wirkung. «Alle Spieler», gibt EVZ-Coach Harold Kreis zu bedenken, «haben ein bisschen mehr drauf, das sie in unser Spiel geben können.»

Zudem scheint es, als ob Dominic Lammer mit einer Oberkörper-Verletzung für längere Zeit ausfallen wird. In Lugano ist der Flügelstürmer der Zuger Paradelinie mit Immonen und Bouchard nach einem Zweikampf mit Julien Vau­clair unglücklich aufs Eis gestürzt. Lammer konnte schon das letzte Drittel in der Resega nicht mehr bestreiten.

Kommt Rapuzzi für Sondell?

Mit Rapuzzi stösst nun ein Angreifer zum Team, der sowohl als Center als auch als Flügel eingesetzt werden kann. Zudem ist der Amerikaner ein Rechtsschütze. Für EVZ-Coach Harold Kreis kann er vielleicht das Puzzleteil sein, das die Blockade in Sachen Chancenauswertung und Powerplay löst. Denn es mag schon fast wie ein Kuriosum tönen: Der Verlierer der ersten beiden Duelle gegen Kreis-Vorgänger Doug Shedden wies bislang zweimal die bessere Schussstatistik aus, aber er schoss insgesamt bloss drei Tore. Am Samstag liess er seine Überzahlsituationen ungenutzt, weil «unser Powerplay nicht die Durchschlagskraft hatte, wie wir es gebraucht hätten», befand Kreis. Darüber hinaus schien es auch so, als ob Zug den gegnerischen Goalie zwar mehr beschäftigte, Lugano aber in die besseren Positionen und zu den gefährlicheren Abschlüssen kam.

Wird Kreis sein Team mit einer Änderung in der Aufstellung aufrütteln? Im Wissen darum, dass vor allem die erste Partie auch anders hätte ausgehen können? Um die offensive Feuerkraft zu erhöhen, könnte er Rapuzzi anstelle des wirkungslosen Offensivverteidigers Sondell ins Spiel bringen – und er hätte nach wie vor sieben Verteidiger im Aufgebot. Sicher ist: Sein Team braucht dringend ein Erfolgserlebnis und kann sich eine dritte Niederlage am Dienstagabend in Zug kaum leisten, um im finalen Kampf um den Gewinn der Meisterschaft noch gute Karten in den Händen zu halten.

Die anderen Optionen für Kreis

Doch der 57-jährige Deutsch-Kanadier steht nicht im Ruf, das Risiko zu lieben. Schliesslich hat Kreis noch andere Optionen, um Lammer zu ersetzen. Marc Marchon ist nach seinen sechs Spielsperren wieder einsatzberechtigt, Lukas Sieber nach der Fussverletzung wieder einsatzfähig, Nicolas Thibaudeau ist das schon länger.

Aber bei allem Respekt: Für die zwingend benötigte Steigerung der offensiven Feuerkraft bringen sie überschaubare Qualitäten mit. Deutlich weniger als William Rapuzzi.

Die nächsten Spiele

Dienstag, 8. März, 19.45: ZSC Lions - Bern, Davos - Kloten Flyers.

20.15: Zug - Lugano (SRF 2), Genève-Servette - Fribourg-Gottéron (TSR 2).