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EISHOCKEY: EVZ-Präsident Strebel: «Es geht nicht nur ums Gewinnen»

Früher war er ein gewöhnlicher Fan, heute ist Hans-Peter Strebel (68) Präsident und Mehrheitsaktionär des EV Zug. Er sagt, wie er den Klub nachhaltig erfolgreich machen will – und was junge Spieler von NHL-Star Henrik Zetterberg lernen konnten.
Sven Aregger
Saxofonist, Pharmazeut und EVZ-Präsident: Hans-Peter Strebel in seinem Meeting-Raum an der Haldenstrasse in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 3. April 2017))

Saxofonist, Pharmazeut und EVZ-Präsident: Hans-Peter Strebel in seinem Meeting-Raum an der Haldenstrasse in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 3. April 2017))

Interview: Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Hans-Peter Strebel, wie haben Sie den Finaleinzug des EV Zug erlebt?

Wie fast bei jedem Spiel der Saison war ich auch in Davos. Faszinierend fand ich vor allem, dass weder Zug noch Davos in diesem Halbfinal je aufgegeben hat. Wahnsinnig, wirklich verrückt! Ich konnte manchmal kaum mehr sitzen. Für das Eishockey gibt es keine bessere Werbung. Der Finalvorstoss verschafft der ganzen Organisation des EVZ eine gewisse Ruhe. Man weiss, dass man auf dem richtigen Weg ist. Ich kann allen Beteiligten nur gratulieren.

Stimmt es, dass Sie bei jedem Spiel in der Garderobe auftauchen?

Ja. Ich tausche mich gerne mit den Spielern aus und sichere ihnen meine Unterstützung zu. Das schätzen sie sehr.

Spieler, Staff, Fans: Wo man sich auch umhört, alle schwärmen von Ihnen. Was macht Sie so beliebt?

Ich gehe mit allen Menschen ganz normal um. Ich interessiere mich für sie und bin ein guter Zuhörer. Wenn sie Sorgen haben, versuche ich zu helfen. Einfach ganz normal sein, dann funktioniert das.

Sie waren früher Fan, jetzt sind Sie Präsident und Mehrheitsaktionär des EVZ. Wenn man so will, eine echte Identifikationsfigur.

Ich bin diesem Verein mit viel Herzblut verbunden. Und ich freue mich, bei der Entwicklung des EVZ mitwirken zu können. Wichtig ist, dass die Leute im Hintergrund optimal arbeiten können. Dass die Rahmenbedingungen für die Sportler so gut sind, damit ein Weiterkommen in den Playoffs immer wahrscheinlicher wird. Ein Problem habe ich aber mit der Aussenwirkung des EVZ.

Inwiefern?

Da geht es nur ums Gewinnen oder Verlieren. Aber das ist nicht alles. Nehmen wird das Beispiel aus meiner früheren beruflichen Branche: Für ein Pharma-Unternehmen ist am Wichtigsten, was es in der Pipeline hat – und nicht das, was es gerade erwirtschaftet. Auf das Eishockey gemünzt bedeutet das: Der sportliche Erfolg ist gut, aber ausschlaggebend ist, wie sich der Verein strategisch entwickelt, was für den Nachwuchs getan wird. Diese riesige Arbeit wird oft vergessen. Ich finde es irrsinnig schön, dass wir jungen Sportlern eine Perspektive bieten können.

Deshalb investierten Sie 2014 rund 3 Millionen Franken in die EVZ Hockey Academy?

Ja. Ziel ist, dass in ein paar Jahren die Hälfte der NLA-Mannschaft aus Spielern besteht, die wir selber ausgebildet haben. Der Klub soll regional verankert sein. Die Ausbildung in der Hockey Academy dauert vier Jahre. Nach zwei Jahren KV-Grundausbildung bleiben noch diejenigen Spieler, denen der Sprung in die NLA am ehesten zugetraut wird. Die anderen machen einen Berufsattest, mit dem sie bei einem Unternehmen das KV beenden können. So ist sichergestellt, dass sie nicht in ein Loch fallen. Neu arbeiten wir auch mit der Sportmittelschule Engelberg zusammen – für die Sportler, die eine Matura machen wollen. Wenn wir mit unserer Ausbildungsstruktur erfolgreich sind, werden wir immer wieder besondere Spieler hervorbringen.

Spieler wie Lino Martschini und Rafael Diaz?

Das sind schöne Beispiele. Die Arbeit im Nachwuchs wird nun noch intensiver, weil wir auch das NLB-Team EVZ Academy etablieren konnten. Bis anhin hatten wir in der obersten Nachwuchsklasse nur die Elite-Junioren. Von dort ist es ein zu grosser Sprung in die NLA. Jetzt können sich Eishockeyspieler beim EVZ von der untersten Junioren-Stufe bis in die NLA kontinuierlich entwickeln.

Auch als Privatperson sind Sie engagiert. In Cham realisieren Sie ein Kompetenzzentrum für den Spitzensport. Sind Sie ein Visionär?

Ich hatte mein Leben lang Ideen. Wenn man innerlich überzeugt ist von einer Sache und bereit ist, hart dafür zu arbeiten, kann man seine Ziele erreichen. Ich bin geduldig, das musste ich lernen. Denn in der Pharma-Forschung lässt sich nichts mit der Brechstange erreichen. Das ist auch im Hockey so.

Sie sind ein leidenschaftlicher Saxofonist und Jazz-Liebhaber. Sehen Sie Parallelen zum Eis­hockey?

Wer ein Musikinstrument beherrschen will, muss üben, üben, üben. Spitzenmusiker trainieren gewisse Passagen, bis sie diese automatisiert haben, bis alles im Hirnstamm verankert ist. Auch ein guter Eishockeyspieler muss koordinative Bewegungen immer wieder wiederholen, damit er Handlungen unter Stress automatisch abrufen kann. Ich hatte übrigens ein interessantes Erlebnis, als Henrik Zetterberg (Star der Detroit Red Wings, Anm. der Red,) während des NHL-Lockouts 2012/13 in Zug spielte.

Erzählen Sie.

Er kam immer mit dem Velo in’s Training. Er war der Erste und der Letzte auf dem Eis. Einige junge Spieler haben sich gefragt, warum Zetterberg so viel trainiere, er sei doch schon so gut. Da habe ich mir gedacht: Hier muss noch ein Umdenken stattfinden. Und das ist ge­schehen.

Zurück zu den Playoffs. Was wünschen Sie sich für den Final gegen den SC Bern?

Unsere Mannschaft ist voll motiviert, und ich bin überzeugt, dass sie gute Leistungen abliefern wird. Wenn sie weiterhin mit so viel Kampfgeist und Entschlossenheit spielen wird, ist alles möglich.

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