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EISHOCKEY: EVZ-Stürmer Lino Martschini lehrt Reporter Tore schiessen

Flügelstürmer Lino Martschini steht im EV Zug für Tore. Er eignet sich deshalb ausgezeichnet als Lehrer für eine Einführungslektion in die Kunst des direkten Schiessens. Seine Devise: üben, üben, üben. Ein Selbstversuch.
Sven Aregger
Sportreporter Sven Aregger (links) im Schusstraining mit EVZ-Profi Lino Martschini in der Zuger Bossard-Arena. (Bild: Stefan Kaiser/Zuger Zeitung (22. Februar 2018))

Sportreporter Sven Aregger (links) im Schusstraining mit EVZ-Profi Lino Martschini in der Zuger Bossard-Arena. (Bild: Stefan Kaiser/Zuger Zeitung (22. Februar 2018))

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Im TV oder im Stadion sieht es ziemlich einfach aus. Ein Spieler erhält vor dem Tor den Pass, zieht mit dem Stock auf und versenkt die Scheibe am Goalie vorbei im Netz. Aber manchmal fragt man sich, wieso selbst beste Chancen nicht von Erfolg gekrönt sind. Im Penaltyschiessen etwa kann es durchaus vorkommen, dass von den ersten zehn Schützen keiner trifft. Im Gegensatz zum Fussball, wo viele Elfmeter im Tor landen, ist es im Eishockey offenbar eine grössere Herausforderung, den Puck unterzubringen. Kann das wirklich so schwer sein?

Zeit also für einen Selbstversuch. Zeit für ein Schusstraining unter kompetenter Anleitung. Wer käme da als Lehrer besser in Frage als der EVZ-Flügel Lino Martschini? Der 25-jährige Stürmer aus Luzern lebt von seiner Treffsicherheit, er hat seit 2012 in der Meisterschaft mehr als 120 Tore für Zug erzielt. Seine Schusstechnik gilt als vorbildlich. Martschini weiss also, wie das geht.

Vier Arten von Schüssen

Wir verabreden uns nach dem offiziellen Mannschaftraining in der leeren Bossard-Arena. So viel vorweg: Martschini muss einige Geduld aufbringen mit dem ehrgeizigen Aspiranten. Denn allein schon das Laufen auf den Schlittschuhen erweist sich als Hürde. So vergehen einige lange Sekunden, bis ich mich von der Bande in die Nähe des Tors vorgemüht habe – Eleganz sieht anders aus. Martschini wartet mit einem halben Dutzend Scheiben und drückt mir einen Stock in die Hand. Es kann endlich losgehen.

Zuerst die Theorie. Im Eishockey unterscheidet man grob zwischen vier Schussarten: Handgelenkschuss (Wristshot), Schlagschuss (Slapshot), Rückhandschuss (Backhandshot) und Zweikontaktschuss (Snapshot). Am meisten verwendet werden folgende beiden Arten:

- Handgelenkschuss:Diese Technik ermöglicht schnelle, präzise Abschlüsse. Der Spieler zieht die Scheibe kurz nach hinten und baut mit einer schwungvollen Bewegung den Druck auf, wobei die (untere) Griffhand als Katapult dient. Mit einer Drehbewegung des Handgelenks beschleunigt man den Puck und gibt ihm die Richtung vor. Die besten Erfolgsaussichten bestehen, wenn man den Goalie auf halber Höhe zwischen Schonern und Fanghand erwischt. Oder oben im Kreuz, weil die meisten Torhüter im Butterfly-Stil mit den Schonern aufs Eis gehen.

- Schlagschuss (Slapshot): Er ist besonders spektakulär. Der Spieler holt mit dem Stock bis mindestens auf Schulterhöhe aus und schlägt mit Wucht auf die Scheibe. Die Pucks können ein Tempo von über 170 km/h erreichen. Eine Variante ist der One-Timer – die Direktabnahme. Martschini ist ein Experte dafür. «Die harten, präzisen Schüsse sind für die Torhüter am schwierigsten einzuschätzen», sagt er. Martschini benutzt einen für seine Grösse (1,68 m) sehr widerstandsfähigen Stock, damit dieser bei der Schussabgabe nicht wegrutscht. Weil der One-Timer Platz und Zeit benötigt, wird er vor allem im Powerplay eingesetzt. Allen Schusstechniken ist gemein, dass sie möglichst schnell erfolgen müssen, um den Goalie zu überraschen.

Die Theorie klingt nachvollziehbar, fehlt noch die Praxis. Ich übe zunächst aus dem Stand den Handgelenkschuss aufs leere Tor. So richtig Druck auf die Scheibe bekomme ich nicht hin. Die Bewegungsabläufe wirken hüftsteif, die Körperbalance ist, sagen wir, ausbaufähig. Einige Versuche landen tatsächlich im Netz – okay, aus vier oder fünf Metern ist das vielleicht nicht die ganz grosse Aufgabe. Hätte EVZ-Goalie Tobias Stephan den gehalten?, frage ich, als die Scheibe vom Pfosten ins Tor kullert. Martschini lächelt.

Eine Mischung aus Technik und Kraft

Jetzt fühle ich mich bereit für den One-Timer. Marschini spielt mir die Scheibe in überschaubarem Tempo zu. Ich ziehe ab, zwar immer noch ohne Durchschlagskraft, aber immerhin treffe ich den Puck. Stunden später zwickt und es zieht es am ganzen Oberkörper. Da werden Muskelpartien strapaziert, von denen ich vorher nicht wusste, dass ich sie habe.

Ein guter Schuss basiert auf einer Mischung aus Technik und Kraft. Beim kleinen Lino Martschini (1,68 m) ist es mehr Technik als Kraft. Seine Devise lautet: üben, üben, üben. Schon als kleiner Bub hat er vor dem Haus in jeder freien Minute auf ein Strassenhockey-Tor geschossen. Bei den Eishockey-Junioren galt er bisweilen als egoistisch, weil er häufig dribbelte und selber den Abschluss suchte. «Letztlich hat sich das aber ausgezahlt», sagt er. Noch heute schiesst Martschini in jedem Training gefühlt über 50 Mal aufs Tor. «Im Spiel ist natürlich nicht jeder Schuss ein Treffer. Aber wenn er dann reingeht, bist du froh, dass du trainiert hast.»

Die meisten Goalgetter machen im Lauf ihre Karriere auch Krisen durch. Martschini hatte in der laufenden Saison zwischenzeitlich seine Treffsicherheit verloren. «Ich habe mir zu wenige ­Chancen erarbeitet. Und wenn ich doch schiessen konnte, wollte ich es zu genau machen und habe mich verkrampft.» Bei den heutigen reflexstarken Goalies könnten schon Zehntelsekunden des Zögerns ausschlaggebend sein für den Torerfolg, erklärt er.

Martschini: «Ich nehme jetzt die Zweikämpfe mehr an»

Jetzt kommen die Playoffs, in welchen den Schützen erfahrungsmässig noch weniger Zeit und Raum gelassen wird als in der Qualifikation. Dies hat in der Vergangenheit gerade Martschini am Toreschiessen gehindert. Was bedeutet das für die am Samstag beginnenden Viertelfinals? Martschini macht sich keine Sorgen: «Ich habe in dieser Saison viel gelernt und nehme die Zweikämpfe nun mehr an. Diesbezüglich habe ich auch in der Nationalmannschaft gute Feedbacks erhalten. Ich bin überzeugt, dass ich grösseren Einfluss auf unser Spiel haben werde als in den Vorjahren.» Diese Worte wird man in Zug gerne hören. Der EVZ ist auf einen selbstbewussten und treffsicheren Martschini angewiesen.

Meine Schussfähigkeiten wird der EV Zug glücklicherweise nicht brauchen. Martschini lobt zwar den einen oder anderen Versuch, aber er ist ja ein höflicher Mensch. Nach einer halben Stunde auf dem Eis sagt Lino Martschini noch diesen Satz: «Die wahre Kunst ist es, während des Laufens präzise zu schiessen.» So weit sind wir nicht gekommen – und irgendwie bin ich froh darüber.

Playoffs

Viertelfinals (Best of 7). Samstag, 20.15: Bern (1. der Qualifikation) – Genève (8.). Zug (2.) – ZSC Lions (7.). Biel (3.) – Davos (6.). Lugano (4.) – Fribourg (5.).

Platzierungsrunde. Samstag, 20.15: SCL Tigers – Lausanne. Ambri – Kloten. – Modus: Die Punkte der Qualifikation werden mitgenommen. Für den 1. und 2. der Runde ist die Saison beendet. Der 3. und 4. ermitteln in einem Playout (Best of 7) den Gegner des Swiss-League-Meisters in der Ligaqualifikation.

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