Eishockey

Fanliebling Reto Suri kehrt wohl nächste Saison zum EV Zug zurück

Kaum einer verkörpert den EV Zug so gut wie der 31-jährige Stürmer. Nach einem Abstecher zum HC Lugano zieht es den WM-Silbermedaillengewinner von 2013 wieder in die Zentralschweiz.

Philipp Zurfluh
Drucken
Teilen
Lugano-Stürmer Reto Suri wird künftig bei den Zugern zubeissen.

Lugano-Stürmer Reto Suri wird künftig bei den Zugern zubeissen.

Bild: Marusca Rezzonico/Freshfocus (Lugano, 3. Januar 2020)

Der Wechsel vom EV Zug zum HC Lugano war ein schmerzhafter Verlust. Nun kehrt Reto Suri mit grosser Wahrscheinlichkeit zurück «nach Hause»: «Wir haben gute Gespräche geführt», lässt der 31-Jährige ausrichten. Weil sich die Klubs wegen Corona nicht trauen, Transfers zu vermelden, sagt Sportchef Reto Kläy diplomatisch: «Ein interessanter Spieler. Er steht auf unserer Wunschliste.»

Die Garderobe und Spielerbank der Bossard-Arena kennt das einstige Zuger Aushängeschild in- und auswendig, schliesslich stand der Zürcher Stürmer zwischen 2012 und 2019 beim EVZ unter Vertrag. Seine eindrückliche Bilanz: 259 Skorerpunkte in 395 Spielen.

Es ist ein cleverer Schachzug von Sportchef Kläy. Mit dem Powerflügel hat er eine Leaderfigur zurück nach Zug gelotst. Ein Stürmer mit Herzblut, der die Mitspieler antreibt und mitreisst. Vor allem wegen seiner offenen und bodenständigen Art waren ihm während der sieben EVZ-Jahre extrem viele Fansympathien entgegengeflogen. Und auch heute geniesst er immer noch Anerkennung und hat in Zug ein hohes Standing. Mit seinen offensiven wie auch defensiven Qualitäten würde er bei jeder Schweizer Mannschaft zu den Leistungsträgern gehören, auch wenn er mit nicht so viel Talent gesegnet ist wie beispielsweise Grégory Hofmann. Aber der Familienvater ist ein Vorzeigeprofi. Er übernimmt Verantwortung, stellt sein Ego hinten an und scheut sich auch nicht davor, mit klaren Worten Kante zu zeigen.

Auf Betriebstemperatur ohne Anlaufzeit

Der EVZ sicherte sich 2012 die Dienste von Suri, der zu den grössten Schweizer Talenten gehörte. Der Stürmer hatte wenig Anlaufschwierigkeiten und fügte sich nahtlos ins Zuger Kollektiv ein. In der ersten Saison markierte er in den Playoffs neun Treffer in 14 Spielen. Das sind die meisten eines EVZ-Profis seit der Meistersaison 1997/98. Er spielte sich damit ins internationale Rampenlicht. Ein Wechsel zur NHL-Franchise Tampa Bay Lightning scheiterte 2013 an der fehlenden Ausstiegsklausel im Vertrag. Ende Saison 2014/15 lief sein Vertrag beim EVZ aus. Suri war einer der gefragtesten Spieler auf dem Transfermarkt, viele Klubs hatten ihn umworben. Sportchef Kläy wollte ihn unbedingt halten und griff dafür tief ins Portemonnaie. Suri bekannte sich zum EVZ und gab den ZSC Lions einen Korb. Der fürstlich dotierte Vierjahresvertrag beinhaltete eine Ausstiegsklausel. Suri wollte sich die Türe zur NHL offen lassen.

Cupsieger und verweigerte Freigabe

Während der sieben Jahre bei Zug gab es für Suri nicht nur schöne Momente. Die Beziehung zwischen dem ehemaligen Kloten-Junior und Ex-Trainer Harold Kreis war nicht zum Besten bestellt. Zähneknirschend musste Suri vermehrt defensive Aufgaben übernehmen, doch litten seine offensiven Qualitäten darunter.

Und dann war da noch das Transfergezänk mit dem HC Lugano. Im Mai 2018 lag Suri eine Vertragsofferte der Tessiner vor, die er gerne unterschrieben hätte. Doch der EVZ verweigerte ihm die Freigabe. Der Wechsel ins Tessin sollte eine Saison später erfolgen. Der Stürmer legte sich in seinem letzten Vertragsjahr nochmals mächtig ins Zeug. Unter dem neuen Trainer Dan Tangnes lief Suri wieder zur Bestform auf. Der Cupsieg 2019 war ein wohltuender Abschluss nach sieben Jahren am Zugersee.

Auch auf internationaler Ebene erreichte Suri schon früh in seiner Karriere eine beträchtliche Flughöhe. Bei der Weltmeisterschaft 2013 in Stockholm und Helsinki wurde er erstmals in den WM-Kader der Nationalmannschaft berufen und war Teil der Silberhelden. Mit fünf Toren und drei Assists hatte er einen wesentlichen Anteil am Medaillengewinn. Ein Jahr darauf wurde er ins Nati-Kader für die Olympischen Spiele in Sotschi selektioniert. Damals wurde er oft mit Damien Brunner verglichen. Ihm wurde eine erfolgreiche NHL-Karriere prophezeit. Pragmatiker Suri meinte aber nach Olympia: «Das Turnier hat mir meine Grenzen klar aufgezeigt. Mir fehlt noch so viel.»

Beim EV Zug nimmt das Kader für nächste Saison Formen an. Bereits klar ist, dass Captain Raphael Diaz den Klub Richtung Fribourg-Gottéron verlässt. Er unterzeichnete einen Vierjahresvertrag. Verteidiger Santeri Alatalo wird den umgekehrten von Weg von Suri gehen und beim HC Lugano anheuern. Stattdessen wird HCD-Spieler Fabrice Herzog zum EVZ stossen und auch Samuel Kreis, Verteidiger beim EHC Biel, steht bei Sportchef Kläy hoch im Kurs.

Reto Suri lässt sich nach dem Cupsieg 2019 von den EVZ-Fans in der Bossard-Arena feiern.

Reto Suri lässt sich nach dem Cupsieg 2019 von den EVZ-Fans in der Bossard-Arena feiern.

Bild: Stefan Kaiser/Zuger Zeitung (Zug, 3. Februar 2019)