EISHOCKEY: «Fehleinkauf» Carl Klingberg in Fahrt

Dem Schweden Carl Klingberg wurde die NLA-Tauglichkeit schnell abgesprochen. In diesen Tagen und Wochen zeigt der 25-jährige Powerflügel aber, wie wertvoll er für den EV Zug sein kann.

Andreas Ineichen
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Der Schwede Carl Klingberg freut sich über seinen 3:2-Siegtreffer vom Montag. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zug, 2. Januar 2017))

Der Schwede Carl Klingberg freut sich über seinen 3:2-Siegtreffer vom Montag. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zug, 2. Januar 2017))

Andreas Ineichen

andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch

Natürlich ist er gut drauf, herzt seine eigene Lebenspartnerin, die im Garderobengang der ­Bossard-Arena auf ihn gewartet hat und bedankt sich artig für die weiteren Komplimente, die er von den in der Nähe stehenden Frauen seiner Teamkollegen ­bekommt. Dabei geht es nicht etwa um das Aussehen des ath­letisch gebauten Zug-Stürmers (1,90 m/98 kg), nein, sondern um das 3:2 in der Verlängerung des ersten Spiels im neuen Jahr, das Carl Klingberg gegen Ge­nève-Servette geschossen hat.

Es ist der zweite spielentscheidende Treffer in seinem 32. Einsatz für den EV Zug und sein viertes Tor in den letzten acht Spielen. So lange hält schon die Siegesserie des NLA-Dritten. Vor dem Hintergrund, dass Klingberg in dieser Zeitspanne noch fünf Vorlagen beigesteuert hat, lässt sich getrost festhalten: So wertvoll wie in diesen Tagen und Wochen war der Powerflügel noch nie, seit er zu Beginn dieser Saison zum EV Zug gestossen ist.

Die Wertschätzung tut ihm sichtlich gut

Es sei ein grossartiges Gefühl, das siegbringende Tor schiessen zu dürfen, sagt Klingberg und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Schliesslich war er im Match gegen die Genfer, die heute im Cup-Halbfinal (19.45, Les Vernets) zum dritten Mal in den letzten vier Partien gegenüberstehen, der Mann des Spiels. Weil Klingberg schon im ersten Drittel mit einer hohen Flanke jene aussergewöhnliche Torchance heraufbeschwor, die Dominic Lammer mit dem Knie zum 1:1 genutzt hatte. «Ich wollte den Puck schon ‹Lammy› zuspielen», erzählt Klingberg und fügt verschmitzt an: «Aber nicht gerade so.»

Es ist ihm unschwer anzumerken, wie gut der Lauf tut, wie seine Wahrnehmung und die Wertschätzung ihm und seinen Fähigkeiten gegenüber eine andere geworden ist. Nun braucht er sich nicht mehr für seine Leistungen zu erklären, und die Vorgesetzten müssen sich nicht mehr dafür rechtfertigen, wie sie bloss einen Ausländer verpflichten konnten, der erst im elften NLA-Einsatz (beim 4:1 gegen Kloten) sein erstes Tor für seinen neuen Arbeitgeber erzielt hatte.

Mittlerweile hält Klingberg bei 11 Toren und 10 Assists in 32 Spielen, und es gilt festzuhalten, dass sich sein Wert für ein Team nicht nur über die Punkteproduktion definieren lässt. Er ist ein schneller und unerschrockener Flügel, der dorthin geht, wo es wirklich weh tut. Für jeden Verteidiger fühlt er sich wie ein Ekel an, der seine ganze Physis in sein Spiel legt und keinen Puck verloren gibt. Die Spielanlage Klingbergs widerspiegelt sich in vielen Aspekten im Erfolgsrezept dieses EVZ, und darum haben die Fragen an die Klubverantwortlichen mittlerweile eine andere Klangfarbe angenommen: Müsste man den Vertrag mit Klingberg nicht bald über die laufende Saison hinaus verlängern?

Mit einer konkreten Antwort hapert es allerdings, weil der EVZ offiziell und vielleicht etwas voreilig mitgeteilt hat, dass man mit den Trainern und den Ausländern Josh Holden, Jarkko Immonen und eben Carl Klingberg erst nach den Playoffs Vertragsverhandlungen aufnehmen würde. Der Schwede sagt dazu, was ein Profi in seiner Situation zu tun pflegt: «Der EV Zug geniesst für mich Priorität.» Falls ein attraktiver Arbeitgeber früher auf den Plan treten und ein gutes Angebot unterbreiten sollte, ist es sein gutes Recht, darauf einzugehen.

So erklärt sich Kreis die Leistungssteigerung

Aber wie lässt sich Klingbergs Leistungssteigerung erklären? Man darf nicht vergessen, dass der 25-Jährige nicht der erste NLA-Ausländer ist, der etwas Angewöhnungszeit braucht, bevor er sich in einer neuen Liga, einem neuen Team und einem neuen System zurechtfindet und sein Potenzial entfaltet. Zudem glaubt EVZ-Trainer Harold Kreis, dass «Klingberg nun mehr Glück im Abschluss hat. Und er hat nun einen guten Mix aus Egoismus, den Torjäger brauchen, und Zusammenspiel mit seinen Linienkollegen gefunden. Diese Balance bewirkt eine grosse Steigerung im Resultat.»

Im EVZ hat nun wirklich niemand etwas dagegen einzuwenden, wenn Klingberg seine Balance und Konstanz gefunden hat.

Schweizer Cup. Halbfinals. Heute. 19.45: Genève-Servette - Zug. – Donnerstag, 19.45: Kloten - Lausanne.