EISHOCKEY: Gerbers gütige Mithilfe

Der EV Zug ist mit dem 5:4 n. V. gegen den EHC Kloten seine Leaderposition wieder los – aber er hat mit einer Willensleistung ein Spiel gewonnen, in dem der Gegner frischere Beine hatte.

Andreas Ineichen
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Machte im Tor von Kloten nicht immer eine gute Figur: Martin Gerber, hier im Duell gegen Zugs Carl Klingberg. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 28. Januar 2017))

Machte im Tor von Kloten nicht immer eine gute Figur: Martin Gerber, hier im Duell gegen Zugs Carl Klingberg. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 28. Januar 2017))

Andreas Ineichen

andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch

Als sich Lino Martschini in der Verlängerung den Puck zurechtlegte und den Siegtreffer markierte, war Zugs Topskorer fast schon blau angelaufen. «Ich bekam kaum noch Luft, weil ich zu lange auf dem Eis war», gestand er, aber es sei halt schwierig, bei drei gegen drei Spieler zu wechseln. «Diese Verlängerung war spannend und spektakulär, weil es rauf und runter ging», befand Zugs Trainer Harold Kreis. Die Zusatzschicht widerspiegelte in der Tat den Verlauf einer Partie, aus der genauso gut der noch um einen Playoff-Platz kämpfende EHC Kloten als Sieger hätte hervorgehen können.

Dass das Drehbuch dieses unterhaltsamen Spiels ein anderes Ende vorsah, dagegen hatte im Lager der Zuger keiner etwas. «Es war eine Willensleistung der Mannschaft. Sie wollte keinesfalls verlieren, auch wenn es ihr nicht so gut gelaufen ist. Davor ziehe ich meinen Hut», zollte Kreis seinen Spielern Respekt.

Erst zum achten Mal vier und mehr Tore kassiert

Es war in der Tat ein hartes Stück Arbeit, das der EV Zug auf dem Weg zum vierten Sieg im vierten Saisonduell zu verrichten hatte. Er machte Fehler, vorab in der Defensive, die er in dieser Saison nur selten gemacht hatte. Zur Verdeutlichung: Erst zum achten Mal im 42. Spiel kassierte der EVZ, der bis dahin bloss 2,15 Gegentore pro Partie zuliess, vier und mehr Gegentore. Aber auch im Abschluss schien es an der Konzentration zu fehlen. Ein Beispiel dafür war der Penalty von Lino Martschini beim Stande von 2:1 in der 11. Minute: Klotens Goalie Martin Gerber musste keine Parade zeigen, um den Versuch zunichte zu machen. «Stimmt, ich bekam den Puck nicht richtig auf die Schaufel. Irgendwie fühlte ich mich bei der ganzen Aktion nicht so wohl wie sonst», bekannte Martschini.

Noch bitterer: Praktisch im Gegenzug, als Martschini mit seiner Linie noch auf dem Eis stand, glich Kloten zum 2:2 aus. «Wir fanden nie richtig zu unserem Spiel, aber letztlich über den Kampf zum Sieg. Das ist unser eigener Anspruch», sagte der Stürmer.

Dass Kloten vorab in den ersten beiden Dritteln den leichtfüssigeren und auch gefährlicheren Eindruck machte, dafür gab es in den Augen von Kreis einen gewichtigen Grund: «Kloten hatte eindeutig die besseren Beine. Sie bestritten gegen uns das zweite Spiel in den letzten acht Tagen, wir hingegen schon das fünfte.»

Lammer fällt aus, weil ihm schwindlig war

In der Not kam dem EV Zug das Glück zu Hilfe. Bei den ersten beiden Toren war jeweils Martin Gerber Zugs Vollstrecker. Beim 0:1 wischte Klotens Torhüter einen Pfostenschuss von Josh Holden über die Torlinie, beim 1:2 prallte ein Schuss von Santeri Alatalo vom Plexiglas zurück und via Gerbers Rücken ins Klotener Gehäuse. Auch beim 4:3, das Zug bloss 46 Sekunden nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich realisiert hatte, half Gerber gütig mit (31.). Ein Schüsschen von Emmanuel Peter liess er passieren. «Unsere vierte Linie spielte mit diesem Tor im Mitteldrittel eine wichtige Rolle», betonte Kreis. Die Führung nährte die Zuversicht trotz dem energetischen Ungleichgewicht auf ein gutes Ende.

Für Zug-Stürmer Dominic Lammer war die Partie im Verlauf des Mitteldrittels zu Ende gegangen. «Er kassierte einen Check an der Bande, daraufhin war ihm schwindlig. Darum nahmen wir ihn raus», sagte Kreis.