EISHOCKEY: Gleichgültig in die Niederlage

Der EV Zug verabschiedet sich vorzeitig aus dem Cup-Wettbewerb. Das 1:4 gegen die ZSC Lions deckt Schwächen auf.

Nicola Berger, Winterthur
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Mit hängenden Köpfen verlassen die EVZ-Spieler Dominic Lammer, Daniel Sondell, Fabian Sutter, Fabian Schnyder und weitere das Eis in der Eishalle in Winterthur. (Bild: Keystone)

Mit hängenden Köpfen verlassen die EVZ-Spieler Dominic Lammer, Daniel Sondell, Fabian Sutter, Fabian Schnyder und weitere das Eis in der Eishalle in Winterthur. (Bild: Keystone)

Der Medienkonzern Ringier und seine Vermarktungsagentur Infront sind ja die treibenden Kräfte hinter der Wiederbelebung des Schweizer Eishockey-Cups nach 40 Jahren Pause. Die Unternehmen sind bemüht darum, positive Bilder zu vermitteln, was den Wettbewerb angeht. Von einer «Cup-Euphorie» schrieb das Ringier-Flaggschiff «Blick» gestern auf seiner Internetseite.

Überschaubares Zuschauerinteresse

In Winterthur war davon gestern wenig zu spüren. Die ZSC Lions konnten die Achtelfinalbegegnung ja nicht zu Hause austragen, weil das Hallenstadion wegen einer Umbaupause zwischen zwei Veranstaltungen belegt war. Die Heimstätte des Klubs in Zürich-Oerlikon hat ein Fassungsvermögen von 11 200 Zuschauern. Rückblickend kann Infront froh sein, dass die Begegnung nach Winterthur verschoben werden musste, die vielen leeren Sitze hätten auf den Bildern unvorteilhaft ausgesehen.

Die Eishalle Deutweg, das Heimstadion des Erstligisten EHC Winterthur, fasst 2500 Zuschauer – und nicht einmal diese bescheidene Kapazität vermochte die Affiche gestern auszufüllen.

1801 Zuschauer meldete der Stadionsprecher. Wer kam, erhoffte sich eine animierte Partie zwischen zwei der nominell besten Teams des Landes – und wurde enttäuscht.

Es gab eine Episode, die alles sagt über diesen Abend: Als Edgar Salis, der ZSC-Manager, in der ersten Drittelpause seinen Zuger Antipoden Reto Kläy entdeckte, auf der Stadiontribüne, lautete sein Kommentar: «Du, sind wir hier bei einem Freundschaftsspiel?»

Dieser Eindruck konnte einem tatsächlich erwachsen, auch wenn die Trainer Marc Crawford und Harold Kreis darauf verzichteten, Stammkräfte zu schonen.

Der Zürcher Derek Smith, rechts, und der Zuger Josh Holden, links, im Zweikampf. (Bild: Keystone)
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Die Zuger Spieler verlassen enttäuscht das Eis. (Bild: Keystone)
Der Zuger Trainer Harold Kreis. (Bild: Keystone)
Die Zürcher Luca Cunti, rechts, und Ryan Keller, hinten, sowie der Zuger Robin Grossmann, links, im Kampf um den Puck. (Bild: Keystone)
Der Zürcher Dan Fritsche, links, und der Zuger Robbie Earl, rechts, kämpfen um den Puck. (Bild: Keystone)
Der Zürcher Luca Cunti, links, und der Zuger Reto Suri, rechts, im Zweikampf. (Bild: Keystone)
Der Zürcher Ryan Keller, rechts, und der Zuger Robin Grossmann, links, kämpfen um den Puck. (Bild: Keystone)
Der Zürcher Morris Trachsler, links, und der Zuger Fabian Sutter, rechts, im Zweikampf. (Bild: Keystone)
Der Zuger Trainer Harold Kreis geht seinen Gedanken nach. (Bild: Keystone)
Zürcher Fans feuern ihre Mannschaft an. (Bild: Kystone)
Zürcher Fans feuern ihre Mannschaft an. (Bild: Keystone)
Die Zürcher Luca Cunti, Marc-Andre Bergeron, Mathias Seger und Roman Wick, von links, bejubeln einen Treffer. (Bild: Keystone)
Die Zürcher Roman Wick, links, und Mathias Seger, rechts, bejubeln einen Treffer. (Bild: Keystone)
Die Zürcher Spieler bejubeln einen Treffer. (Bild: Keystone)

Der Zürcher Derek Smith, rechts, und der Zuger Josh Holden, links, im Zweikampf. (Bild: Keystone)

Es gibt ja gewisse Grundingredienzen, die den Reiz des Eishockeysports ausmachen, dazu gehören das Körperspiel und kernige Checks. In Winterthur suchte man gestern beides vergeblich; selten ist Ende Oktober ein Ernstkampf mit einer derart geringen Intensität abgehalten worden.

Der EVZ geriet im Mitteldrittel ins Hintertreffen, nach einem Doppelschlag von Seger und Daniel Schnyder innerhalb von zweieinhalb Minuten. Die Zuger kamen durch Holden im Powerplay zwar noch einmal heran, nach 37 Minuten, aber insgesamt ergaben sie sich relativ gleichgültig der Niederlage.

Lammers verpasste Chance

Man kann das den Zugern nicht verdenken, das wichtigere Meisterschaftsspiel in Kloten vom Freitag vor Augen, aber für einige Individualisten stellte der Abend auch eine vergebene Chance dar. Dominic Lammer (22) zum Beispiel war von Kreis neben die Ausländer Earl und Bouchard gestellt worden, konnte sich aber nicht dafür aufdrängen, diesen Platz an der Sonne dauerhaft zu bekleiden: Bereits im Mittelabschnitt stellte der Coach um und beorderte Björn Christen in diese Formation.

Die Wirkung blieb aus; der Zuger Offensive fehlte auch nach dieser Massnahme jegliche Durchschlagskraft, bis auf einen Pfostenschuss Bertaggias (36.) blieben die Gäste ungefährlich.

Als Luca Cunti in der 44. Minute zum 3:1 traf, war die Begegnung entschieden; es war die 16. Niederlage des EVZ gegen diesen Gegner in den letzten 18 Duellen.

Mit dem Verpassen der Viertelfinalqualifikation geht dem Verein eine Prämie von 65 000 Franken durch die Lappen.

Die Trauer beim EVZ darüber schien sich insgesamt in Grenzen zu halten, auch wenn Kreis sehr aufgebracht von einem «richtig schlechten Auftritt» sprach, der ihm gehörig die Stimmung verhagelte.

Im Zuger Lager trösteten sie sich mit der Aussicht, nach einer Doppelrunde gegen Kloten und Lugano nicht noch ein drittes Spiel innert drei Tagen bestreiten zu müssen, wenn die Viertel­finals anstehen am 15. Dezember.