EISHOCKEY: «Gute Resultate sind nicht das Wichtigste»

Die Zwischenbilanz von EVZ-Academy-Cheftrainer Björn Kinding fällt positiv aus. Der 59-Jährige traut seinem Team einen Playoffplatz zu in der National League B – und appelliert an die Zuschauer.

Michael Wyss
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Björn Kinding (im Gespräch mit dem Assistenten Marcel Jenni) glaubt an die Playoffteilnahme. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 10. August 2016))

Björn Kinding (im Gespräch mit dem Assistenten Marcel Jenni) glaubt an die Playoffteilnahme. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 10. August 2016))

Interview: Michael Wyss

sport@zugerzeitung.ch

Björn Kinding, wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Meisterschaftsverlauf?

Wir sind bei etwas mehr als Qualifikationshalbzeit immer noch auf Playoffkurs, das ist sehr erfreulich. Die Mannschaft hat auch bewiesen, dass sie berechtigterweise in dieser Liga spielt. Die Academy ist kein Punktelieferant oder Kanonenfutter.

Sind Sie überrascht, dass die Academy in ihrer ersten Saison so gut mithalten kann?

Ja und nein. Ich wusste um die Qualität meiner Spieler. Ihr Wille ist spürbar und ihre Leistungsbereitschaft gross. Wir trainieren bis zwei Mal täglich, und gewisse Spieler stehen nebst dem NLB-Engagement auch bei den Elitejunioren oder in der NLA-Mannschaft des EVZ im Einsatz. Das ist nicht immer einfach für einen jungen Menschen. Erfreulich ist darüber hinaus die Tatsache, dass wir auch ohne einen Topausländer in der NLB eine gute Figur abgeben. Bei uns steht das Kollektiv im Zentrum.

Enttäuschend sind hingegen die Zuschauerzahlen bei den Heimspielen der Academy.

Das ist so. Es macht natürlich mehr Spass, wenn wir vor 500 oder mehr Fans spielen können als vor 100 oder 150. Auswärts spielen wir dagegen häufig vor vollen Kulissen. Ich denke, dass es einfach seine Zeit benötigt. Mit guten Leistungen können wir sicher vermehrt Fans in die Halle locken. Ein Problem ist auch, dass viele Gästefans unsere Partien boykottieren, weil sie sich mit dem Projekt der Farmteams nicht anfreunden können. Das ist sehr schade und unverständlich, denn die Farmteams bilden ja junge und talentierte Spieler aus.

Nimmt man die guten Leistungen innerhalb des EVZ wahr?

Ja klar. Wir werden immer wieder angesprochen aus dem Umfeld des EVZ. Dass wir in der NLB eine gute Figur abgeben, bleibt nicht unbemerkt. Wir erhalten vom Staff der NLA, der Vereins- und Academyführung immer wieder Rückmeldungen über Spieler, die in der NLA zum Einsatz kommen oder zum Training eingeladen werden. Die Zusammenarbeit ist sehr gut.

Am 12. Februar wird die letzte Qualifikationsrunde gespielt – wo steht Ihr Team bis dann?

Wir arbeiten jeden Tag hart und sicher auf das Ziel, den achten Rang zu erreichen. Die Playoffs sind, wie wir sehen, nicht unrealistisch. Für mich zählt am Ende aber auch die Entwicklung jedes einzelnen Spielers, ob wir ihn weitergebracht haben auf seinem Weg. Ich sehe mich als Ausbildner. Gute Resultate und eine gute Klassierung sind wichtig, aber nicht das Wichtigste.

Marcel Jenni ist Ihr Assistenztrainer. Wie zufrieden sind Sie mit seiner Arbeit?

Marcel und ich ergänzen uns sehr gut. Er macht einen hervorragenden Job. Er lebt für diesen Sport, bringt eine grosse Erfahrung mit und macht sich viele Gedanken, wie das Spiel noch besser werden kann und ist damit sicher auch Vorbild für viele Akteure. Das Schweizer Eishockey braucht solche Typen.

Wo muss sich das Team noch steigern?

Im offensiven wie auch defensiven Bereich gibt es natürlich Verbesserungsmöglichkeiten. Wichtig ist auch, dass die Spieler an ihrem Selbstvertrauen arbeiten und mit dem Glauben in ein Spiel steigen, gegen jeden Gegner bestehen zu können. Momentan haben wir noch zu viele Hochs und Tiefs innerhalb einer Partie oder von Spiel zu Spiel.

Zwischen Weihnachten und Neujahr findet die U-20-WM statt. Im Kader sind einige Akteure der EVZ Academy, für die die NLB-Meisterschaft weitergeht. Wie werden Sie die personellen Sorgen lösen?

Ich freue mich für die Spieler, die sich auf internationaler Bühne präsentieren können. Es zeigt, dass beim EVZ im Nachwuchs seit vielen Jahren hervorragende Arbeit geleistet wird. In der Altjahreswoche haben andere Spieler die Möglichkeit, sich zu beweisen und auf sich aufmerksam zu machen. Wir werden Elite- und Erstligaspieler von anderen Vereinen testen und bei uns einsetzen, die eine B-Lizenz bei uns haben.

Welche Spieler schaffen nächste Saison den Sprung in die NLA?

Es hat einige Talente in der Academy, die ich in der NLA sehe. Die Chancen sind sicher intakt, dass der eine oder andere einen Vertrag erhalten wird. Wie viele Spieler dafür aber beim EVZ ein Thema sind, ist schwierig zu sagen, denn im Fanionteam sind das Niveau und die Qualität momentan sehr hoch. Somit ist auch der Sprung schwieriger, aber sicher nicht unmöglich.

HinweisAktuelle Spiele. Heute: EVZ Academy - Olten (19.45, Bossard-Arena). – Freitag: Langenthal - EVZ Academy (20.00, Schoren).