EISHOCKEY: Guter Lohn nach dem Fehlstart

Auf die Gala gegen Bern (3:0) gibt es für den EVZ in Genf eine schöne Bescherung: ein Punkt nach verlorenem Penaltyschiessen (3:4) und lange Zeit verloren geglaubtem Spiel.

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Kompromisslos: EV Zug-Verteidiger Robin Grossmann (links) stoppt den Genfer Roland Gerber. (Bild: EQ/Pascal Müller)

Kompromisslos: EV Zug-Verteidiger Robin Grossmann (links) stoppt den Genfer Roland Gerber. (Bild: EQ/Pascal Müller)

Andreas Ineichen, Genf

Dass keiner der fünf Zuger Penaltyschützen reüssierte, derweil Noah Rod als einziger für Servette getroffen hatte, mochte im Zuger Lager wohl keinen betrüben. Weil sie dankbar sein mussten, es überhaupt so weit gebracht zu haben. Bis zur 40. Minute lag der EVZ 0:3 zurück. Und in neun von zehn Fällen reicht eine solch schlechte, weil fehlerhafte Leistung nicht, um noch zu einem Punktgewinn zu gelangen. Doch Servette verpasste es, den Sack zuzumachen, und drosselte die Leistung im Schlussdrittel. Zug kam zurück, wohl auch dank eines irregulären Treffers zum 3:3 (58.) durch Tim Ramholt. In dieser Aktion hatte sich Assistgeber Pierre-Marc Bouchard den Puck, der Servettes Abwehrzone bereits verlassen hatte, mit der Hand vorgelegt. Die Emotionen der Genfer Fans kochten hoch, der Videowürfel über dem Eisfeld zeigte das Servette-Maskottchen, wie es im Schiedsrichter-Dress und dunkler Sonnenbrille einen Blinden mimte.

Vielleicht ahnte Chris McSorley, Trainer, Sportchef und Besitzer von Servette, wie wichtig die Situation in der neunten Minute für den weiteren Spielverlauf sein könnte. Zu Gunsten eines sechsten Feldspielers nahm er den Goalie raus und suchte den K.-o.-Schlag gegen die Zuger, die bereits mit 0:2 im Hintertreffen lagen und zu diesem Zeitpunkt nur zu dritt auf dem Eis standen. Doch McSorleys Ansinnen ging nicht auf. Die Zuger überstanden die heikle Phase, dank Glück (Pfostenschuss von Löffel) und Goalie Tobias Stephan.

Sondells Scheibenverlust

In die missliche Situation hatten sich die Zuger, die im Vergleich zum Vorabend auf Jarkko Immonen – der Finne wurde gestern zum zweiten Mal Vater eines Knaben – und die angeschlagenen Dominik Schlumpf sowie Johann Morant verzichten mussten, selber hineinmanövriert. Nach rund 60 Sekunden offenbarte der Schwede Daniel Sondell, dass Zug nicht bereit war. Er bekam eine Scheibe unmittelbar vor dem eigenen Tor unter Kontrolle und wollte dribbeln, um den Puck aus der Gefahrenzone zu befreien. Was man dem Eishockeynachwuchs schon in frühen Jahren auszutreiben versucht, scheiterte grandios – Arnaud Jacquemet knöpfte Sondell die Scheibe ab und bezwang Stephan zum 1:0 für den am Strich klassierten Klub.

Der Schock für die Zuger bedeutete Rückenwind für die Gastgeber. Nach nicht einmal vier Minuten erhöhte Romain Loeffel nach einem schönen Zuspiel von Jim Slater auf 2:0, ehe Jannick Blaser Servette die Vorentscheidung quasi offerierte. Sein grober Check an der offensiven blauen Linie gegen Marco Pedretti trug dem EVZ-Verteidiger eine Fünfminuten- plus Spieldauerdisziplinarstrafe ein – und vielleicht noch ein ordentliches Verfahren. Die Mannschaft von Harold Kreis fand im ersten Drittel nicht statt, sie zeigte ihre unerfreuliche Seite. Den ersten Schuss, den Servettes Goalie Robert Mayer halten musste, gab Bouchard nach 13 Spielminuten ab.

Über die Spielhälfte hinaus war sich der zweitplatzierte EVZ selber der grössere Gegner als Servette. Ein weiteres Beispiel dafür erbrachte Dominic Lammer, der in der 30. Minute Mayer zu Fall brachte. Kaum war das Unterzahlspiel abgelaufen, erhöhte Loeffel nach einem Abpraller auf 3:0.

Doch die Partie sollte noch eine unverhoffte Richtung nehmen ...

Ambri-Piotta am Tabellenende

Derby Si. Der HC Lugano stoppte mit einem 6:3-Derby-Heimsieg über Ambri-Piotta seinen Sturzflug im Duell der Kellerkinder. Linus Klasen realisierte in der 46. Minute mit dem Powerplaytor zum 4:2 den Gamewinner. Raffaele Sannitz mit dem 5:3 und der einst für Ambri stürmende Gregory Hofmann stellten den ersten Sieg der Südtessiner im zweiten Spiel unter Interimstrainer Christian Wohlwend sicher. Ambri ist nach dieser Niederlage Tabellenletzter.

Lugano - Ambri-Piotta 6:3 (3:2, 0:0, 3:1) 7800 Zuschauer (ausverkauft). – SR Stricker/Vinnerborg, Kaderli/Kovacs. –

Tore: 6. Hamill 0:1. 9. Chiesa (Klasen/Ausschluss Monnet) 1:1. 10. (9:14) Kparghai (Kienzle ) 2:1. 10. (9:57) Fuchs (Pestoni, Hamill) 2:2. 11. Kienzle (Kparghai, Hirschi/Ausschluss Duca) 3:2. 46. Klasen (Julien Vauclair/Ausschluss Hirschi; Duca) 4:2. 52. Pestoni (Monnet) 4:3. 57. Sannitz (Pettersson) 5:3. 60. (59:02) Hofmann (Ausschluss Kienzle!) 6:3 (ins leere Tor).

Strafen: 5-mal 2 Minuten plus 5 Minuten (Chiesa) plus Spieldauer (Chiesa), 8-mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta.

Lugano: Manzato (9. Merzlikins); Philippe Furrer, Ulmer; Chiesa, Julien Vauclair; Kparghai, Hirschi; Sartori; Hofmann, Martensson, Reuille; Klasen, Sannitz, Morini; Pettersson, Filppula, Kienzle; Kostner, Romanenghi, Fazzini.

Ambri-Piotta: Zurkirchen; Gautschi, Zgraggen; Birbaum, Mäenpää; Fora, Chavaillaz; Trunz, Berger; Grassi, Bastl, Lauper; Pestoni, Hamill, Giroux; Lhotak, Emmerton, Monnet; Duca, Kamber, Fuchs.

Bemerkungen: Lugano ohne Walker, Brunner, Bertaggia und Steinmann (alle verletzt), Ambri ohne Hall, Stucki, Sidler, Bianchi und Flückiger (alle verletzt). – 9. Manzato verletzt ausgeschieden. – Pfosten: 22. Giroux, 35. Pettersson, 39. Sannitz, Ulmer. – 58:38 Timeout Ambri, von 58:10 bis 59:02 ohne Torhüter. >