EISHOCKEY: Harold Kreis erfindet den EV Zug neu

Die Spieler sind eine Mannschaft, das System entspricht ihren Fähigkeiten, der NLA-Dritte hat seine jüngste Siegesserie auf fünf Spiele ausgedehnt: Trotzdem ist die Zukunft des Trainerteams in Zug unsicher.

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Die Spieler setzen sich für ihn ein: Harold Kreis, Cheftrainer des Tabellendritten EV Zug. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 19. November 2016)

Die Spieler setzen sich für ihn ein: Harold Kreis, Cheftrainer des Tabellendritten EV Zug. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 19. November 2016)

Schön muss es sein, das Leben als Sportchef des EV Zug. So mag man es sich zumindest vor dem aktuellen Hintergrund vorstellen: Mit einem Durchschnitt von über zwei Punkten pro Spiel kämpft die Mannschaft von Harold Kreis auf Augenhöhe mit den wohlbestallten Branchenleadern ZSC Lions und Bern um den Sieg in der Qualifikation. Die Teilnahme am Playoff ist für die Zuger nur noch Formsache, zumal in den letzten beiden Saisons 67 respektive 66 Punkte für den achten und letzten Platz im Kampf um den Titelgewinn reichten. Und der EVZ steht vor der heutigen Auswärtspartie, im zweitletzten Punktespiel des auslaufenden Jahres, schon bei deren 63.

Um es zurückhaltend auszudrücken: Es ist bemerkenswert, was Cheftrainer Harold Kreis und sein Assistent Waltteri Immonen mit den Spielern seit der Blamage in den letzten Playoff-Viertelfinals (0:4 gegen Lugano) erreicht haben. Sie haben eine Truppe auf Erfolg getrimmt, die weniger auf individueller Klasse denn auf mannschaftlicher Geschlossenheit basiert. Routinier Timo Helbling (35) erklärt: «Wir schätzen an Kreis die authentische Art. Statt zu schauspielern und rumzuschreien, geht er auf jeden von uns zu. Darum setzen sich auch alle Spieler für ihn ein.»

Also alles im tiefenentspannten Bereich beim EV Zug. Doch das führt zur vielleicht ketzerisch klingenden Frage: Was macht eigentlich EVZ-Sportchef Reto Kläy den ganzen lieben Tag lang?

Der Wunsch des EVZ-Sportchefs

Schliesslich hat er ja keinen Gestaltungsspielraum mehr im Hinblick auf die nächste Saison, seit die Klubleitung vor langer Zeit mitgeteilt hat, dass Verhandlungen mit Trainern und Ausländern erst nach Ende der kommenden Playoffs aufgenommen werden. Konkret heisst das: Nur Center David McIntyre hat eine gesicherte Zukunft in Zug, weil sein Vertrag bis 2018 dauert.

Wie rechtfertigt Kläy also sein Arbeitspensum beim EVZ? «Wenn ich nur für das NLA-Team verantwortlich wäre, so wäre ich wahrscheinlich mehr auf Reisen», entgegnet er mit humoristischer Leichtigkeit. Um sogleich mit einem möglichen Missverständnis aufzuräumen: «Ich bin auch für die ganze sportliche Sektion des EVZ verantwortlich, inklusive der Academy in der NLB und der Junioren-Bewegung.»

Dennoch entgeht ihm die Entwicklung in seinem wichtigsten Teilbereich nicht – und das ist und bleibt das NLA-Team. Kläy: «Ich bin sehr zufrieden mit dem Saisonverlauf, und daran haben beide Trainer grossen Anteil. Mein Wunsch ist es, in diesem Konstrukt weiterzumachen. Aber wir sind erst auf einem Teil des Weges, der mit unserem Abschneiden in den Playoffs zu Ende gehen wird.»

Die Unberechenbarkeit dieses aus Klubsicht legitimen Weges ist, dass einer der Trainer seine berufliche Zukunft geregelt haben will, bevor der nächste Frühling in all seiner Pracht erstrahlen wird. «Wenn es so gut läuft, ist natürlich die Gefahr eines Plans B da», weiss der Sportchef. Aber dieses Risiko ist der EVZ nach wie vor bereit einzugehen. «Aus emotionaler Sicht würde ich einen Abgang bedauern. Wir mögen uns auf menschlicher Seite sehr», findet Kläy.

Agent von Kreis sondiert den Markt

So weit scheint es noch (eine Zeit lang) nicht zu sein. Kreis sagt, dass er nach wie vor keine konkrete Anfrage habe, und sein in Zug einflussreicher Agent Daniel Giger bestätigt: «Ich bin daran, den Markt für meinen Mandanten zu evaluieren.»

Die Spieler scheinen sich von der beruflichen Perspektive ihrer Übungsleiter nicht ablenken zu lassen. «Wir leben im Hier und Jetzt», sagt Helbling. «Super, dass wir gleich gegen Servette antreten müssen. Entscheidend wird unser mentaler Fokus sein.»

Andreas Ineichen

andreas.ineichen@luzernerzeitung.ch