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EISHOCKEY: Harold Kreis: «Ergebnisse sind nicht alles»

Bevor der EV Zug heute in Lugano in die neue Saison startet, spricht der Trainer Harold Kreis über seine Vertragsverlängerung, die taktische Ausrichtung – und die mögliche Revanche an Davos.
Harold Kreis weiss, was in der neuen Saison besser werden muss: «Wir müssen konsequenter verteidigen.» (Bild Nadia Schärli)

Harold Kreis weiss, was in der neuen Saison besser werden muss: «Wir müssen konsequenter verteidigen.» (Bild Nadia Schärli)

Interview Nicola Berger

Harold Kreis*, am Mittwoch haben Sie Ihren Vertrag vorzeitig bis 2017 verlängert. Geschah das auf Ihren Wunsch?

Harold Kreis: Eigentlich nicht, es gab eine gegenseitige Annäherung. Ich bin froh, dass es geklappt hat und stolz, EVZ-Trainer sein zu dürfen. Der neue Vertrag zeigt, dass man meine Arbeit schätzt und längerfristig mit mir plant. Was auch immer das in diesem Metier heissen mag ...

Sie sind jetzt 55 Jahre alt. Können Sie sich vorstellen, die Karriere in Zug zu beenden?

Kreis: Schon. Aber ich weiss nicht, wie lange ich als Trainer arbeiten werde. Fünf Jahre? Klar. Zehn Jahre? Eher nicht. Aber ich bin gesund, fühle mich gut und geniesse die tägliche Arbeit mit den Spielern. Auch wenn ich mich manchmal über die Musik beschweren muss. (lacht)

Arbeitet man als Trainer besser, wenn die Zukunft geregelt ist?

Kreis: Ich kann die Frage nicht generell beantworten, aber für mich macht es keinen Unterschied.

Bei den ZSC Lions reagierten Sie einst verstimmt, als sich die Entscheidung hinzog.

Kreis: Das stimmt, ich war damals jünger und sorgte mich stärker um die Zukunft. Heute kann ich den Entscheidungsprozess des Klubs nachvollziehen. Und am Ende sind dank dem Meistertitel ja beide Seiten glücklich gewesen. (lacht)

Der Titel ist inzwischen sieben Jahre her. Wie gross ist Ihr Erfolgshunger?

Kreis: Oh, er ist ungebrochen. Der Appetit wird nach einem Titel auch nicht kleiner – man will immer mehr.

Wie beurteilen Sie Ihr Wirken in Zug, nach einem Jahr im Klub?

Kreis: Wir haben gute Fortschritte erzielt. Zug hatte 2013/14 ein schwieriges Jahr. Seither haben wir uns stabilisiert und eine gute Qualifikation gespielt. Dazu kommt, dass Ergebnisse nicht alles sind. Sie sind nur einer von vielen Massstäben.

Was sind denn die anderen?

Kreis: Die Aussendarstellung des Klubs, die Entwicklung der Spieler, die Umsetzung der Vereinsphilosophie.

Ihnen sind ja drei Dinge ins Pflichtenheft geschrieben worden: Den Nachwuchs fördern, attraktives Eishockey bieten und den Nachwuchs einbauen. Wie schafft man diesen Spagat?

Kreis: Erfolgreich musst du als Trainer überall sein. Den Klubkurs in Sachen Nachwuchsförderung trage ich voll mit. Es ist einfach eine Frage der Balance: Was macht für einen jungen Spieler Sinn? Wovon profitiert er? Und was die Attraktivität betrifft: Ich denke, dass wir diesen Punkt erfüllen. Es ist nicht so, dass wir hinten reinstehen und auf Fehler warten. Wir agieren proaktiv, versuchen Fehler zu provozieren. Ich denke, den Leuten gefällt das.

In der letzten Saison gelangen 166 Tore. Kein Team erzielte mehr Treffer.

Kreis: Das war ein schöner Wert, ja. Aber davon können wir uns heute nichts mehr kaufen. Ich weiss nicht, ob wir wieder die produktivste Offensive haben werden. Wenn nicht, müssen wir schauen, dass wir weniger Tore kassieren.

Sie predigten letzte Saison eine «Abwehr zuerst»-Mentalität. Gilt die noch?

Kreis: Ja. Ich habe mich in der vergangenen Saison ein paar Mal geärgert, weil wir uns auf sehr einfache Weise Gegentreffer eingefangen haben.

Wie wollen Sie das abstellen?

Kreis: Ganz einfach: Wir müssen konsequenter verteidigen.

Was wollen Sie sonst ändern?

Kreis: Wir haben uns vorgenommen, noch mehr Druck aufs Tor auszuüben und häufiger den Abschluss zu suchen. Es sind Nuancen, aber wir haben durchaus Steigerungspotenzial.

Warum haben Sie das Saisonziel so schwammig formuliert?

Kreis: Wieso schwammig? Wir wollen eines der Top-Teams der Liga sein.

Ist man ein Top-Team, wenn man es ins Playoff schafft?

Kreis: Für mich ist ein Top-Team eine Mannschaft, die es in die vordere Hälfte schafft. Also unter die besten sechs.

Im Vorjahr haben Sie es auf Platz 4 geschafft. Wie lange hat es Sie geärgert, dass Ihr Team die gute Ausgangslage gegen Davos nicht auszunutzen vermochte?

Kreis: Das war schon bitter. Wir waren lange dran, haben den Gegner gefordert. Aber es wäre mehr möglich gewesen, daran hatte ich schon zu kauen. Ich fand auch, dass wir Davos von allen Teams am meisten fordern konnten. Das war eine richtig gute Serie.

Nach dem Auftakt in Lugano kommt es bereits morgen Samstag zum Wiedersehen mit Meister Davos. Wie wichtig wäre Ihnen eine Playoff-Revanche?

Kreis: Wollen wir gewinnen? Klar. Aber wir dürfen nicht kopflos agieren oder die Emotionen überborden lassen. Ich kann mich daran erinnern, dass Davos über ein ziemlich gutes Powerplay verfügt.(lächelt)

Der EVZ hat wenig Transfers getätigt und muss darauf zählen, dass sich arrivierte Spieler verbessern. Wem trauen Sie es zu, den nächsten Schritt zu machen?

Kreis: Wir sind ein junges Team, viele profitieren nur schon davon, ein Jahr älter und somit reifer zu sein. Diesbezüglich erhoffe ich mir von Alatalo und Grossmann einiges.

Der wichtigste externe Zuzug heisst Jarkko Immonen. Wie zufrieden sind Sie mit ihm?

Kreis: Sehr zufrieden. Er ist ein Spieler, der uns in allen drei Zonen besser macht. Und er harmoniert gut mit Dario Bürgler und Pierre-Marc Bouchard.

Haben Sie keine Bedenken, dass er für die NLA zu langsam sein könnte?

Kreis: Nein. Denn sein Spiel ist nicht auf Schnelligkeit ausgelegt, sondern auf Übersicht, Positionsspiel, Puckkontrolle.

In der Vorbereitung lief es dem Team nicht nach Wunsch: In der Champions League verlor der EVZ jedes Spiel.

Kreis: Ja, wir haben uns das anders vorgestellt. Aber man muss schon differenzieren: Nur das Heimspiel gegen Tam­pere war schlecht. Danach haben wir uns deutlich gesteigert.

Die Spiele aber trotzdem verloren. Nagt das nicht am Selbstvertrauen?

Kreis: Davon gehe ich nicht aus. Die Stimmung ist gut, wir sind bereit für den Saisonstart.

* Zur Person

Harold Kreis firmiert seit Sommer 2014 als Trainer im EV Zug – und wurde vor wenigen Tagen zum zweiten Mal Grossvater. In seiner Karriere coachte der Deutschkanadier unter anderem Mannheim und Düsseldorf. Mit Lugano (2006) und den ZSC Lions (2008) wurde er Schweizer Meister.

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