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EISHOCKEY: Harold Kreis: «Man kann in Zug etwas bewegen»

Wie erwartet heisst der neue EVZ-Trainer Harold Kreis. In seinem ersten Interview erklärt der Deutsche, mit welcher Philosophie er im EVZ arbeiten will.
Interview Nicola Berger
Selbstbewusst und aggressiv - so will der neue Trainer Harold Kreis den EV Zug in der nächsten Saison sehen. (Bild: Keystone)

Selbstbewusst und aggressiv - so will der neue Trainer Harold Kreis den EV Zug in der nächsten Saison sehen. (Bild: Keystone)

Am Montagmorgen um 9 Uhr kommunizierte der EV Zug die Einigung mit Wunschkandidat Harold Kreis (55). Die Zuger Trainersucher, CEO Patrick Lengwiler und Neo-Sportchef Reto Kläy, hatten den Namen des deutschen Eishockeylehrers von Beginn weg zuoberst auf ihre Wunschliste gekritzelt – und wurden mit Kreis schnell einig. Der frühere Verteidiger gilt als ausgezeichneter Kommunikator, der viel Wert auf ein solides Defensivfundament legt. Zug ist nach Lugano (2006) und den ZSC Lions (2006–2008) seine dritte Trainerstation in der NLA. Er nimmt seine Arbeit beim EVZ am 1. Mai auf.

Harold Kreis, wieso wechseln Sie nach Zug und übernehmen nicht die Schweizer Nationalmannschaft?

Harold Kreis: Ich habe gegenüber dem Schweizer Verband relativ rasch kommuniziert, dass ich die Arbeit als Klubtrainer bevorzuge – als Nationalcoach hätte mir die tägliche Arbeit mit den Spielern gefehlt. Nach meiner Absage war ich dann sehr froh, dass die EVZ-Verantwortlichen gesagt haben: Du bist unser Mann (lacht).

Was reizt Sie an der Aufgabe in Zug?

Kreis:Ich sehe hier eine sehr professionelle Organisation mit viel Potenzial. Das letzte Jahr war schwierig, aber eine solche Saison kann es immer geben. Tobias Stephan, Robin Grossmann und Dario Bürgler sind hervorragende Verstärkungen. Und es ist schön, dass uns Reto Suri erhalten bleibt. Die Voraussetzungen sind gut, die Region steht hinter dem Klub. Ich denke, hier kann man etwas bewegen.

Sie duellierten sich im August mit Adler Mannheim in der Bossard-Arena mit dem EVZ. Welche Erinnerungen sind noch präsent?

Kreis:Das Stadion ist überragend. Mit Mannheim habe ich das gar nicht so genau registriert, ich war zu sehr auf das Spiel fokussiert. Aber ich habe mich auf der Vereinswebsite mit der Videokamera herumführen lassen und bin beeindruckt.

Sie feierten in der Schweiz mit Lugano und Zürich je einen Meistertitel. Das Land scheint ein gutes Pflaster für Sie zu sein.

Kreis: Das ist richtig. Meine Trainerkarriere begann 2002 ja in Davos, als ich erst die Elite-Junioren übernahm und dann Assistent von Arno Del Curto wurde. Das war ein sehr prägende Zeit. Ich freue mich, in die Schweiz zurückzukehren. Ich habe hier viele Freunde – im Eishockey wie privat.

2006 waren Sie in der NLB Coach des EHC Chur. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion übernahmen Sie in Lugano und wurden trotz einem 0:3-Rückstand im Playoff-Viertelfinal gegen Ambri noch Meister ...

Kreis:Das war schon ziemlich verrückt, so etwas kann man nicht planen. Wäre es damals anders gelaufen, würde ich mich heute vielleicht nicht auf der Trainer-Landkarte befinden.

Von 2010 bis zum letzten Dezember arbeiteten Sie in Mannheim, wie intensiv haben Sie das Schweizer Eishockey da noch verfolgt?

Kreis: Ich kriege das Schweizer Fernsehen in Deutschland leider nicht. Aber ich habe mir im Internet die Highlights angesehen. Aus Eigeninteresse – schliesslich kenne ich noch viele Spieler.

Warum hat es am Ende in Mannheim nicht mehr gepasst?

Kreis:Da gibt es nicht einen Grund. Es war ein Prozess, der mit unserem überraschenden Aus im Playoff-Viertelfinal von letzter Saison begann. Im Dezember haben sich dann beide Seiten für einen Schnitt entschieden.

Wie haben Sie die Monate seit der Trennung genutzt?

Kreis: Ich bin keiner, der herumsitzt, ich arbeite lieber. Aber wenn mir Probleme und ständige Abwechslung etwas ausmachen würden, wäre ich nicht Trainer geworden. Die Pause hat mir die Möglichkeit gegeben, mich in meiner Arbeit zu hinterfragen und bei manchen Punkten zu bestätigen. Das hat mir gut getan, im Trainerjob kommt Selbstreflexion manchmal zu kurz.

Unter Ihrem Vorgänger Doug Shedden spielte Zug im 1-3-1-System, Sie präferieren ein 1-2-2. Wie spielt der EVZ nächstes Jahr?

Kreis:Zur Taktik kann ich mich noch nicht äussern, dafür ist es zu früh. Ich kann aber sagen, dass ich kein Freund davon bin, die Spielweise auf einen Gegner auszurichten. Wir wollen selbstbewusst und aggressiv auftreten, unser eigenes Spiel machen.

Dem EVZ fehlen noch drei Ausländer. Wie schnell möchten Sie diese Pendenzen erledigt haben?

Kreis: Wir haben da keinen Druck. Es gibt viel Zeit und noch mehr Spieler. Ein Schnellschuss wäre nicht das Richtige.

Begeisterung um Kreis, Fragen um Loeffel

nbe. Die Anstellung von Harold Kreis hat dem EVZ rundherum gute Kritik eingebracht. Die NZZ lobte: «Kreis bringt dem EVZ Substanz.» Und SCB-Kanadier Glen Metropolit (39) – er wurde mit Kreis 2006 in Lugano Meister – sagt: «Zug hat den richtigen Mann geholt. Er hat in Lugano alles richtig gemacht. Seine Erfolge sprechen für ihn.»

Im EVZ selbst war die Erleichterung gross, den Vertrag mit dem Wunschkandidaten unter Dach und Fach gebracht zu haben. CEO Patrick Leng­wiler sagt: «Er hat auf uns in den Gesprächen einen hervorragenden Eindruck gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass er uns weiterbringt.» Ähnlich äussert sich der neue Sportchef Reto Kläy (35), der am Sonntag mit Langenthal aus dem NLB-Playoff flog. Kläy sagt: «Kreis erfüllt alle unsere Anforderungen. Er hat Profil und ist für uns der richtige Mann.»

Gemeinsam mit seinem neuen Trainer ist Kläy bereits daran, die Kaderplanung für die Saison 2014/15 voranzutreiben. Offen sind im EVZ nur noch drei Planstellen für Ausländer. Bislang zeichnete sich ab, dass der EVZ neben dem arrivierten Josh Holden (36) drei weitere ausländische Angreifer verpflichtet. Doch der Manager ist von diesem Vorhaben inzwischen abgerückt. Er sagt: «Ich gehe davon aus, dass wir einen ausländischen Verteidiger verpflichten werden.»

Prozesslust ist gesunken

Auf den ersten Blick überrascht das, schliesslich stehen bei den Zugern mit Alatalo, Blaser, Erni, Grossmann, Lüthi Morant, Ramholt und Loeffel bereits acht Verteidiger unter Vertrag. Letzterer hat in Zug ja eine Vereinbarung über zwei Jahre unterschrieben, doch es war von Beginn weg klar, dass der Transfer zu Komplikationen führen wird. Denn: Im Prinzip liegen die Rechte am 15-fachen Nationalspieler bis 2015 bei Servette. Der 24-Jährige und sein Agent Gérald Metroz sagten in Zug darum zu, weil sie den Vertrag für nichtig halten (Loeffel wurde ohne sein Einverständnis von Fribourg an Servette abgegeben), inzwischen scheint die Prozesslust im «Camp Loeffel» indes gesunken. Offenbar fürchtet der Spieler, dass sich ein allfälliger Gerichtsfall hinziehen könnte – und er im Herbst zwischen Stuhl und Bank steht.

Gibt es in diesem Fall keine Wende, wird der EVZ frühestens ab 2015/16 mit Loeffel planen können – oder gar nicht. Kläy beziffert die Chancen auf einen Wechsel Loeffels im Sommer auf «60 zu 40, wenn nicht tiefer».

Linus Omark wäre zu haben

Aktuell kann der EVZ mit dem Abwehrmann also nicht rechnen, was die Planung völlig verändert – schliesslich war Loeffel für die Organisation des Powerplays vorgesehen gewesen. Kläy muss nun beweisen, dass er bei der Fahndung nach einem ausländischen «Blueliner» eine bessere Spürnase besitzt als seine Vorgänger Jakub Horak und mit Abstrichen auch Patrick Lengwiler: Seit dem Abgang von Micki Dupont (2010 zu Kloten) griffen die Zuger bei Andy Wozniewski und Andrew Hutchinson gleich zweimal gründlich daneben.

Neben dem Defensivspezialisten sucht Kläy nach je einem Center und Flügelstürmer. Angeboten wurde den Zugern mit Linus Omark (27) dabei ein alter Bekannter. Der Schwede war 2012/13 mit 69 Punkten Liga-Topskorer geworden.

Nachdem ihm der Durchbruch in der NHL (Edmonton, Buffalo) verwehrt blieb, schloss er sich Lulea an – auf die nächste Spielzeit hin möchte er sich jedoch erneut ins Ausland verändern. In Zug scheint das Interesse an der einstigen Attraktion bislang nur lauwarm, dem Vernehmen nach suchen die Verantwortlichen nach einer Kraft mit ausgeprägterem defensiven Gewissen.

Dieses muss auch der neue Mittelstürmer mitbringen. Die Zuger suchen nach einem Zweiweg-Center mit Skorerqualitäten und «Wasserverdrängung». Die Spezies ist aussterbend, gerade auf dem europäischen Markt – die Suche kündigt sich jedenfalls anspruchsvoll an. Kein Wunder sagt Kläy: «Wir werden uns bei der Selektion der Ausländer Zeit lassen.»

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