EISHOCKEY: Harold Kreis: «Wir finden einen Weg zum Erfolg»

Der EVZ stellt den Topskorer, den produktivsten Verteidiger und besten Spieler mit Schweizer Pass. Vor den Playoffs begegnet den Zugern dennoch Skepsis – ein Gespräch mit dem Trainer.

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Verschwendet keinen Gedanken an ein vorzeitiges Ausscheiden: Harold Kreis (Bildmitte) und der EVZ starten am Donnerstag gegen Lugano in die Viertelfinalserie. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Verschwendet keinen Gedanken an ein vorzeitiges Ausscheiden: Harold Kreis (Bildmitte) und der EVZ starten am Donnerstag gegen Lugano in die Viertelfinalserie. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Interview Andreas Ineichen

Harold Kreis, was für ein Verhältnis haben Sie zu Lugano-Trainer Doug Shedden?

Harold Kreis: Gar keines. Als Doug Shedden Trainer in Zug war, habe ich ihn ab und zu mal etwas am Telefon gefragt. Wir grüssen uns, aber wir kennen uns nicht näher.

Stört es Sie, dass Sie wegen Ihres Wesens und Wirkens als «Anti-Shedden» schubladisiert werden?

Kreis: Nach so langer Zeit im Geschäft überrascht mich eigentlich nichts mehr. Ich bin, wer ich bin, und ich fühle mich wohl in meiner Haut. Ich bin authentisch, ich erreiche meine Spieler, und darum bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihre Frage so zur Kenntnis zu nehmen.

Sie hätten auch getrost antworten können, dass es Ihre besonnene Art nach sechs Jahren Doug Shedden in Zug gebraucht hat.

Kreis: Was vor meiner Zeit war, kann ich schlecht beurteilen, weil ich nicht weiss, was war. Natürlich konnte ich mir vorstellen, dass die Stimmung keine gute war, wenn man plötzlich in der Abstiegsrunde stand bei den Erwartungen, die vorhanden waren. Aber ich bin ein Mensch und Trainer, der stets nach vorne schaut.

Wie viel Shedden steckt zwei Jahre nach dessen Abgang noch in Zug?

Kreis: Da müssen Sie die Leute fragen, die beides vergleichen können. Aber es ist so in unserer Sportart, dass die Leute kommen und gehen. Wichtig ist, dass der Klub eine Identität vorlebt, eine Vorstellung hat von seinem Auftritt, dass er Spieler verpflichtet, die dem entsprechen, und einen Trainer, der zum Ganzen passt. Bei uns ist Ihre Frage kein grosses Thema. Es gab in der Zwischenzeit auch Spielerwechsel beim EV Zug, und ich glaube, dass auch die Spieler vorwärtsschauen. Aber eine interessante Konstellation ist es alleweil, wenn der ehemalige gegen den aktuellen Trainer eines Vereins antritt.

Wie hätten Sie vor zehn Jahren reagiert, wenn Sie damals gewusst hätten, dass Lugano nach Ihrem Titelgewinn keine einzige Playoff-Serie mehr gewinnen sollte? Eine verrückte Geschichte!

Kreis: Das ist Sport, es ist wirklich schwierig zu gewinnen. Danach war ich noch zwei Jahre in der Schweiz, bei den ZSC Lions (Titelgewinn 2008, Anm. d. Red.), später im Ausland. Ich habe mich nur noch am Rande darum gekümmert, was in der Schweiz läuft. Aber Sport ist verrückt, und klar auch, dass wir Luganos Serie fortsetzen wollen.

Wie werden Sie in Lugano empfangen, wenn Sie wie am letzten Freitag mit Zug ankommen?

Kreis: Empfangen ist ein grosses Wort, aber an die Leute, an die ich mich noch erinnern kann, mit denen tausche ich ein herzliches Hallo aus. Und dann geht es gleich wieder an die Arbeit.

Und wie sieht es aus mit den Spielern, die beim letzten Titelgewinn schon im Team waren? Da sind ja noch ein paar dabei?

Kreis: Ja, ein Vauclair, Hirschi und ­Reuille kommen mir in den Sinn. Reuille stand am Freitag nach der Partie noch im Kabinengang, darum habe ich ihn begrüsst. Aber ich muss gestehen, dass ich mit den Spielern keinen Kontakt mehr habe.

Was bleibt Ihnen als Coach von der abgelaufenen Qualifikation mit Zug als Höhepunkt?

Kreis: Die Konstanz des Teams, über 50 Spiele hinweg. Es gab keinen richtigen Durchhänger, aber auch keinen Höhenflug, wir haben Punkte liegen gelassen und erkämpft. Mir bleibt eine mannschaftlich geschlossene Leistung in Erinnerung, aber gleichzeitig auch Spieler, die im individuellen Bereich für Aufsehen gesorgt haben: Bouchard ist Topskorer der Liga, Sondell der Verteidiger mit den meisten Punkten und Martschini der produktivste Schweizer Spieler. Es freut mich, dass sie Anerkennung für ihre Leistungen bekommen werden.

Aber im Playoff ist das wertlos.

Kreis: Richtig. Da wird ein ganz anderes Hockey gespielt, es liegt mehr Druck auf den Spielern, es bedarf mehr guter Entscheidungen im Spiel unter erschwerten Bedingungen. Man muss sich auf seine Aufgabe konzentrieren und dann sogleich erholen. Sich über ein Spiel, über eine Situation darin, aufzuregen, bringt nichts. Man muss spielen, es beurteilen und gleich wieder spielen. Das ist eine hohe Beanspruchung.

Und einen Tiefpunkt in der Qualifikation – gab es den auch?

Kreis: Nein. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mir vereinzelt auch gedacht habe: «Menschenskind, was haben wir denn da gemacht?», aber nur bis zum Montag, bis zum nächsten Training. Ich habe die Mannschaft zur Rechenschaft gezogen, und dann ging es aber weiter. Was mir persönlich leidtat, sind die Verletzungen eines Lukas Sieber, der kurz nach der Verpflichtung ausfiel, oder Nicolas Thibaudeau. Aber von einem Tiefpunkt kann ich nicht reden. Gott sei Dank, da habe ich schon anderes erlebt.

Ihre Mannschaft hat zuletzt nicht überzeugt. Wie entgegnen Sie Leuten, die kein gutes Gefühl im Hinblick auf die Playoffs der Zuger haben?

Kreis: Wenn ein Aussenstehender so denkt, kann ich das nachvollziehen. Wir haben zuletzt keinen so starken Eindruck hinterlassen. Aber als Coach kenne ich das Innenleben der Mannschaft, die Psyche auch. Man darf nicht ausser Acht lassen, dass wir uns als damals zweitplatziertes Team frühzeitig für die Playoffs qualifiziert haben, dass gleich danach Gegner kamen, die uns nicht aus der Reserve gelockt haben. Die Begegnungen gegen Davos waren wichtig, auch jene gegen Lugano – sie haben uns auf ein Niveau geholt, das wir brauchen. Weil ich das Innenleben der Mannschaft kenne, bin ich für die Playoffs zuversichtlich.

Wie bereiten Sie Ihre Mannschaft ganz spezifisch auf die Playoffs vor? Wo setzen Sie die Reizpunkte?

Kreis: Ich bin kein Trainer, der auf lange Trainingseinheiten setzt. Nun werde ich sie von 70 auf 50 Minuten reduzieren. Es geht um Feinschliff, um Regeneration. Zudem schauen wir uns im Video an, wie Lugano seine Chancen kreiert und umgekehrt, die Über- und Unterzahlspiele auch. Aber wir haben in der Qualifikation sechs Mal gegeneinander gespielt, darum wissen wir, was auf uns zukommt.

Doug Shedden weiss ganz genau, dass ihn ein Gegner erwartet, der seine Stärken im spielerischen Bereich hat. Darum hat er am Freitag sein Team wohl angewiesen, seine physische Komponente herauszustreichen, obwohl sein Team auch eher spielerisch veranlagt ist. War das also bloss ein Schauspiel?

Kreis: Nein, das glaube ich nicht. Mit Shedden ist Lugano stabiler und konsequenter geworden. Aber dass man uns physisch angeht, das kennen wir auch von anderen Gegnern. Jedes Team versucht, sich einen Vorteil zu erkämpfen.

Mit dem Preis, dass gegen die Luganesi Julien Vauclair und Grégory Hofmann Verfahren laufen?

Kreis: Mich nimmt Wunder, was das Ergebnis sein wird. Vauclair als Führungsperson und Hofmann als talentierter Stürmer sind zwei wichtige Spieler für Lugano. Aber ich weiss auch, dass Damien Brunner im ersten Spiel gegen uns zurückkehren wird und Tim Stapleton gegen Ambri gespielt hat.

Bouchard ist der wichtigste Feldspieler im EV Zug. Was macht Sie sicher, dass der beste Skorer der Qualifikation nicht wieder abtaucht in den Playoffs?

Kreis: Schwer zu sagen, was mit den Spielern passieren wird. Sehen Sie: Nolan Diem spielte in der letzten Saison eine gute Qualifikation, ehe er in den Playoffs eine wichtige Rolle für uns eingenommen hat. Die Playoffs haben eigene Gesetze. Unter erschwerten Bedingungen muss sich jeder so gut wie möglich in Szene setzen, gerade die Schlüsselspieler werden enger gedeckt. Ich bin überzeugt, dass wir einen Weg zum Erfolg finden werden.

Bei Bouchard ist es allerdings so, dass die nächste Gehirnerschütterung sein Karrierenende bedeuten kann.

Kreis: Ja, aber das ist kein Thema. Er scheut sich vor keinem Zweikampf, er ist ein intelligenter Spieler. Schliesslich fährt man ja auch nicht mit der Haltung Auto, dass ein Unfall passieren könnte. Jeder Spieler muss sich zuerst selber schützen, aber die Provokationen gegen die Topspieler müssen aufhören. Die Schiedsrichter müssen von Anfang an klarmachen, was geduldet wird und was nicht.

Was wäre, wenn Zug abermals in der Viertelfinalserie scheitern sollte?

Kreis: Daran verschwende ich keinen Gedanken. Ich fokussiere mich bloss auf Donnerstag.

Welche Bedeutung hat der Heimvorteil der Zuger auf die Viertelfinalserie?

Kreis: Wir sind auswärts stark, aber das trifft auch auf Lugano zu. In beiden Stadien wird eine gute Stimmung herrschen, aber wir werden uns in der Resega nicht ablenken lassen, und ich gehe davon aus, dass das auch Lugano gelingen wird. Der Heimvorteil wird wohl kein grosser Vorteil sein.