Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

EISHOCKEY: Heimkehr und ein Herzinfarkt

Doug Shedden prägte den EV Zug während Jahren. Heute kehrt der Kanadier in die Bossard-Arena zurück: als Trainer des HC Lugano.
Unter Doug Shedden hat der HC Lugano in sechs Partien vier Siege geholt. (Bild: Keystone/Francesca Agosta)

Unter Doug Shedden hat der HC Lugano in sechs Partien vier Siege geholt. (Bild: Keystone/Francesca Agosta)

Nicola Berger, Lugano

Es ist ein Montag im November, und über Lugano lacht, natürlich, die Sonne. Doug Shedden (54) blinzelt ins Licht und sagt: «Es ist das fucking Paradies.» Man merkt: Der Trainer ist seinem kernigen Vokabular treu geblieben. Doch hinter der Aussage steckt mehr als Sheddens Faible für Kraftausdrücke und die geografischen Vorzüge des Südtessins: Das stolze Lugano mit seiner Armada an prominenten Spielern und schier endlosen finanziellen Möglichkeiten ist für ihn auch arbeitstechnisch eine Art Garten Eden.

Ein Ende mit Schrecken in Zagreb

Denn Shedden hat lange auf eine solche Chance warten müssen. Seit er im März 2014 einem Frühlingsputz im EV Zug zum Opfer fiel, kämpfte er mit Widrigkeiten – ein Intermezzo beim KHL-Klub Medvescak Zagreb endete unversöhnlich: Zwar unterschrieb Shedden im Frühjahr eine Vertragsverlängerung, doch wenige Wochen nach dem Abschluss wurde ihm beschieden, es fehle an Geld, wolle er bleiben, müsse er eine Lohneinbusse von 70 Prozent in Kauf nehmen. Der Vertrag wurde aufgelöst, doch noch ist eine Tranche über 80 000 Dollar nicht bezahlt worden – auch diverse Spieler warten auf ihr Geld. Der Klub stellte zudem ohne Vorwarnung die Zahlungen für Sheddens Apartment ein. Die Wohnung wurde geräumt, die Habseligkeiten landeten zerwühlt in einer verdreckten Garage. Shedden verzieht das Gesicht und sagt: «Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich den Job nicht mehr annehmen.»

Kein Interesse vom Nationalteam

Schon als er in Zagreb unterschrieb, im Oktober 2014, hätte er es vorgezogen, in der Schweiz zu bleiben. Doch das Telefon blieb stumm, Anfragen gab es keine. Der Agent Daniel Giger versuchte, Shedden als Nationaltrainer zu portieren, doch die Verantwortlichen schlossen ein Engagement kategorisch aus. Auch anderswo blieben die Türen verschlossen, Sheddens Ruf war angeschlagen – unter anderem auch wegen der Berichterstattung des Boulevards. Shedden sagt: «Es ist mir egal, was andere von mir denken. Man muss mich nicht mögen. Aber es hat mich gestört, dass Unwahrheiten über mich verbreitet wurden.» Worauf Shedden anspricht: In der Branche tauchten immer wieder Gerüchte auf, der Kanadier sei dem Alkohol verfallen – anders sei die stets rötliche Gesichtsfarbe doch nicht zu erklären. Nun, die Begründung ist eben doch eine andere: Shedden leidet an Hämochromatose, einer erblich bedingten Eisenspeicherkrankheit.

Das Lob von Lengwiler

Auch in Lugano, hört man, sei der Name Shedden in der ersten Evaluation nach der Entlassung von Patrick Fischer von Mitte Oktober ein «rotes Tuch» gewesen, wie einer berichtet, der es wissen muss. Doch die bereits in Zug unter Shedden aktiven Lugano-Profis Alessandro Chiesa und Damien Brunner machten sich für den Trainer stark, zudem stellte man ihm im EVZ beste Referenzen aus. Der CEO Patrick Lengwiler sagt: «Für meine Begriffe hat Shedden zu Unrecht diesen schlechten Ruf. Er hat bei uns sehr erfolgreich gearbeitet und verfügt über viele Qualitäten.»

Den Weg zum EVZ hatte Shedden im Sommer 2008 von Finnland aus gefunden – und in den Tagen vor der Unterschrift in Zug auch mit Lugano verhandelt. Es gelang ihm, der grauen Maus EVZ ein Profil zu verleihen, unter ihm erlebte der Klub seine offensiven Flugjahre und stellte zwischen 2011 und 2013 mit Glen Metropolit, Damien Brunner und Linus Omark drei Mal in Serie den Liga-Topskorer. Fünf Mal in Folge erreichte das Team den Halbfinal, und 2013 fehlte gegen den SC Bern nur ein Sieg zum Finaleinzug. Die Ära endete 2014, einen Winter vor Vertragsende – der EVZ hatte Fehleinschätzungen auf dem Transfermarkt (Kilpeläinen, Boucher, Schremp, Hutchinson) mit dem Sturz ins Playout bezahlt.

Zusammenbruch in Kloten

Die finale Saison in Zug machte Shedden zu schaffen – auch gesundheitlich. Bei der 1:3-Niederlage gegen Kloten vom 3. Dezember 2013 brach Shedden nach einer Kabinenpredigt beinahe zusammen; der Assistenztrainer Waltteri Immonen musste ihn stützen. Es war der erste von mehreren Vorboten dafür, was folgen sollte: Am 29. April, seinem 53. Geburtstag, erlitt Shedden in Florida einen Herzinfarkt. Er sagt: «Ich wollte fischen gehen, fühlte mich aber nicht gut. Irgendwann begann sich mein Brustkorb zusammenzuziehen. Auf das Drängen meiner Frau fuhr ich ins Spital. Der Doktor sagte zu mir: Sie haben grosses Glück gehabt, Sie hatten gerade einen Herzinfarkt. Ich wollte das nicht wahrhaben und entgegnete: Ich hätte gerne eine zweite Meinung, kann ich jetzt gehen? Er sagte: ‹Wenn Sie jetzt durch diese Türe gehen, brechen Sie auf dem Parkplatz zusammen und sterben.› Erst da wurde mir bewusst, wie ernst die Sache ist. Und im Nachhinein musste ich feststellen, dass mein Körper mehrfach Alarm geschlagen hat. Ich hatte keine Energie mehr, konnte kaum noch mehr als einen Kilometer joggen. Aber ich ignorierte die Warnungen.»

Verzicht auf Steaks

Heute ist das anders. Shedden hat seine Ernährung umgestellt, er verzichtet jetzt auf Steaks, geht regelmässig zu Check-ups und sagt, die Schiedsrichter würden ihn nicht mehr zur Weissglut treiben. Den Job in Lugano empfindet er als belebend, die Aufgabe gebe ihm Energie. Er sagt: «Ich wollte eine zweite Chance in der Schweiz. Die habe ich erhalten. Jetzt liegt es an mir, etwas daraus zu machen.» Bisher läuft es so schlecht nicht, aus den ersten sechs Spielen resultierten vier Siege, und Damien Brunner, Sheddens Zögling aus Zuger Tagen, wirkt wie neugeboren.

Heute kehrt das Duo in die Bossard-Arena zurück, an die alte Wirkungsstätte. Shedden sagt: «Für mich wird das ein emotionaler Abend. Ich hatte in Zug eine wunderschöne Zeit.»

Er hat das nicht vergessen. Obwohl er jetzt im Paradies lebt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.