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EISHOCKEY: Holden und der ewige Frühling

Im Januar wird Josh Holden 38 Jahre alt. Noch immer produziert der Kanadier mehr als einen Skorerpunkt pro Spiel – und bringt so den EV Zug in die Bredouille.
Daumen hoch: Josh Holden präsentiert sich in dieser Saison in Hochform. (Bild: Freshfocus/Andy Mueller)

Daumen hoch: Josh Holden präsentiert sich in dieser Saison in Hochform. (Bild: Freshfocus/Andy Mueller)

Nicola Berger

Es war irgendwann im Herbst 2007, als sich zwei Männer in Luzern zu einem Rendezvous trafen, welches den EV Zug prägen sollte, für fast eine Dekade. Während dreier Stunden versuchte Patrick Lengwiler, zu diesem Zeitpunkt Sportchef beim EV Zug, den Angreifer Josh Holden von einem Wechsel zum EVZ zu überzeugen. Holden stürmte damals im Emmental, bei den SCL Tigers, er fühlte sich dort wohl. Lengwiler redete viel, und er hörte zu, was nicht unwichtig ist, weil die Manager das manchmal vergessen. Er skizzierte Holden eine Zukunft voller Verheissung. Da waren die mittelfristige Perspektive des Einzugs in die Bossard-Arena und auch die Absichtserklärung, um den Eckpfeiler Holden eine Meistermannschaft aufzubauen. Er als Aushängeschild: Das Bildschmeicheltedem ehemaligen NHL- Erstrundendraft, er ist nicht uneitel, der Transfer klappte; Holden wurde auf Anhieb zum teuersten Spieler im Team.

Viel Licht und Schatten

Acht Jahre sind seither ins Land gezogen, es ist viel passiert. Holden brillierte als Aggressivleader, er gab dem EVZ Konturen – und produzierte in seinen ersten drei Jahren im Klub stets mindestens einen Punkt pro Spiel. 2009/10 wurde er in einer Publikumswahl zum beliebtesten Spieler der Liga gewählt. Der Vorgang wäre heute unvorstellbar, denn da war nicht nur Licht, sondern auch viel Schatten. Achtmal wurde Holden von der Liga wegen teils rüden Fouls gesperrt, die Vergehen haben ihn viel Kredit gekostet. Auch intern kämpfte er mit Schwierigkeiten: Im Dezember 2013 kritisierte er seine Teamkollegen in der Öffentlichkeit harsch, was vorübergehend für ein, sagen wir, unterkühltes Verhältnis zu Teilen der Mannschaft sorgte. Holden hatte zu diesem Zeitpunkt intern ohnehin einen schweren Stand, denn nicht alle goutierten sein sehr enges Verhältnis zum Trainer Doug Shedden; hinter vorgehaltener Hand mokierten sich Mitspieler darüber, Holden diktiere heimlich die Aufstellung.

Als Shedden im März 2014 entlassen wurde, gab das Holden die Chance, sich neu zu erfinden. Das sagt sich leicht, aber es gibt einfachere Dinge im Alter von 36 Jahren. Man muss es Holden deshalb hoch anrechnen, dass ihm das Unterfangen gelungen ist. Er überlässt das Scheinwerferlicht jetzt auch einmal den Mitspielern – und begreift sich im jungen Zuger Ensemble immer stärker auch als Mentor.

Holden zieht die Option nicht

Die Frage ist nur, ob er die Rolle auch in der kommenden Saison noch ausfüllen wird. Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, und ein erster Entscheid ist bereits gefallen: Bis zum 31. Dezember könnte er eine Option ziehen, die ihm einen zweijährigen Anschlussvertrag in einer zu definierenden Funktion (Academy-Trainer?) innerhalb der EVZ-Organisation garantiert. Holden wird die Frist verstreichen lassen, er sagt: «Ich fühle mich gut und würde gerne weiterspielen.» Der Entschluss kommt wenig überraschend, mit neun Toren und 16 Assists aus 20 Partien liegt Holden in der NLA-Skorerliste auf dem sechsten Platz, er erlebt gerade seinen x-ten Frühling. Sein Punkteschnitt ist der mit Abstand beste seit 2010/11, der Trainer Harold Kreis sagt: «In der momentanen Verfassung ist er noch immer einer der besten Ausländer der Liga.»

Dieser Einschätzung dürfte in diesen Tagen kaum jemand widersprechen, was wiederum den Sportchef Reto Kläy in die Bredouille bringt. Es hatte klubintern Gedankenspiele darüber gegeben, Holden für 2016/17 als fünften Ausländer zu beschäftigen – und ihn auch im neuen NLB-Team einzusetzen. Der Plan wird sich kaum mehr realisieren lassen, denn mit seinen Leistungen hat Holden offenbar auch andere Teams auf sich aufmerksam gemacht; sein Agent Daniel Giger berichtet vom Interesse zweier NLA-Organisationen. Ob das einfach Taktik ist? Möglicherweise. Aber fraglos hat Holden seine Verhandlungsposition in den letzten Wochen markant verbessert. Er sagt: «Ich hoffe, dass sich bis Ende Dezember abzeichnet, in welche Richtung es geht.»

Klar ist: Die Chancen, dass Holden im nächsten Herbst in seine neunte EVZ-Saison startet, sind relativ hoch – zumal er bei den wichtigsten Entscheidungsträgern – dem Präsidenten Hans-Peter Strebel und dem CEO Patrick Lengwiler – über ein ausgezeichnetes Standing verfügt.

Schweizer Pass wohl erst 2017

Und doch ist der neue Vertrag nicht einfach Formsache. Der Manager Kläy sagt: «Wir haben in dieser Angelegenheit keinen Zeitdruck.» Ein wichtiger Faktor bei den Verhandlungen ist unverändert, ob und wann Holden den Schweizer Pass erhält und das Ausländerkontingent nicht mehr belastet. Beim EVZ geht man davon aus, dass der Center frühestens 2017 eingebürgert wird – 2016/17 würde er also unverändert als Ausländer gelten.

Holden macht keinen Hehl daraus, dass er einen Verbleib in Zug einem Wechsel vorzieht. Er sagt: «Meine Familie fühlt sich hier sehr wohl, und der EVZ hat acht Jahre in mich investiert. So etwas kommt nicht oft vor, darum wäre es schön, könnte ich meine Karriere irgendwann in Zug beenden.»

Vorher jedoch soll sich erfüllen, was im Herbst 2007 im schicksalhaften Vieraugengespräch von Luzern umrissen worden war: der zweite Meistertitel der EVZ-Klubgeschichte. Mit Josh Holden in einer Hauptrolle.

Zug ohne Zangger, HCL mit Stapleton

Personelles nbe. Der EV Zug versucht heute in Lugano, Revanche für die 3:4-Niederlage im hitzigen Vergleich mit Lugano vom Samstag in der Bossard-Arena zu nehmen. Der Trainer Harold Kreis kann dabei bis auf den Angreifer Sandro Zangger (Schulterverletzung, fehlt 1 bis 2 Wochen) und den rekonvaleszenten Simon Lüthi auf alle Kräfte zählen. Im HC Lugano wird derweil das Debüt des zu Wochenbeginn vom EHC Biel verpflichteten Tim Stapleton (33) erwartet. Der Coach Doug Shedden hatte Stapleton schon während seiner Zeit in Zug mehrfach verpflichten wollen – nun fand die Amour fou in Lugano endlich ihr Happy End. Stapleton dürfte neben dem ehemaligen EVZ-Topskorer Damien Brunner zum Einsatz kommen.

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