EISHOCKEY: In der VIP-Loge reden sie über Suri

Zugs Stürmer Reto Suri (28) ist wohl der interessanteste Spieler im Schweizer WM-Team. Hartnäckig hält sich das Gerücht, er könnte den EV Zug vorzeitig verlassen. Was ist da dran?

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Wichtiger Bestandteil des WM-Silberteams 2013 und auch jetzt wieder im Aufgebot: Reto Suri. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Biel, 16. Dezember 2016))

Wichtiger Bestandteil des WM-Silberteams 2013 und auch jetzt wieder im Aufgebot: Reto Suri. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Biel, 16. Dezember 2016))

Klaus Zaugg

sport@luzernerzeitung.ch

Nach dem letzten WM-Testspiel in Genf wird nach der Nomination des Teams kein Spieler so von Chronisten belagert wie Reto Suri. Aus mehreren Gründen: Erstens kommt sein WM-Aufgebot überraschend, zweitens spricht er nach seinem Gastspiel bei Ser­vette (2008 bis 2010) fliessend französisch und ist damit bei den welschen Radiostationen ein gefragter Mann, drittens gehörte er zum WM-Silberteam von 2013, und viertens gibt es diese hartnäckigen Gerüchte, er könnte Zug vor Ablauf seines Vertrags verlassen. Zugs Sportchef Reto Kläy hat in der Vergangenheit ja schon Spieler getauscht (Schlumpf für Bertaggia) oder vorzeitig aus einem Vertrag wegtransferiert (Bürgler, Sondell).

Die Ausgangslage ist tatsächlich interessant. Reto Suri hat beim EVZ dreimal hintereinander mehr als 30 Punkte produziert (2013/14: 49, 2014/15: 41, 2015/16: 37). Letzte Saison waren es nur noch 20, und er hat vom Skorer zum Defensivstürmer mutiert. Weil er nun mehr im Boxplay als im Powerplay zum Zuge kam, hatte er trotzdem seine Eiszeit. Und er erzielte eines der wichtigsten Tore der Saison in der Verlängerung des dritten Finalspiels in Bern zum 2:1 – den Treffer, der die Zuger zurückbrachte und erst die richtige Final-Euphorie in der Stadt entfachte.

Kläy: «Da ist wirklich nichts dran»

Und doch bleibt die Frage, ob er so seinen Marktwert erhalten kann. In zwei Jahren läuft der Vertrag aus, und soeben ist auch das Arbeitsverhältnis mit Trainer Harold Kreis um zwei Jahre bis 2019 verlängert worden. Ein Rollenwechsel ist nicht wahrscheinlich. 2019 wird Reto Suri 30 Jahre alt sein, und als Defensivstürmer dürfte er nicht mehr den gleichen Marktwert haben wie ein Skorer. Zug hat vor einem Jahr mit Dario Bürgler einen Stürmer aus dem laufenden Vertrag nach Lugano transferiert, dessen Produktion ähnlich wie jene von Reto Suri zurückgegangen war. «Die Situation von Bürgler und Suri ist nicht vergleichbar», sagt Zugs Sportchef Reto Kläy. «Dario (Bürgler) war nicht mehr zufrieden mit seiner Situation und wir auch nicht. So kamen wir gemeinsam zur Entscheidung, dass ein Wechsel für beide Seiten die beste Lösung ist, zumal nach einer auch für uns unbefriedigenden Saison. Bei Reto (Suri) ist es anders. Er akzeptiert die neue Rolle und hat einen grossen Anteil an der erfolgreichen Saison.» Er schätze Reto Suri auch als starke Spielerpersönlichkeit sehr, und beide Seiten seien mit der Situation nicht unzufrieden. Ein Transfer sei noch gar nie ein Thema gewesen. Dass Gerüchte umgehen, könnte er zwar verstehen. «Aber da ist wirklich nichts dran.»

Nur keine kritischen Äusserungen

Reto Suri bestätigt die Sichtweise seines Sportchefs und sagt, er sei nach Zug gekommen, um hier etwas aufzubauen, und die Mission sei noch lange nicht erfüllt. Einerseits akzeptiert er den Rollenwechsel, und andererseits könne sich die Situation wieder ändern. «Im nächsten August beginnt alles wieder von vorne.» Und ein Problem habe er mit Harold Kreis ganz sicher nicht.

Kluge Spieler und Sportchefs vermeiden sorgsam kritische Äusserungen in der Öffentlichkeit, die bloss zu Unfrieden und letztlich auch zum Verlust des Markt- und Transferwertes eines Spielers führen. Ist also an den Gerüchten doch was dran? Natürlich sind andere Sportchefs interessiert. Lausanne, Fribourg oder Lugano würden die Mittel aufbringen, um Reto Suri zu transferieren. Aber jeder Sportchef mit einer «Transferkriegskasse» geht Gerüchten nach und sondiert den Markt. Dass gerade rund ums WM-Vorbereitungsspiel in Genf diese Gerüchte fleissig und auch in der VIP-Loge umgingen, will wenig heissen.

So oder so steht Reto Suri vor einer interessanten WM. 2013 kam er als Neuling ins Team und hatte zu Turnierbeginn keinen Stammplatz. Am Ende war er mit 5 Toren und 3 Assists und einem verwerteten Penalty gegen Kanada eines der offensiven Alphatiere des WM-Silberteams – inklusive Angebot aus der NHL. Doch er schätzte seine Situation realistisch ein und blieb in Zug. In drei Titelturnieren (Olympia 2014, WM 2014 und 2015) vermochte er seither die offensiven Erwartungen nicht mehr zu erfüllen (18 Spiele/2 Tore/2 Assists). Und doch ist er nun zurück im WM-Team. In der gleichen neuen Rolle wie in Zug: als Defensivstürmer und Boxplay-Spezialist, aber auch als «Energiespieler», der das Spiel befeuert. Im letzten WM-Testspiel in Genf gegen Kanada (1:4) war er im Boxplay der beste Schweizer. Für die WM ist er zuversichtlich. Er mag zwar nicht verkünden, man werde wieder wie 2013 den Final erreichen. Aber er sagt: «Erfolg gibt es nur, wenn alle glauben, dass es möglich ist.» Und dieser Glaube sei da. Es ist immer alles möglich. Wer hätte denn gedacht, dass Zug 2017 den Final erreicht?