EISHOCKEY: «Josh Holden ist unsere Hoffnung»

Der EV Zug hinkt hinter den Playoff-Plätzen her. Präsident Roland Staerkle redet über die Probleme, die Ausländerpolitik und die Rückkehr von Leitwolf Josh Holden.

Interview Andreas Ineichen
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Bald wieder auf dem Eis statt hinter der Bande: Josh Holden (rechts). (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Bald wieder auf dem Eis statt hinter der Bande: Josh Holden (rechts). (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Roland Staerkle, Sie haben sich den Ruf eines gelassenen Präsidenten erworben. Wie steht es nach dem 2:6 in Davos um Ihr Befinden?

Roland Staerkle: Unsere Situation gibt mir zu denken, es ist nie das, was wir uns erwartet haben. Das Team ist verunsichert, aber man muss auch sehen, was dazu geführt hat: Unser Verletzungspech war enorm, dazu kam die Sperre gegen Josh Holden. Trotzdem: Platz 11 nach einem Drittel der Qualifikation tut sehr weh. Gut ist, dass die Punkteabstände zwischen den Teams ober- und unterhalb des Strichs gering sind.

Und nun?

Staerkle: Jetzt brauchen wir ein Erfolgserlebnis, und damit meine ich nicht einen Sieg, sondern drei, vier hintereinander. Am Dienstag gegen Rapperswil müssen einfach drei Punkte her, und nachher haben wir Lausanne auswärts. Zudem: Nach der Nationalmannschaftspause sind alle Verletzten zurück, das Team wieder da.

Dennoch: Der Sinkflug ist nicht einfach so eingetreten. Die sportliche Leitung hat mit der Wahl der Ausländer einen schlechten Job gemacht.

Staerkle: Es ist so, dass wir bei den Entscheidungen, was unser ausländisches Personal angeht, nicht die glücklichste Hand gehabt haben.

Aber wie kann das sein? Schliesslich geht es nicht um eine schlechte Wahl, sondern mindestens um deren drei.

Staerkle: Wie wir so danebenliegen konnten, fragen wir uns selber auch. Denn es ist ja nicht einer allein, der dafür die Verantwortung trägt, nicht Sportchef Jakub Horak, nicht Trainer Doug Shedden, sondern wir alle zusammen.

Sechs von acht Ausländer-Lizenzen hat der EVZ in dieser Saison verbraucht. Ist jetzt erst mal abwarten angesagt?

Staerkle: Ja, das ist so. Wenn unser Goalie verletzt ausfallen sollte, müssen wir die siebte einsetzen, genau das Gleiche, falls Josh Holden oder Rob Schremp ausfällt. Jetzt eine siebte Lizenz einzusetzen, ist ein unglaublich heisses Spiel.

Gerade Josh Holden, der am Freitag in Lausanne nach acht Spielen wieder ins Team zurückkehrt, steht in einer Bringschuld.

Staerkle: Josh ist sich bewusst, dass ein Foul mit diesen Auswirkungen kontraproduktiv war für das sportliche Wohl der Mannschaft. Ich spüre, dass ihm nicht wohl dabei ist. Als Wiederholungstäter weiss er genau, dass er sich nun nichts mehr erlauben darf. Auf der einen Seite kann das Bremswirkung haben, auf der andern Seite liegt es nun an ihm, dem Team etwas zurückzugeben.

Ist es richtig zu sagen, dass Sie Holden als grösste Hoffnung für eine bessere sportliche Zukunft erachten?

Staerkle: Ja, das kann man durchaus so ausdrücken.

Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus. In einer solchen Situation probiert ein Spieler im Normalfall, sich in bestem Lichte zu präsentieren. Holden dagegen ist völlig ausgerastet und schadete der Mannschaft. Wie geht das zusammen?

Staerkle: Das habe ich mich auch gefragt. Vielleicht ist Trashtalk der Grund, dass sich Holden zu einem solchen Foul hat hinreissen lassen. Er hat in dieser Saison wegen einer Verletzung und der Sperre mehr Spiele verpasst als bestritten. Daran haben wir nicht die geringste Freude.

Aber warum haben Sie Holden denn eine solche Schwächung der Mannschaft einfach durchgehen lassen und erst recht einen Wiederholungstäter nicht zur Kasse gebeten? Das ist doch ein ungutes Signal an die anderen Spieler.

Staerkle: Diesen Standpunkt kann ich durchaus begreifen. Aber sehen Sie: Ein emotionaler Spieler wie Josh Holden agiert immer am Limit. Das erwartet auch das Publikum von ihm. Aber gerade diese Spielweise ist immer eine Gratwanderung. Holden ist jetzt schon verunsichert. Hätten wir ihn gebüsst, wäre vielleicht sein Engagement nicht mehr so, wie wir uns das wünschen. Wir wollen ihn wieder so, dass er uns hilft. Sobald er zurück ist, muss er uns Inputs liefern. Und was unseren Strafenkatalog betrifft: Falls sich ein Spieler in der Öffentlichkeit etwas zu Schulden kommen lässt, das dem Ansehen des Vereins schadet, wird er intern zur Rechenschaft gezogen und gebüsst.