EISHOCKEY: Kläy: «Playoff war eine Enttäuschung»

EV-Zug-Sportchef Reto Kläy (36) spricht im Interview über die Konsequenzen, die das Playoff-Aus nach sich zieht. Und die Verhandlungen mit Lino Martschini.

Interview Nicola Berger
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EVZ-Sportchef Reto Kläy verteidigt die Arbeit des Trainerteams: «Es hat in meinen Augen sehr gute Arbeit geleistet.» (Bild Stefan Kaiser)

EVZ-Sportchef Reto Kläy verteidigt die Arbeit des Trainerteams: «Es hat in meinen Augen sehr gute Arbeit geleistet.» (Bild Stefan Kaiser)

Interview Nicola Berger

Ein Ausscheiden im Viertelfinal hatte im EV Zug schon gravierende Konsequenzen: 2001 ordnete der Klub eine externe Untersuchung an. Die Task-Force um Liga-Einzelrichter Reto Steinmann denunzierte eine «Viererbande» um André Künzi, Dino Kessler, Patrick Sutter und André Rötheli – der Verein versank wochenlang im Chaos. Heute verarbeitet der EVZ die Enttäuschung gesitteter, wenn teilweise auch nicht weniger emotional: In der Garderobe flossen bei einigen Protagonisten nach Spielschluss bittere Tränen.

Einen Tag danach hatten sich die Wogen gestern wieder geglättet, auch wenn der Ärger noch immer gross war – gerade in der Finanzabteilung. Der EV Zug hat zwar ein Aus im Playoff-Viertelfinal budgetiert (das ist branchenüblich), ein Vorstoss in den Halbfinal jedoch hätte zusätzliche Mittel generiert – die in die erste Mannschaft hätten investiert werden können, beispielsweise in einen möglichen Zuzug von Calgary-Verteidiger Rafael Diaz. Noch ist das Zukunftsmusik; Manager Reto Kläy zieht derweil eine erste Saisonbilanz.

Reto Kläy, wie bewerten Sie Ihre erste Saison als EVZ-Stratege?

Reto Kläy:Wir haben eine sehr gute Qualifikation gespielt, in der wir den vierten Platz erreichten. Dort gehören wir hin. Das Playoff war dann eine Enttäuschung, keine Frage.

Warum hat es nicht zu mehr gereicht?

Kläy:Es gab bei uns wenige Spieler, die im Vergleich zur Qualifikation noch ein Brikett nachschieben konnten. Davos war effizienter, hat schnörkelloser gespielt und die Serie verdientermassen gewonnen.

Sie sind mit den designierten Leistungsträgern unzufrieden.

Kläy:Ich nenne keine Namen, aber es gab auf jeden Fall Spieler, von denen wir uns mehr erhofft haben. Das werden wir in den Einzelgesprächen nächste Woche auch ansprechen. Beim einen oder anderen wird Klartext gesprochen werden. Es war nicht alles schlecht, aber eben auch nicht alles Sonnenschein.

Wer steht mehr in der Verantwortung: der Trainer oder die Spieler?

Kläy:Wenn der Erfolg ausbleibt, heisst es am Schluss immer: Der Trainer ist schuld. Aber dagegen wehre ich mich. Als Coach kannst du nur dafür sorgen, dass die Spieler die bestmögliche Ausgangslage haben, ihre Bestleistung abzurufen. Dass das am Ende dann auch gelingt, liegt in der Eigenverantwortung der Spieler. In meinen Augen hat das Trainerteam sehr gute Arbeit geleistet.

Hat der EVZ in Ihren Augen überhaupt das Potenzial, um den Meistertitel mitzuspielen?

Kläy: Ja, aber es müssen viele Faktoren stimmen. Es heisst immer, wir hätten die teuerste Mannschaft aller Zeiten. Das stimmt zwar, aber bei vielen anderen Klubs lässt sich das Gleiche sagen. Punkto Budget liegen wir auf Platz 5 oder 6, das darf man nicht vergessen. Wir haben Ambitionen, aber vielleicht hat uns in diesem Jahr die Erfahrung gefehlt. Teilweise liessen wir uns zu einfach abdrängen. Jetzt geht es darum, dass wir die richtigen Lehren daraus zu ziehen. An dieser Niederlage gegen Davos können wir als Team nur wachsen.

Welche Akteure oder Aspekte haben Sie positiv überrascht?

Kläy:Die Entwicklung von Nolan Diem hat mich gefreut. Und dann sicher die Saison von Tobias Stephan. Man hat gewusst, was er kann. Aber seine Konstanz war phänomenal.

Man hatte gegen Davos den Eindruck, dem EVZ würde einer wie Marc Wieser fehlen. Ein Mann, der giftig spielen und für Emotionen sorgen kann.

Kläy: Ich kann nicht abstreiten, dass dieses Element bei uns zu kurz kam.

Wird sich das ändern für 2015/16? Im Angriff ist ja noch ein Platz frei.

Kläy:Wir suchen einen Rollenspieler, der diese Aufgabe ausfüllen könnte, das stimmt. Aber es gibt keine Garantie, dass wir ihn auch finden.

An Mark Bastl vom ZSC haben Sie aus strategischen Überlegungen kein Interesse, weil er bald 35 Jahre alt wird. Suchen Sie einen jungen Bastl?

Kläy:Das kommt ungefähr hin, ja.

Was ist mit Robbie Earl, dessen Vertrag endet und der mit Kloten in Verbindung gebracht wird?

Kläy:Während des Playoffs hat die Kaderplanung bei uns geruht. Ich kann nicht sagen, in welche Richtung es geht. Nur so viel: Wir haben es nicht eilig.

Können Sie ausschliessen, dass Spieler mit laufenden Verträgen den EVZ verlassen?

Kläy:Nach heutigem Stand wird das nicht passieren.

Der Vertrag von Lino Martschini endet 2016, er war 2014/15 der beste NLA-Skorer mit Schweizer Pass. Arbeiten Sie bereits an einer vorzeitigen Vertragsverlängerung?

Kläy:Wir werden uns zusammensetzen, das ist richtig. Es ist klar, dass wir Lino langfristig halten möchten. Ich hoffe, dass wir über den Sommer eine Einigung finden.