EISHOCKEY: Kläys schwierige Fälle beim EVZ

Bei total zwölf Angestellten des EV Zug muss Manager Reto Kläy über eine Weiterbeschäftigung befinden. Besonders knifflig: der Fall von Dominic Lammer.

Nicola Berger
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Reto Kläy will den EV Zug mit Ergänzungsspielern aufwerten. (Bild: PD)

Reto Kläy will den EV Zug mit Ergänzungsspielern aufwerten. (Bild: PD)

An jedem Sonntag, zwischen 11 und 12 Uhr, löst der Detektiv Philip Maloney «haarsträubende Fälle» auf dem Radiosender SRF 3. Auch der Zuger Eishockeymanager Reto Kläy (36, im Bild) muss sich in diesen Tagen mit brisanten Angelegenheiten auseinandersetzen – mit dem kauzigen Ermittler Maloney verbindet ihn der träfe, trockene Humor.

Kläy ist in Zug dafür angestellt worden, dem EVZ möglichst zeitnah eine Meistermannschaft zu zimmern. Er hat das ja schon einmal geschafft, eine Stufe tiefer, als der von ihm zusammengestellte SC Langenthal den NLB-Titel holte, im Jahr 2012.

Kläy: «Lammer hat viele Qualitäten»

Wer Champion werden will, sagt Kläy, brauche eine starke Teamachse, die gemeinsam über Jahre reifen kann. In Zug besteht dieser Kern – lässt man die Ausländer weg, wegen der hohen Personalfluktuation auf diesen vier Posten – derzeit aus Torhüter Tobias Stephan, den Verteidigern Tim Ramholt und Robin Grossmann sowie den Angreifern Dario Bürgler und Reto Suri. Die Pendenz Suri hat Kläy früh abgearbeitet, der Nationalspieler ist nun bis 2019 gebunden; von den genannten Führungsspielern stehen alle bis mindestens 2016 beim EVZ im Wort.

Für die kommende Spielzeit unter Vertrag stehen: ein Torhüter (Stephan), fünf Verteidiger (Alatalo, Blaser, Grossmann, Morant, Ramholt) und sieben Angreifer (Bürgler, Diem, Holden, Martschini, Peter, Schnyder, Suri).

Dazu kommen drei zusätzliche Ausländer (voraussichtlich mindestens zwei Stürmer), womit die ersten beiden Angriffslinien aufgefüllt wären. Für Kläy geht es im Angriff entsprechend darum, das Team bei den Ergänzungsspielern aufzuwerten. Die Verpflichtung des bullystarken Allrounders Emanuel Peter (30) vom EHC Biel war ein erster Schritt; weitere dürften folgen.

Unter anderem steht Kläy dabei bei Dominic Lammer (22) vor einer diffizilen Entscheidung. Es ist ja so, dass der schmächtige Zürcher die Hände für die ganz grosse Karriere hätte. Er ist ein Puck-Artist mit der Technik für die NHL. Wie kommt es also, dass er in der NLA nie mehr als 15 Punkte produziert hat? Nun, Lammer leidet darunter, dass sich in diesem Sport nicht alle Aufgaben spielerisch lösen lassen, auf der Profistufe akzentuierten sich bei ihm nach starkem Start Defizite in Sachen Tempo und Körperspiel. Diese Lektion musste er erst lernen, und der Prozess war schmerzhaft für einen, der nach seinem fabulösen Airhook-Tor im Januar 2012 als «der nächste Damien Brunner» gefeiert wurde – auch in diesen Spalten.

Brunner verdient in New Jersey in dieser Saison 2,5 Millionen Dollar, Lammer dagegen kämpft um einen Job. Er wird ihn fraglos finden, in der NLA, und wenn er möchte, wird er in Zug bleiben können. Kläy sagt: «Lammer hat viele Qualitäten.»

Für den EVZ ein Luxus

Die Frage ist nur, ob das die sinnvollste Lösung ist. Von Coach Harold Kreis wird Lammer derzeit in der vierten Linie eingesetzt, neben Nolan Diem und Fabian Schnyder. Lammer akzeptiert seine Rolle klaglos, und er hat seinen Stil gewechselt: Er spielt nicht mehr für die Galerie, sondern überraschend giftig: Obwohl er nur 1,71 Meter misst, hat er am meisten Checks der Mannschaft verteilt. Es ist jedoch auch klar, dass Defensivarbeit nicht die prioritäre Qualität Lammers ist: Seine Minus-5-Bilanz ist die schlechteste im Team.

Um sich entfalten zu können, müsste Lammer den Sprung in die Top 6 schaffen und am grossen offensiven Rad drehen. So wie bei den Elite-Junioren, wo er 2011/12 in 34 Spielen 66 Skorerpunkte produzierte. Das ist das Problem Lammers, nicht von Kläy, denn für den Manager ist es ein Luxus, einen Mann in der vierten Linie zu wissen, der das Potenzial für, sagen wir, 25 bis 30 Punkte hat und der in eine offensive Rolle schlüpfen kann, sollte sich eine der arrivierten Kräfte verletzen.

Lammer dagegen muss sich fragen, ob er sich damit zufrieden geben will – oder ob sich ihm anderswo mehr Einsatzmöglichkeiten bieten würden, bei einem weniger ambitionierten Team vielleicht. Er sagt, sein Agent Erich Wüthrich – der vormalige Berater von Damien Brunner – sondiere den Markt.

Kläy wird die Entwicklung aufmerksam verfolgen. Philip Maloney muss sich wöchentlich mit Morddelikten und Drogenhandel auseinandersetzen. Die schwierigen Fälle des Reto Kläy sind weniger blutrünstig – aber nicht minder spannend.

Diese Verträge laufen aus:

Tor: Gianluca Hauser (20).

Abwehr: Calle Andersson (20), Samuel Erni (23), Simon Lüthi (28), Daniel Sondell (30).

Angriff: Alessio Bertaggia (21), Pierre-Marc Bouchard (30), Björn Christen (34/Rücktritt definitiv), Nico Dünner (20), Robbie Earl (29), Fabrice Herzog (19), Dominic Lammer (22), Fabian Sutter (32).

Die nächsten Spiele

NLA. Heute, 19.45: ZSC Lions - Fribourg.

Cup. Achtelfinals. Dienstag, 19.45: Lugano - Bern. – Mittwoch, 19.45: ZSC Lions - Zug (in Winterthur). Fribourg - Ambri. Langenthal - Rapperswil. SCL Tigers - Olten. Servette - Lausanne. Biel - Kloten. – 20.00: Visp - Davos.