EISHOCKEY: Klingbergs «verrückte Zeit»

Carl Klingberg (26) kehrt als schwedischer Weltmeister nach Zug zurück. Der Stürmer lobt Schwedens NHL-Stars und sagt, warum er sich beim EVZ rundum wohlfühlt.

Sven Aregger
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Selfie mit den Fans: Carl Klingberg und seine Mannschaftskollegen lassen sich in Schweden feiern. (Bild: Imago/Johanna Lundberg (Stockholm, 22. Mai 2017))

Selfie mit den Fans: Carl Klingberg und seine Mannschaftskollegen lassen sich in Schweden feiern. (Bild: Imago/Johanna Lundberg (Stockholm, 22. Mai 2017))

Sven Aregger

sven.aregger@luzernerzeitung.ch

Carl Klingberg hat aufregende Tage hinter sich. «Eine verrückte Zeit», wie er sagt. Der 26-jährige Flügel des EV Zug ist am Sonntag mit der schwedischen Nationalmannschaft Weltmeister geworden – dank eines Sieges im Penaltyschiessen gegen Kanada. Seither hat er nur wenig geschlafen. Nach der ersten Partynacht in Köln flog er mit dem Team – ehrenvoll begleitet von zwei schwedischen Kampfjets – nach Stockholm. Dort wurde die Mannschaft von der schwedischen Königs­familie willkommen geheissen, bevor sie sich mitten in der Stadt von Tausenden Fans ausgiebig feiern liess.

Klingberg sagt: «Ich habe immer von diesem Titel geträumt. Es ist das Grösste, was ich je erreicht habe.» Er liess sich in sechs WM-Spielen ein Tor und eine Vorlage notieren. Ab dem Viertelfinal sass er überzählig auf der Tribüne. «Ich erhielt nur wenig Eiszeit und musste in der vierten Linie stürmen, was das Skoren erschwert. Aber ich glaube, ich habe meine Sache gut gemacht», bilanziert er.

Titel mit Bruder bedeutet ihm viel

Klingberg wusste von Anfang an, dass er eine untergeordnete Rolle spielen würde im stark besetzten schwedischen Kader mit NHL-Stars wie Goalie Henrik Lundqvist (New York Rangers), Jungtalent William Nylander (Toronto) oder Center Nicklas Bäckström (Washington). «Sie alle sind keine egozentrischen Diven, sondern wirklich gute Typen mit einer professionellen Einstellung», erzählt Klingberg. «Wir waren ein richtiges Team und haben füreinander gekämpft, ähnlich wie in der vergangenen Saison in Zug. Das war ausschlag­gebend für unseren Erfolg.»

Zur Mannschaft gehörte auch Carls zwei Jahre jüngerer Bruder John Klingberg, Offensivverteidiger der Dallas Stars. «Es bedeutet mir viel, dass ich den WM-Titel gemeinsam mit John gewinnen konnte. Er ist nicht nur mein Bruder, er ist mein bester Freund.»

Wichtiges Puzzleteil in den Playoffs

Inzwischen weilt Carl Klingberg wieder in Zug, wo er sich wegen einer Verletzung am rechten Fuss behandeln lässt. «Nichts Gravierendes», versichert er. Der Saisonstart im September sei nicht gefährdet. Beim EVZ fühlt er sich rundum wohl, vor der WM hat er seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. «Der EV Zug unternimmt alles für den Erfolg, genauso wie ich selber», sagt Klingberg. Und er betont: «In Zug lassen sie mich den Spieler sein, der ich bin. Sie schätzen mich für meine gradlinige, harte, physische Spielweise. Sie erwarten keine technischen Wunderdinge von mir.» Klingberg kam in der abgelaufenen Saison auf 17 Tore und 18 Assists. Die Kritik, die er zu Beginn einstecken musste, irritierte ihn. Er musste lernen, dass ausländische Stürmer in der Schweiz vor allem an den Skorerpunkten gemessen werden. Der 1,90 Meter grosse und 96 Kilo schwere Athlet räumt ein, dass er Eingewöhnungszeit brauchte. «Aber ich habe meine Rolle im Team gefunden.» Mit seiner Robustheit und der konsequenten Störarbeit vor dem gegnerischen Tor war er ein wichtiges Puzzleteil beim Zuger Vorstoss in den Playoff-Final.

Klingberg, der die kommenden Wochen in Göteborg verbringen wird («trainieren, golfen, Freunde treffen»), will den WM-Elan in die neue EVZ-Saison mitnehmen. Er sagt: «Eishockey ist ein ständiger Lernprozess. Ich habe an der WM viele Erfahrungen gesammelt. Davon soll auch der EV Zug profitieren können.»